Iran-Krieg

Weltkulturerbe unter Beschuss

Der historische Golestan-Palast, UNESCO-Weltkulturerbe, wurde bei Angriffen Israels und der Vereinigten Staaten auf die iranische Hauptstadt Teheran am 3. März 2026 beschädigt.
Im historischen Golestan-Palast in Teheran sind wertvoller Raumschmuck und Spiegelkacheln infolge der Angriffe auf Teheran am 3. März 2026 beschädigt worden. © IMAGO / Anadolu Agency / Fatemeh Bahrami
Der Krieg im Iran fordert nicht nur Menschenleben, sondern gefährdet auch geschützte Kulturstätten wie den Golestan-Palast. Während die Schlagzeilen von Bomben und Fronten dominiert werden, mahnt die UNESCO den Schutz nach der Haager Konvention an.
Bei den Bombardierungen auf Ziele im Iran erleiden auch die Kulturstätten des Landes Schaden, darunter befinden sich mindestens vier UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten. Kulturorganisationen warnen, dass Druckwellen, Erschütterungen oder Splitter die jahrhundertealte Bausubstanz, Reliefs oder fragile Architekturen dauerhaft beschädigen können.
Der Schutz von Kulturgütern in Kriegen ist zwar völkerrechtlich geregelt, doch sie bleiben verletzlich, vor allem, wenn militärische Ziele in der Nähe liegen, wie es auch im Iran häufig der Fall ist. Die Sorge über die Auswirkungen des Krieges auf geschützte Stätten, die sowohl für die iranische Identität als auch für die Weltgeschichte wichtig sind, wächst.

Diese Welterbestätten im Iran wurden beschädigt

Golestan-Palast in Teheran
Der Teheraner Golestan-Palast war früher der offizielle Sitz des persischen Monarchen. Das prächtige Gebäude aus dem späten 18. Jahrhundert, dessen Prunkräume mit Gold, Edelstein und Spiegelkacheln geschmückt sind, ist durch Explosionen, die sich offenbar in der Nähe ereignet haben, erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden.
Zwar wurde das Gebäude nicht direkt getroffen, aber die Druckwellen haben dafür gesorgt, dass viel von dem jahrhundealten Raumschmuck zerstört worden ist. Derzeit lasse sich nicht prüfen, ob die Schäden reparabel sind, berichtet Stefan Koldehoff, Dlf-Chefreporter für Kultur.
Vierzigsäulenpalast „Tschehel Sotun“ in Isfahan
Durch starkes Bombardement ist auch der sogenannte Vierzigsäulenpalast – „Tschehel Sotun“ – aus dem 17. Jahrhundert, beschädigt worden. Auch er zählt zu den zentralen Zeugnissen persischer Geschichte. Durch das Gebäude soll ein großer Riss verlaufen, sagt Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin. Das Gebäude liegt in Isfahan.
Naksch-e-Dschahan-Platz Isfahan
Die Stadt gilt kulturhistorisch als wichtiges Zentrum der islamischen Welt. Stefan Weber bezeichnet sie als „Herz des Iran“. Isfahan war mehrfach Hauptstadt und ist im 16. Und 17. Jahrhundert zu einer Gartenstadt umgebaut worden, mit dem weitläufigen Naksch-e-Dschahan-Platz, der von Arkaden mit Moscheebauten und Palastbauten gesäumt wird. Auch der Platz wurde beschädigt.
Freitagsmoschee von Isfahan
Beschädigt wurde offenbar auch die Jame-Moschee Isfahan, die sogenannte Freitagsmoschee, die noch aus der Frühzeit des Islam stammt und als wichtigste Moschee des Iran gilt.
Prähistorische Stätten im Chorramabad-Tal
Gefahr droht aber auch bedeutsamen archäologischen Stätten. Diese liegen weitab der Städte und lassen sich nur sehr schlecht schützen. Im Chorramabad-Tal wurde eine historische Burg beschädigt, wie die Wochenzeitung „Der Spiegel“ berichtet. Dort befinden sich fünf prähistorische Höhlen und ein Felsunterstand, die Hinweise auf menschliche Besiedlungen aus der Zeit vor Christus liefern.

Wie Zerstörungen von Kulturstätten im Iran verifiziert werden

Einige Angaben kommen aus dem Iran selbst. So sind nach Angaben des iranischen Kulturministeriums in den ersten zwei Wochen des Iran-Kriegs mindestens 56 Museen und historische Stätten beschädigt worden. Besonders betroffen sei die Hauptstadt Teheran mit 19 beschädigten Kulturstätten, erklärte das Ministerium am 14. März 2026.
Das iranische Ministerium für Kulturerbe, Tourismus und Handwerk hat nach der Beschädigung des Golestan-Palastes zudem bei der UNESCO Beschwerde eingelegt, berichtet die Kulturzeitschrift Kunstforum.
Nicht nur im Iran, auch im Libanon hat das Ausmaß der Zerstörungen so große Besorgnis ausgelöst, dass sich beide Staaten in der vergangenen Woche mit der Bitte an die UNESCO gewandt haben, ihrer Liste des Welterbes weitere Stätten hinzuzufügen.
Die UN-Kulturorganisation beobachtet die Entwicklung im Iran und in der Region ebenfalls. Sie hat den Kriegsparteien die geografischen Koordinaten dieser Stätten mitgeteilt – sowohl der Kulturerbe-Stätten als auch der von nationaler Bedeutung. Man wolle so mögliche Schäden vermeiden helfen.
Am Museum für Islamische Kunst in Berlin wird derzeit eine neutrale Stelle aufgebaut, um Informationen über Zerstörungen an iranischen Kulturstätten zu sammeln und fachlich zu bewerten, wie Museumsdirektor Weber erläutert. Sie berücksichtigen auch Bilder aus Social Media. Käme es zu weiteren und größeren Schäden, würde die iranische Propaganda das für sich nutzen, glaubt der Experte.
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) unterhält eine Außenstelle in Teheran und verfolgt die Lage im Iran sehr aufmerksam, berichtet Stefan Koldehoff. Das Institut steht auch mit dem Auswärtigen Amt in Kontakt, um die Bedrohung der Ausgrabungsstätten zu bewerten.

Abkommen zum Schutz von Kulturgut in bewaffneten Konflikten

Kulturgüter sind durch internationales Recht geschützt, insbesondere das Haager Abkommen von 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten sowie durch das Übereinkommen von 1972 zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt. Darauf weist auch die UNESCO hin.
Ob die Kriegsparteien sich an diese Regeln hielten, sei mehr als fraglich, bewertet Dlf-Kulturreporter Stefan Koldehoff die Lage.

Was die Kulturstätten für die iranische Gesellschaft bedeuten

Ob Dichtung, Essen, Musik oder eben Architektur: Die Iraner seien sehr stolz auf ihre Kultur, auch wenn das häufig durch die Unzufriedenheit mit der jetzigen Regierung überdeckt werde, erläutert Stefan Weber vom Museum für Islamische Kunst in Berlin.
Memorialbauten gebe es in jeder Gesellschaft. So könne man sich das Rheinland schwerlich ohne den Kölner Dom vorstellen, fährt Weber fort. Der Iran sei aber ein Land mit einer „unglaublichen kulturellen Tradition“. Aufgrund seiner langen Geschichte gibt es viele historischen Bauten und Anlagen.
Die Paläste und Museen würden nicht nur von ausländischen Touristen, sondern auch von den Einheimischen gerne besucht, sagt Stefan Weber. In vielen Haushalten finde sich „ein Stück Isfahan, mit Bilderrahmen, Kästchen und Metallarbeiten“. Das sei tief in der iranischen Identität und dem Selbstbild verwurzelt.

Kulturerbe wird immer wieder Opfer von Kriegshandlungen

In bewaffneten Konflikten werden Kulturorte immer wieder auch gezielt attackiert, weil sie Orte der Identität eines Volkes, einer Region, eines Landes sind.
So sprengten die militanten Taliban 2001 in Afghanistan die monumentalen Weltkulturerbe-Buddhastatuen von Bamian. Nur die Umrisse und einige Bruchstücke der rund 1500 Jahre alten Figuren blieben übrig.
Vor mehr als zehn Jahren wütete die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Palmyra und legte die als „schönste Metropole der Antike“ geltende Stadt in Schutt und Asche, darunter auch den rund 2.000 Jahren alten Tempel Baal Schamin. Im selben Jahr sprengte der IS im Irak die Reste der 2.000 Jahren alten Stadt Hatra, ebenfalls Weltkulturerbe.

Experten gehen von Kollateralschäden im Iran aus

Bei den Zerstörungen an Kulturgütern im Iran handelt es sich nach Expertenmeinung um Kollateralschäden. Strategische Ziele wie Polizeistationen in den Provinzen oder staatliche Institutionen befänden sich oft im Stadtzentrum in oder bei alten Gebäuden, sagt Stefan Weber. Wenn sie getroffen werden, kann das auch die naheliegenden Kulturstätten schädigen.
Die israelische Armee hat erklärt, dass kulturelle Stätten keine Ziele ihrer Angriffe seien, berichtet die Wochenzeitung „Der Spiegel“. Die UNESCO verwies auf bereits beschädigte historische Stätten nicht nur im Iran, sondern auch in Israel und im Libanon und Hunderte weitere, die durch den Krieg potenziell gefährdet sind.

Online-Text: Tina Hammesfahr
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