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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.08.2019

Italienische Kulturschaffende und die RegierungskriseHoffen auf Staatspräsident Mattarella

Maria Gazzetti im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Der italienische Präsident Sergio Mattarella steigt eine Treppe herab. (imago images / Independent Photo Agency Int.)
Alle Hoffnungen liegen auf dem italienischen Präsident Sergio Mattarella, kein leichter Weg. (imago images / Independent Photo Agency Int.)

Italien macht Urlaub - und Innenminister Salvini nutzt die Zeit für Wählerstimmenfang, um Ministerpräsident zu werden. Die Kulturszene sei schockiert, sie werde von Salvini verhöhnt, sagt Museumsdirektorin Maria Gazzetti. Viele hofften auf den Staatspräsidenten.

Italien hat etliche Regierungskrisen erlebt. Einige Zeitungsmacher haben die Nase voll und schreiben, die gegenwärtige Krise sei die "verrückteste der Welt". Innenminister Matteo Salvini hat die Koalition seiner Partei Lega mit der Fünf-Sterne-Bewegung platzen lassen. Er, der bei Wahlen die Lega von vier auf 17 Prozent bringen konnte, will Regierungschef werden und wirbt derzeit an Mittelmeerstränden für sich – mit Rosenkranz oder Bierflasche, je nach Situation. 

Was denken die Kulturschaffenden über die Situation? Viele von ihnen zählen sich zum linken oder linksliberalen Lager.

Die Direktorin der Casa di Goethe, Maria Gazzetti, vor einer Kopie des Gemäldes "Goethe in der Campagna" von Johann Heinrich Tischbein; das Original des Gemäldes hängt im Frankfurter Städel. (imago/epd)Die Direktorin der Casa di Goethe, Maria Gazzetti, vor einer Kopie des Gemäldes "Goethe in der Campagna" von Johann Heinrich Tischbein; das Original des Gemäldes hängt im Frankfurter Städel. (imago/epd)

"Die Kulturschaffenden sind entsetzt", sagt Maria Gazzetti, Direktorin des Museums Casa di Goethe in Rom. "Sie haben im Moment leider keine politische Relevanz. Salvini hat es geschafft, die Kultur zu verhöhnen." Wann immer jemand aus der Kulturszene zur Solidarität für Europa, für offene Häfen aufrufe, bekomme er von Salvini zu hören: "Ihr seid jetzt am Meer in euren Villen - was leider zum Teil stimmt - und dann sagt er: Ihr könnt ja die Migranten holen. Also - es gibt auch eine Krise der Idee von Europa und der Idee von Humanität."

Hoffen auf die Demokratie - und Mattarella

Es sei sehr bedenklich, dass Salvini es innerhalb eines Jahres geschafft habe, den Koalitionspartner, die Fünf-Sterne-Bewegung, zu vernichten, resümiert Gazzetti.

Die Menschen in Italien hofften auf eine Lösung: Das rechte Lager hoffe auf Salvini als Retter. "Und die Kulturschaffenden - die Linken, die Liberalen - hoffen auf die parlamentarische Demokratie - aber vor allem auf den einen Mann: Mattarella - auf unseren Staatspräsidenten", betonte Maria Gazzetti. Mattarella genieße viel Vertrauen. Doch nun warte eine schwere Aufgabe auf ihn. "Es wird Neuwahlen geben - die Frage ist nur, wann." 

(mkn/abr)

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