Seit 22:03 Uhr Musikfeuilleton
Freitag, 23.07.2021
 
Seit 22:03 Uhr Musikfeuilleton

Literatur / Archiv | Beitrag vom 13.05.2018

Israelische Autoren und ihr LandDie Utopie hat ihren Glanz verloren

Von Carsten Hueck

Eine Frau sitzt am Strand von Jaffa.
Eine Frau sitzt am Strand von Jaffa.

"Wir sind nicht weiter gekommen. Wir haben kein neues Israel aus der alten jüdischen Welt erschaffen können", sagt Lizzie Doron. Auch andere israelische Schriftsteller blicken enttäuscht auf das, was 70 Jahre nach Staatsgründung aus dem Traum vom neuen Israel geworden ist.

Die Gründung des Staates Israels 1948 war nicht nur das Werk von Pionieren mit Schaufel und Gewehr. Auch die Schriftsteller taten das ihre: Sie entwickelten die neue Landessprache, formten das Bild des Neuen Juden und das der jüdischen Nation. Und sie reflektierten früh, wen diese ausschloss. Inzwischen hat die zionistische Utopie viel von ihrem Glanz verloren. Der Blick vieler Schriftsteller auf ihr Land ist vielfältiger geworden - und pessimistischer.

"Ich glaube, jetzt, nach 70 Jahren und all den Wandlungen, die wir durchgemacht haben, gibt es wenig Hoffnung", sagt etwa David Grossmann. "Stattdessen herrscht eine Art düstere Nüchternheit. Das Gefühl, Opfer zu sein, ist stärker als 1948. Damals waren wir tatsächlich Opfer des schrecklichsten Völkermordes der Menschheitsgeschichte: der Shoah. Aber weil es nach der Shoah noch Hoffnung gab, konnten wir uns aufraffen. Damals waren wir nicht gelähmt."

Carsten Hueck hat David Grossmann, Amos Oz, Uri Avnery, Lizzie Doron und andere israelische Autoren besucht und mit ihnen darüber gesprochen, wie und warum aus einem Traum eine glanzlose Utopie wurde.

Hier können Sie das vollständige Manuskript nachlesen.

Literatur

Armut in der LiteraturWege nach unten
Fotografie eines Stillebens mit einem Kochtopf aus dem ein Buch herausragt. (imago / Cavan Images)

Der leere Bauch bringt große Kunst hervor – meist glauben das Gutgenährte. Sicher ist, dass das Menschheitsthema Armut nicht wenige Künstler im 19. Jahrhundert zu bedeutenden Romanen inspiriert hat. Dann trat es in den Hintergrund. Nun ist die Armut zurück in der Literatur.Mehr

Schreiben auf der Flucht, 1940 und heuteTransit Marseille
Das historische Fort Saint-Jean an der Einfahrt zum Alten Hafen (Vieux-Port) in Marseille im Abendlicht. (picture-alliance / Maxppp Launette Florian)

Marseille ist eine Stadt der Passage. 1940 flohen Menschen vor Hitler hierher, um Europa zu verlassen. Davon erzählt Anna Seghers' "Transit". Heute leben andere Flüchtlinge in Marseille. Wieder sind Schriftstellerinnen und Schriftsteller unter ihnen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur