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Lesart | Beitrag vom 19.11.2019

Johanna Thydell/ Emma Adbåge: „Blödes Bild“ Das beste Geschenk, das man Geschwistern machen kann

Von Kim Kindermann

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Das Buchcover von "Blödes Bild!" auf dem DLF Kultur Hintergrund.
Alles stimmt an diesem Bilderbuch: Die Sprache, die Gestaltung, die Illustrationen.

Große Schwestern und Brüder sind aus Sicht der Jüngeren vieles: älter, schlauer, geschickter. Doch sie sind auch die besten Gefährten! Das großartig illustrierte Buch "Blödes Bild" ist eine wunderbare Hommage an die Geschwisterliebe.

Und plötzlich ist man wieder kleine Schwester. Die, die nichts so gut kann wie die ältere - oder das zumindest selber glaubt. Schon beim Titelbild von Johanna Thydells neuem Buch fängt diese Zeitreise an: Da sitzt miesgelaunt ein kleines Mädchen - blonde Zöpfe, rote Wangen, runtergezogene Mundwinkel. Vor ihr liegt ein zerknittertes Blatt Papier. Bis auf ein paar schwarze Kritzeleien ist es weiß. Eine Anklage pur. Zumal der große Bruder, der ihr gegenüber sitzt, in seiner Malerei zu versinken scheint.

Willkommen in der Welt der Geschwister

"Minze hat keine Idee, was sie malen soll", heißt es dann passend im ersten Satz. Und weiter: "Ihr großer Bruder hat immer Ideen, und er malt superschön." Und egal, was Minze überlegt zu malen, einen Bären, eine Bauernhof, einen Bus oder eine Blume, er wird es besser können. Wie auch sein Zimmer spannender und toller ist. Drei Mal so toll! Denn das ist Max, drei Jahre älter. Meine Schwester ist vier Jahre älter. Aber sonst war alles ganz genauso.

Willkommen in der Geschwister-Welt - und in diesem wunderbaren Bilderbuch. Feinfühlig und klug blättert Johanna Thydell dieses alltägliche Kinderdrama vor ihren Leserinnen und Lesern auf. In kurzen Sätzen nimmt sie mit in Minzes Gefühlswelt: ihre Wut, ihren Frust und ihre Selbstzweifel. Seite für Seite wird alles schlimmer, Minzes Gesicht rot und röter, ihre Stimmung immer grässlicher. Denn egal wie sehr sie sich bemüht - und das tut sie - es geht schief. Auch als sie beschließt, eine Schneeflocke zu zeichnen. Vor Wut schneidet Minze schließlich wild in das zerknüllte Bild ein, damit es "dem Bild genauso weh tut wie ihr".

Alles doof! Wäre da nicht Max, der ihr die schönste Papier-Schneeflocke der Welt überreicht. "Das warst Du selbst, Giftnudel!" ist wohl der schönste Große-Bruder-Satz der Welt. Holt er doch Minze raus aus ihrem selbstgemachten Kummer. Einfach so. Weil er den zerknitterten Papierball genauer angeschaut hat. Weil er Mitzi kennt. Weil sie seine Schwester ist. Und weil (große) Geschwister genau so was tun. Einen retten!

Großartig geschrieben, großartig illustriert

Alles stimmt an diesem Bilderbuch: die Sprache, die Gestaltung, die Illustrationen. Letztere stammen von Emma Adbage und sind einfach herzzerreißend großartig. Das liegt vor allem auch daran, dass die Figuren - witzige Bleistiftzeichnungen, die anschließend nachkoloriert wurden - selbst an Kinderzeichnungen erinnern. Die großen Köpfe mit den kleinen Augen, der winzigen Nase und dem Stich-Mund. Dazu die viel zu dünnen Körper, mit kleinen Armen und kurzen Beinen.

Das hat großen Charme und passt so liebevoll zum Text, dass man sich wirklich fragt, was war zuerst da, Bild oder Text? Denn jede Laune, jeder Gedanke Mitzis lässt sich in diesen Bilden erkennen. Das ist großer Spaß – und tatsächlich das beste Geschenk, das man Geschwistern machen kann. Egal wie alt sie sind.

Johanna Thydell/Emma Adbåge: "Blödes Bild"
Aus dem Schwedischen von Maike Dörries
Kunstmann, München 2019, 32 Seiten, 15,- EUR

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