Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen

Angst und Morde erzeugen Nachrichtenlöcher

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Ein Schild vor der maltesischen Botschaft erinnert bei einer Mahnwache an die vor zwei Jahren ermordete maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia. Auf dem Schild steht: #Justice4Daphne. Zu der Mahnwache hatten "Reporter ohne Grenzen" aufgerufen und fordern von der maltesischen Regierung eine lückenlose Aufklärung der Tat.
Christian Mihr, der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, fordert einen besseren Schutz für Journalisten in Krisengebieten. © picture alliance/dpa/Christoph Soeder
Christian Mihr im Gespräch mit Gabi Wuttke · 17.12.2019
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389 Medienschaffende sitzen aufgrund ihrer Arbeit im Gefängnis, 49 wurden getötet. Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen erläutert, warum die Bilanz 2019 besonders dramatisch ist, obwohl nur halb so viele Journalisten starben wie im Vorjahr.
Natürlich sei jeder getötete Journalist einer zuviel, sagt der Journalist Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Mihr ist seit 2012 Geschäftsführer der Organisation. Besonders falle in der Bilanz zur Pressefreiheit 2019 auf, dass die meisten Medienschaffenden in Staaten getötet wurden, die sich gar nicht in Kriegen befänden, wie Mexiko und Pakistan.
Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, steht vor einem Banner der Journalistenorganisation
Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr.© imago images / Rainer Zensen
"Wir haben dieses Jahr eine deutlich höhere Zahl. Das heißt, wo Armeeangehörige und organisierte Kriminalität gezielt Journalisten ermordet haben, weil sie mit ihrer Arbeit nicht zufrieden waren. Das ist die ganz schlimme Entwicklung."

Berichterstattung wird zum Job von Amateuren

In der journalistischen Berichterstattung gebe es zwei parallel laufende Entwicklungen. Zum einen sei Europa viel stärker auf Journalisten aus Krisenregionen wie etwa Afghanistan oder Jemen angewiesen, weil immer weniger europäische Medienhäuser ihre Auslandskorrespondenten in Gefahr bringen wollten.
"Wir erleben regelrecht schwarze Nachrichtenlöcher, weil gleichzeitig auch einheimische Journalisten aus Angst, ermordet zu werden, ihren journalistischen Beruf gezielt aufgeben. Und das ist die eigentliche dramatische Entwicklung. Denn wenn wir auf einmal nichts mehr wissen über Regionen, über einen Krieg, der geopolitisch ganz zentral ist, dann hat das am Ende auch Einfluss auf Politik. Denn Journalismus schafft ja Öffentlichkeit, und wenn diese Funktion versagt, ist das problematisch."
Oft seien in Krisengebieten die Informationen von "Bürgerjournalisten", also nebenberuflich journalistisch tätigen Menschen vor Ort, die über soziale Netzwerke berichteten, die einzigen Quellen, um über bestimmte Konflikte überhaupt Kenntnis zu erlangen.

UNO-Sonderbeauftragter für Journalisten

Man müsse verhindern, dass das zur Regel werde, so Mihr. Die Staatengemeinschaft müsse aufgerüttelt werden, damit sie sich auf internationaler Ebene dafür einsetze, dass das nicht passiere:
"Wir setzen uns seit einigen Jahren für einen UNO-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten ein. Der Bundestag hat sich als erstes Parlament hinter diesen Beschluss gestellt."
Nun müsse man weitere Länder von der Notwendigkeit eines UNO-Sonderbeauftragten überzeugen, weil nur dann ein international koordinierter Schutz von Journalisten in Krisengebieten funktionieren könne. Denn eine NGO wie Reporter ohne Grenzen habe in Krisen keine Macht und auch nicht die Aufgabe, zwischen Regierungen zu vermitteln.
(mle)
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