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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.01.2018

"Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht" in BerlinSpäte Geburtstagsfeier für Rosa von Praunheim

Michael Laages im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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(Arno Declair)
Božidar Kocevski (Arno Declair)

Etwa 150 Filme hat Rosa von Praunheim gedreht, aber noch nie am Theater inszeniert. Mit 75 Jahren hat die Ikone der Schwulen- und Lesbenbewegung nun mit "Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht" am Deutschen Theater in Berlin debütiert. Unser Kritiker ist aber wenig begeistert.

Rosa von Praunheim - mit bürgerlichem Namen Holger Mischwitzky - ist dem breiten Publikum vor allem für seinen umstrittenenen Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" bekannt. Mit ihm löste er Anfang der 1970er Jahre Schwulenbewegung aus. Im November 75 Jahre alt geworden, startete er nun noch einmal neu durch: Am Deutschen Theater inszenierte er erstmals auf einer Bühne. ""Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht" ist eine Rückschau auf sein Leben. 

"Es ist kein Theaterabend, der besonders intellektuell oder auch nur intelligent sein Leben in eine theatralische Form gießen würde", bilanziert Theaterkritiker Michael Laages im Deutschlandfunk Kultur. Es sei eine Show, eine nachträgliche Geburtstagsfeier, in der von Praunheims Texte vorkämen. Gespielt werde von zwei Schauspielern, von denen einer Rosas Rolle übernehme, während der andere ihn meist auf dem Klavier begleite. 

Ein wenig zu viel Begeisterung für von Praunheims Geschichte

Einerseits spiele der Abend "deutlich mit der Endlichkeit nach diesen 75 Jahren", gleichzeitig nehme er vieles nicht so ernst. Inhaltlich halte er sich weitgehend an die Biografie von Praunheims. Laages ist insgesamt nicht überzeugt von der Aufführung. "Die Veranstaltung suhlt sich doch ein bisschen arg in der allgemeinen Begeisterung für eine gegen den Trend der Gesellschaft stehenden Gesichte, die Rosa erzählt hat." 

Das Publikum sei allerdings auch nicht das gewesen, das normalerweise ins Deutsche Theater komme. "Es ist ein Publikum, das auch in einer Szene-Bar einfach nur mitgackern würde, wenn irgendwie was halbwegs schlüpfriges gesagt wird", sagt Laages. Das mache den Abend nicht besser, aber deutlicher zu einer Geburtstagsfeier. 

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