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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 21.06.2017

Joana Breidenbach, Mitgründerin von "Betterplace""Wir stehen an einer interessanten Schwelle in unserer Welt"

Moderation: Susanne Führer

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Die Autorin Joana Breidenbach (Privat / Nils Hasenau)
Joana Breidenbach gründete zusammen mit anderen die Spendenplattform "betterplace.org". (Privat / Nils Hasenau)

Gesellschaftlicher Wandel ist ihr großes Ziel: "Betterplace"-Mitgründerin Joana Breidenbach nutzt das Internet, um Spenden und Startgelder zu sammeln für soziale Projekte. Die Idee dazu kam ihrer Familie bei einer Weltreise.

Es war eine fünfmonatige Weltreise mit der ganzen Familie, die Joana Breidenbach den Anstoß für die Internet-Spendenplattform "Betterplace" gab. Wo immer sie hinkamen, besuchte die Kulturanthropologin und Unternehmerin mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern soziale Projekte. In Bhutan im Himalaya habe sie die Choki Traditional Art School damals ganz besonders beeindruckt. An der Schule werden sozial benachteiligte Kinder zu Kunstschnitzern ausgebildet.

Nach dem Besuch an dieser Schule habe ihr Mann die Idee entwickelt, eine Internet-Plattform für lokale Grassroots-Projekte zu konstruieren, damit Menschen in anderen Erdteilen von diesen Projekten erfahren und sie unterstützen könnten. Stephan Breidenbach, Professor für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Internationales Wirtschaftsrecht, habe seinen Entwurf für eine solche Plattform auf eine Serviette aufgemalt und diese Serviette sei die Blaupause von "Betterplace" geworden. Nach ihrer Rückkehr nach Berlin startete das Ehepaar mit einem kleinen Projektteam den Aufbau von "Betterplace".

Mehr als 36 Millionen Euro Spenden gesammelt

"Unser Ziel ist es, dass wir kleine und mittelgroße gemeinnützige Organisationen, die keine großen Budgets für Marketing haben, zur Sichtbarkeit verhelfen", sagt Joanna Breidenbach. Auf der Internet-Plattform "Betterplace" können Hilfsprojekte in aller Welt ihre Ideen und Projekte vorstellen und nach dem Verfahren des Crowdfunding Spenden sammeln. Fast 20.000 gemeinnützige Initiativen meldeten sich seit Gründung bei der Plattform an. Mehr als 36 Millionen Euro Spenden kamen inzwischen zusammen.

Das Internet sei ein sehr wichtiger neuer Spendenkanal und werde immer bedeutsamer. Auf "Betterplace" könne man jüngere Spender treffen: "Der deutsche Spendenmarkt ist sehr überaltert, die Durchschnittsspender sind über 65 plus, auf "Betterplace" liegt das durchschnittliche Alter der Spender bei 37." Außerdem sei es im Internet sehr einfach, als Spender zum Fundraiser für die Organisation zu werden, der man spendet. Breidenbach betont, dass 97,5 Prozent der Spendenzahlung bei der Organisation ankämen, der man über "Betterplace" spende. 2,5 Prozent würden für die Transaktionskosten abgezogen.

Wunsch nach "globozentrischem Weltbild"

Die Weltreise habe auch ihre beiden Kinder nachhaltig verändert. Sie hätten viele unterschiedliche Lebensentwürfe kennengelernt und verstanden, dass diese nicht besser oder schlechter sind, sondern zunächst einmal einfach nur anders. Ihren Kindern diese Toleranz und Weltoffenheit zu vermitteln, sei ihr als Kulturanthropologin "ein Herzanliegen" gewesen. "Ich glaube, wir stehen wirklich an einer interessanten Schwelle in unserer Welt: Entweder wir können wieder in Nationalismen zurückkehren oder wir können so ein globozentrisches Weltbild und Bewusstsein entwickeln."

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