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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.09.2018

Investitionen in AfrikaEs geht nicht nur um Fluchtursachen

Wolfgang Hirn im Gespräch mit Dieter Kassel

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Näherinnen in einer Textilfabrik in Addis Abbeba, die auch für den deutschen Markt produziert. (picture alliance / Kay Nietfeld/dpa)
Näherinnen in einer Textilfabrik in Addis Abbeba, die auch für den deutschen Markt produziert. (picture alliance / Kay Nietfeld/dpa)

Inzwischen lassen viele chinesische Firmen in Afrika auch Konsumgüter produzieren, schaffen damit Arbeitsplätze und machen Gewinne. In Deutschland dagegen sehe man Investitionen in Afrika nur als Fluchtursachenbekämpfung, kritisiert Wolfgang Hirn.

Investitionen in Afrika - in Deutschland nennt man das "Fluchtursachenbekämpfung", in China dagegen sieht man die großen Chancen, die ein solches Engagement für die Wirtschaft bietet. Und so sind etwa 10.000 chinesische Firmen in Afrika aktiv, aber nur etwa 1000 deutsche.

"Ich finde das ein bisschen sehr reduziert, wenn wir das nur so sehen", beklagt Wolfgang Hirn vom Manager-Magazin das eher flaue Interesse hierzulande an Investitionen in Afrika.

Äthiopien macht vor, wie es funktionieren könnte

Für Hirn dagegen ist Afrika potenziell die "Werkbank der Welt". Es sehe inzwischen so aus, dass es chinesischen Investoren nicht mehr nur darum ginge, Rohstoffe aus Afrika zu bekommen. Sondern es würden dort Produktionsstätten aufgebaut, vor allem in Äthiopien, wo inzwischen viele Firmen, vor allem im Bereich der Konsumgüterindustrie angesiedelt seien.

"Das sind Firmen mit mehreren tausend Beschäftigten, äthiopischen Beschäftigten, muss man sagen, die zunehmend eben auch für ausländische Märkte produzieren", betont Hirn. "Diese Textilindustrie und Schuhindustrie, die ja immer so die Vorreiter der wirtschaftlichen Entwicklung waren, sind praktisch von Asien, von Ostasien über Südasien über den Indischen Ozean nach Afrika gewandert."

"Ugandas erste Schokolade aus einheimischen Bohnen" steht auf dem Produkt von Stephen Sembuya und Felix Okuye. (Deutschlandradio / Leonie March)"Ugandas erste Schokolade aus einheimischen Bohnen" steht auf dem Produkt von Stephen Sembuya und Felix Okuye. (Deutschlandradio / Leonie March)

Warum wird Schokolade in nicht in Afrika produziert?

Letztlich müsse es bei ausländischen Investitionen in Afrika darum gehen, nicht nur Rohstoffe aus den Ländern zu ziehen, sondern diese auch dort weiterzuverarbeiten: "Wieso kaufen die Schokoladenfirmen Kakaobohnen in Ghana und verarbeiten sie dann in Europa oder in Amerika zu Schokolade, die dann wiederum nach Ghana exportiert wird?", fragt der Journalist. "Das ist doch verrückt! Das muss in diesen Ländern passieren, die Weiterarbeitung von Rohstoffen, und das schafft Arbeitsplätze! Und die Chinesen scheinen auf diesem Weg weiter zu sein als wir im Westen."

(uko)

 

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