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Lesart | Beitrag vom 28.10.2020

Jonas Jonasson über seinen neuen RomanDas kreative Potenzial der Rache

Jonas Jonasson im Gespräch mit Frank Meyer

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Jonas Jonasson (picture alliance / Horst Galuschka)
"Ich kann meine Bücher nicht nur mit sozialem Engagement füllen", sagt Jonas Jonasson. (picture alliance / Horst Galuschka)

Jonas Jonasson hat spät angefangen zu schreiben, ist dafür aber umso erfolgreicher. Nun kommt sein fünfter Roman auf den Markt. Es geht um einen Massai in Schweden und um eine offene Rechnung.

Jonas Jonasson hat erst mit Ende 40 seinen ersten Roman veröffentlicht. Seitdem haben sich mittlerweile vier Bücher über 16 Millionen Mal verkauft. Jetzt steht Nummer fünf in den Startlöchern. Es geht um Rache und einen Massai in Schweden.

"Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte": Das ist der Titel von Jonas Jonassons neuestem Roman. Der englische Titel des Buches lautet "Sweet, Sweet Revenge Ltd.". Rache ist süß und hat den Autor beschäftigt: Der Grund dafür sei das kreative Potenzial, das Rache in sich trage, sagt Jonasson.

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Er könne seine Bücher nicht nur mit sozialem Engagement füllen, sagt Jonasson. Humor helfe ihm dabei, dunklere Themen aufzuhellen.

Soziale Medien als Gefahr für die Meinungsfreiheit

Das Thema, für das er sich im neuen Buch engagiert, ist die Freiheit von Meinung und Kunst, die er aktuell in Gefahr sieht: "Seitdem Social Media so wichtig geworden ist, neigt man dazu, alles nur schwarz-weiß zu sehen. Statt so, wie es eher ist: nämlich kompliziert. Es geht nur noch um ein Ja oder Nein und sehr schnell ist man bei populistischen Meinungen wie 'Schmeißt sie raus' oder 'Sperrt sie ein'. Und das ist etwas, was mich durchaus sehr beschäftigt."

Wenn man Länder wie Ungarn, Polen, Brasilien und inzwischen auch die USA betrachte, könne man sehen, dass stabile Demokratien keine feste Gegebenheit seien und die Dinge sich auch schnell wieder ändern könnten.

"Geschichte wiederholt sich leider", sagt Jonasson. "Die Freiheit der Kunst bedeutet ja auch Meinungsfreiheit. Das ist das, wofür Demokratien letztendlich stehen. Und ich muss zugeben, dass mich der Zustand der Welt zurzeit doch sehr beunruhigt."

Der Humor als verbindendes Element

Themen wie Patriotismus und extremer Nationalismus, denen Jonasson sich in seinen Büchern widmet, sind weltweit relevant. Dafür würden auch die 16 Millionen verkauften Exemplare in 45 Ländern sprechen, meint der Autor:

"Ich kann Ihnen eine Geschichte erzählen. Da ist extra ein südkoreanischer Journalist aus Seoul zu mir nach Stockholm geflogen und hat mich gefragt, ob mein Humor typisch schwedisch ist. Und ich entgegnete ihm: 'Haben Sie mir nicht gerade erzählt, dass ich zur Zeit der Nummer eins-Bestseller in Südkorea bin? Ist es dann nicht also südkoreanischer Humor, beziehungsweise: Ist das dann nicht ein globaler Humor?' Und führt das nicht letztendlich dazu, dass man sich eigentlich gar nicht so stark unterscheidet, wie das immer behauptet wird?"

(hte)

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