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Lesart / Archiv | Beitrag vom 25.02.2017

Jochen Oltmer: "Migration" Sind wir nicht alle unterwegs?

Moderation: Florian Felix

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Handwerker sind am Freitag (23.03.2012) "auf der Walz" in Münster. Auf Wanderschaft darf nur derjenige gehen, der die Gesellenprüfung bestanden hat. Ihrer Heimatstadt dürfen sich die Gesellen in der Zeit der Wanderschaft, die in der Regel drei Jahre dauert, nur bis auf ein paar Kilometer nähern. Ihre Habe und ihr Werkzeug tragen die Männer in einem geschnürten Bündel, das Charlottenburger oder auch Charlie genannt wird. (picture-alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Migration ist ein Phänomen, das sich durch die Menschheitsgeschichte zieht - jeder von uns ist irgendwann einmal in Bewegung wie hier die Handwerker auf der Walz (picture-alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)

Menschen waren immer schon in Bewegung, sagt der Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer. Er hat dem komplexen Thema jetzt ein Buch mit dem schlichten Titel "Migration" gewidmet, in dem er Geschichte und Gegenwart des Phänomens beschreibt.

"Migration ist ein Normalfall menschlicher Existenz",  sagt der Migrationsforscher Jochen Oltmer im Deutschlandradio Kultur. Das gelte nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Vergangenheit. "Es war schon immer überall ein Normalfall", sagt das Vorstandsmitglied  des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück. In seinem neuen Buch "Migration. Geschichte und Zukunft der Gegenwart" geht er  den Hintergründen und Rahmenbedingungen dieses Phänomens nach. Der Blick in die Geschichte zeige, dass Migration schon bei Autoren der Antike als vermeintliche Bedrohung oder Gefahr auftauche, sagt Oltmer. Schon im 19. Jahrhundert habe es intensive Debatten über Migration gegeben, beispielsweise über wandernde Gesellen. Ein Schlüsselbegriff sei dabei die Frage der Nützlichkeit von Arbeitsmigranten.  

Manager als Arbeitsmigranten    

Oft vergessen wird gerne, dass auch der deutsche Rentner auf Mallorca als Migrant gelten kann. Selbst der nach China entsandte globalisierte Manager sei   ein Arbeitsmigrant, sagt der Wissenschaftler. "Auch das ist Migration", sagt Oltmer. "Es verändert  den Lebenslauf des Einzelnen ganz erheblich und es verändert eben auch gesellschaftliche Strukturen." 

Der Wissenschaftler widmet sich auch der Kettenwanderung, bei der sich Migranten in bestimmten Gegenden konzentrieren. Oltmer beschreibt in seinem Buch, das es vor allem Italiener aus dem Dorf  gewesen seien, die nach Irland auswanderten und dort bis heute das "Fish&Chips"-Business dominierten.  "Dreiviertel aller Italiener in Irland kommen aus der mittelitalienischen Kleinstadt  Casalatico und fast alle Italiener in Irland betreiben Fish&Chips-Shops", sagt der Migrationsforscher. Genauso könne man beobachten, dass die meisten Motel-Betreiber in den USA aus der gleichen indischen Provinz stammten. Oft sei es ein Zufall, dass ein Auswanderer in einem bestimmten Ort lande und dann würden weitere Landsleute nachgeholt.

Jochen Oltmer: "Migration. Geschichte und Zukunft der Gegenwart"
Konrad Theiss Verlag 2017, 19,95 Euro

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