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Konzert / Archiv | Beitrag vom 22.01.2020

Irisches Nationales SymphonieorchesterDer unabhängige irische Geist

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent George Jackson (Brian Hatton/maestroarts)
Leitet ein rein irisches Konzert in Dublin - der junge Dirigent George Jackson (Brian Hatton/maestroarts)

Immer näher rückt das 100-jährige Jubiläum der irischen Unabhängigkeit. Das Nationale Symphonieorchester bereitet sich mit einem rein irischen Musikprogramm aus drei Epochen vor: Charles Stanford, Ina Boyle und Brian Boydell sind die Komponisten.

Ein verhältnismäßig junges Land wie die Republik Irland hat es immer ein wenig schwer, als unabhängige Musiknation wahrgenommen zu werden. Zumal wenn die Folklore wie in diesem Fall so dominant ist und den vielen Diaspora-Iren einen festen Halt gibt.

Geheimtipp Ina Boyle

Ina Boyle gilt bis heute als Geheimtipp der irischen Musik. Die Komponistin genoss zwar Unterricht und Förderung seitens des englischen Kollegen Ralph Vaughan Williams, doch die meisten ihrer Werke aus den unterschiedlichsten Gattungen harren immer noch ihrer Entdeckung oder gar ihrer Edition. 

Der Solo-Cellist des RTÉ National Symphonie Orchestra, Martin Johnson, widmet sich in diesem Konzert gleich zwei Werken für Violoncello und Orchester von Ina Boyle. Ihr allererstes Orchesterwerk war die Elegie für Cello und Orchester im Jahr 1913, einige Jahre später folgte dann der Psalm für die gleiche Formation. Zwei überaus reizvolle Stücke mit satten großherzigen Kantilenen für das Soloinstrument.  

Der Cellist Martin Johnson (RTE National Symphony Orchestra)Legt sich für die Musik seines Landes ins Zeug - der irische Cellist Martin Johnson (RTE National Symphony Orchestra)

Charles Villiers Stanford ist wohl der bekannteste irische Orchesterkomponist überhaupt. Er lebte und wirkte die meiste Zeit in Großbritannien. Doch die enge, nicht verdrängte Beziehung zu seinem Herkunftsland Irland dokumentiert Stanfords dritte Sinfonie, die ganz zu Recht den Untertitel "Irische" trägt. Unüberhörbar hat sich Stanford im irischen Liedgut bedient, um das musikalische Grundmaterial seiner Sinfonie zusammenzustellen.

In Memoriam Mahatma Gandhi

Der Abend am 10. Januar in der National Concert Hal in Dublin begann mit einem Werk des einflussreichen Komponisten Brian Boydell. Er war nicht nur Musiker, sondern auch Maler, Kfz-Sammler, Hochschullehrer und Hörfunk-Redakteur. Kurz nach der Ermordung Mahatma Gandhis schrieb er ein lamentierendes Orchesterwerk, das seiner Betroffenheit über den Tod des Gurus des Gewaltlosen Widerstands Ausdruck verleiht. Das Orchester ist eng verbunden mit diesem Stück Boydells, denn es war eine der ersten Uraufführungen in seinem Gründungsjahr 1948.

Brite mit enger Bindung an irische Musik

Als Dirigent für diesen rein irischen Konzertabend hatte das Nationale Symphonieorchester des Irischen Rundfunks den jungen Briten George Jackson eingeladen. Der 1987 in London geborene Musiker hat eine gewisse Verbindung zu Irland, denn er hat am Trinity College Dublin studiert, später dann auch in Wien und Leipzig. Inzwischen wird er zu wichtigen Orchestern eingeladen, nachdem er einige erfolgreiche Krankheitsvertretungen übernommen hatte - zum Beispiel für Daniel Harding. Außerdem dirigiert er kleinere und größere Opernproduktionen in vielen europäischen Häusern, unter anderem auch in Deutschland.

National Concert Hall, Dublin
Aufzeichnung vom 10. Januar 2020

Brian Boydell
In memoriam Mahatma Gandhi

Ina Boyle
Elegie und Psalm für Violoncello und Orchester

Charles Villiers Stanford
Symphonie Nr. 3 ("Irische")

Martin Johnson, Violoncello 
RTÉ National Symphony Orchestra
Leitung: George Jackson

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