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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 07.03.2017

Josef Hader"Ich spiele gern trotzige Männer"

Moderation: Susanne Führer

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Der Schauspieler und Kabarettist Josef Hader. (Tobias Hase/dpa)
Der Schauspieler und Kabarettist Josef Hader. (Tobias Hase/dpa)

Der österreichische Kabarettist, Schauspieler, Autor und Regisseur Josef Hader greift zur "hinterlistigen, katholischen Bescheidenheit", um schwierigen Fragen zu entkommen. Unsere Moderatorin Susanne Führer hat diese dennoch gestellt.

"Weihnachten gab es bei uns immer Pizza mit Meeresfrüchten ..."

... erzählt Josef Hader in seinem Kabarett-Programm "Privat".

Im Deutschlandradio Kultur gestand er nun:

"Das war gelogen."

Wahr ist hingegen: Josef Hader, Jahrgang 1962, wuchs auf einem österreichischen Bauernhof auf.

"Ich bin sehr von den Großeltern erzogen worden, weil das auf einem Bauernhof halt so ist, dass die Eltern viel arbeiten müssen. Und das waren tolle Großeltern."

Start ins Leben als dickes Einzelkind

Aber es war ein Einzelhof, ohne andere Kinder drum herum.

"Und dann war der Schock mit 6 Jahren: plötzlich in die Grundschule.  Das war sehr schwierig für mich, weil ich hatte davor mit anderen Kindern nur sehr wenig zu tun gehabt. Und ich habe mich sehr schwer getan, mich zu sozialisieren."

Er sei ein "dickes, in sich zurückgezogenes Kind" gewesen, das nicht gut Fußball spielen konnte, sich in Bücher vergrub, und das bis zur Pubertät Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen hatte, berichtet Hader.

"Ich glaube, dass ich deswegen heute schreibe und mir Dinge überlege und glücklich dabei bin, weil ich damals durchs Lesen gelernt habe, dass es wahnsinnig schön sein kann, in eine andere Welt zu gehen."

In der Schule begann Josef Hader auch Kabarett zu spielen, und schon als junger Mann war er damit so erfolgreich, dass er sein Studium abbrach.  Dafür kamen andere Aufgaben hinzu: Schauspieler, Drehbuchautor und – ganz frisch – Regisseur.

Drehbuch, Hauptrolle, Regie: alles Josef Hader

In dieser Woche läuft der Film "Wilde Maus" in den deutschen Kinos an. Drehbuch, Hauptrolle und Regie: alles Josef Hader. Er spielt einen Musikkritiker, der seine Arbeit verliert und auf Rache sinnt – ein Stoff auch für Hollywood à la "Ein Mann sieht rot".

Aber ein Heldenepos ist nichts für Josef Hader:

"Das ist ja ein österreichischer Film, da sind wir nicht so talentiert in Heldenepen. Aber es war mir wichtig, dass es kein reiner Komödienstoff ist, weil ich immer finde, dass so reine Komödienstoffe, wo die Komödie ganz auf der Hand liegt, dass es ganz schwer ist, dass das dann interessant wird. Ich habe mir gedacht, ich nehme lieber einen Stoff, der ein bisschen was ist für eine Tragödie und mach dann eine tragische Komödie daraus."

Der Held des aktuellen Films ist ein etwas unbeholfener Mann, der mit seiner Umwelt und den Mitmenschen einige Schwierigkeiten hat – ein Typus, eine Rolle, die es Josef Hader angetan hat:

"Ja, in verschiedenen Ausformungen spiele ich gern trotzige Männer. Männer, die nicht so raus können aus sich, die das Herz nicht auf der Zunge tragen. Das ist wahrscheinlich eine Figur, die mir näher liegt, oder die ich einfach besser spielen kann als so wortreiche Figuren."

Schauspielerei? "Da bin ich sehr limitiert"

Ein supertalentierter Schauspieler sei er ohnehin nicht, "ich bin da sehr limitiert", er sei da so reingerutscht, meint Hader.

Warum hat er dann für seine Leistungen als Schauspieler den Preis der deutschen Filmkritik, den Deutschen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis bekommen? Sind die Kritiker alle bescheuert?

Josef Hader, ernst:

"Nein, nein, Sie dürfen sich da nicht täuschen lassen. Das ist diese hinterlistige katholische Bescheidenheit, die ich in der Klosterschule schon eingedrillt bekommen habe."

Josef Hader nimmt in "Wilde Maus" die Kritiker-Zunft aufs Korn. Nach Meinung des Musikkritikers Manuel Brug - seit vielen Jahren in diesem Beruf unterwegs - gelingt ihm das ziemlich gut. "Ich habe manchmal gezuckt, oft gelacht und manchmal auch, sozusagen, geistig abgewunken. Das ist ja auch des Recht des Kabarettisten und Satirikers: dass er über das Ziel hinausschießt." Hören Sie hier das Interview mit Manuel Brug in "Tonart".

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