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Konzert / Archiv | Beitrag vom 30.10.2020

Jakub Hrůša beim Deutschen Symphonie-Orchester BerlinPartituren voll böhmischer Farbigkeit

Moderation: Volker Michael

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Der Dirigent Jakub Hrůša sitzt auf einem grünen Sofa umgeben von Regalen voller Noten und Bücher. (Jakub Hrůša / Petra Klackova)
Der Dirigent Jakub Hrůša ist auch Spezialist für das tschechische Repertoire. (Jakub Hrůša / Petra Klackova)

Jakub Hrůša dirigiert beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin ein Programm mit mitreißenden Werken von Antonín Dvořák und Bohuslav Martinů. Am Beginn steht die flott-tänzerische Smetana-Ouvertüre zur "Verkauften Braut".

Eines verbindet die drei Werke dieses Konzertprogramms - ihre jeweiligen Schöpfer waren niemals zufrieden mit diesen Musikstücken. Dreimal hat Bohuslav Martinů sein 1. Cellokonzert revidiert, zweimal auch Antonín Dvořák seine 3. Sinfonie, die das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin erstmals in seiner über 70-jährigen Geschichte spielt. Und Bedřich Smetana komponierte seine Ouvertüre zur "Verkauften Braut" lange Zeit, bevor die "Operette" gleichen Namens fertiggestellt war.

Ein Cellist quert mit Cellokasten in der Hand eine großzügige Dachterasse in Prag. (Tomáš Jamník / Herbert Slavik )Der Cellist Tomáš Jamník. (Tomáš Jamník / Herbert Slavik )

Das war das letzte Konzert des Orchesters vor dem neuerlichen Kulturverbot. Wir haben den Abend in der Philharmonie Berlin aufgenommen. Der war auch insofern denkwürdig, als dass er am Tag der Gründung der demokratischen Tschechoslowakei gegeben wurde.

Ein tschechischer Dirigent und ein tschechischer Solist waren da, um ein rein tschechisches Musikprogramm aufzuführen - Jakub Hrůša und Tomáš Jamník. Und immer war es für die Komponisten dieses Programms wichtig, sich mit ihrer kulturellen Herkunft musikalisch auseinanderzusetzen.  

Dvořáks unbekanntes Jugendwerk

Am Schluss gibt es die dritte Sinfonie von Antonín Dvořák. Ein äußerst selten zu hörendes Jugendwerk. Außerdem spielte Tomáš Jamník zusammen mit dem DSO Berlin das aufregende erste Cellokonzert von Bohuslav Martinů.

Es sei eines der wichtigsten des zwanzigsten Jahrhunderts, meint der Solist. Beide Werke gehören zur immer wieder bearbeiteten Musik, die nie ganz fertig, aber in all ihren Stadien wunderbar und gut zu hören ist.

Höllisch schwer und lustig

Am Beginn des Konzerts stand die Ouvertüre zur lustigen Oper "Die verkaufte Braut" von Bedřich Smetana, ein hochvirtuoses Stück, der erste Erfolg des Komponisten auf seinem Weg zu Erfolg und eigenem Stil. 

Gemälde eines ernsten Mannes mittleren Alters mit Brille, gepflegtem Bart und Fliege. (imago images / Leemage)Bedřich Smetana wurde eigentlich auf den Namen Friedrich getauft, als Erwachsener Mann änderte er den Namen in die tschechische Variante. (imago images / Leemage)

Jakub Hrůša liebt es, die Ouvertüre zu dirigieren, obwohl er lachend zugibt, seine Rolle sei recht begrenzt - er könne nur die Musikerinnen und Musiker dazu ermuntern, möglichst locker und fröhlich diese Musik zu spielen. Was er dann auch getan hat bei seinem Berliner Gastspiel.

Aufzeichnung vom 28. Oktober 2020 in der Philharmonie Berlin

Bedřich Smetana
Ouvertüre zur Oper "Die verkaufte Braut"

Bohuslav Martinů
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 H. 196

Antonín Dvořák
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 10

Tomáš Jamník, Violoncello
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Jakub Hrůša

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