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Lesart / Archiv | Beitrag vom 07.06.2016

Interview mit Autor Andreas Pflügers Warum die blinde Kommissarin Jenny Aaron so begeistert

Andreas Pflüger im Gespräch mit Joachim Scholl

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Bestsellerautor Andreas Pflüger. (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Bestsellerautor Andreas Pflüger: "Ich habe für diesen Roman wahnsinnig recherchiert." (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Eine blinde Kommissarin zur Heldin eines Thrillers zu machen, war für Andreas Pflüger durchaus ein Wagnis. Denn wie würde die Blinden-Community das aufnehmen? Im Gespräch erzählt Pflüger von seinen Recherchen für das Buch und warum es nicht nur Blinden, sondern auch BKA-Beamten gefällt.

Andreas Pflügers Thriller "Endgültig" mit der blinden Kommissarin Jenny Aaronhat hat sich zum Bestseller entwickelt, auch bei blinden Leserinnen und Lesern. Es gibt eine Braille-Ausgabe in Blindenschrift, das Hörbuch verkauft sich offenbar bestens, und Pflüger hat bereits mehrere Lesungen gemeinsam mit Blinden absolviert.

Dass er auch Gast beim Louis-Braille-Festival in Marburg sein wird, empfindet der umtriebige Autor zahlreicher "Tatort"- und anderer Krimi-Drehbücher als Ritterschlag durch die Blinden-Community - ebenso die Tatsache, dass der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband der blinden Kommissarin in seinem aktuellen Magazin zehn Seiten widmete. Er habe am Anfang nämlich durchaus "Manschetten" gehabt, wie sein Buch von blinden Menschen aufgenommen würde.

Viel Recherchearbeit

Pflügers Heldin Jenny Aaron ist alles andere als eine hilfsbedürftige Frau; sie kann schießen und zuschlagen. Aber wie realistisch ist das?

"Ich habe für diesen Roman wahnsinnig recherchiert und darauf geachtet, dass alles, was diese Frau kann – auch körperlich, physisch kann – von Blinden beherrscht werden kann."

Er habe mit Medizinern, mit blinden Frauen und mit anderen Betroffenen gesprochen und meterweise Fachliteratur angeschafft. Natürlich könne keine blinde Person all das beherrschen, was er in der Person Jenny Aaron gebündelt habe. Er habe dies jedoch sehr bewusst gemacht:

"Es ist eine Art Gleichnis auf die Behinderung als solche: Ein blinder Mensch, vor allem ein Mensch, der erblindet, muss um sein Leben kämpfen. Nichts anderes heißt das. Und ich habe meiner Heldin diese wahnsinnigen Aufgaben gestellt, ich habe sie in immer unmöglichere Situationen gebracht, die sie bewältigen muss, weil das eine Parabel auf die Blindheit ist." 

Und  Pflüger hat noch einen weiteren Ritterschlag erhalten, der ihn sichtlich freut: Auch BKA-Beamte hätten ihm bescheinigt, dass sie seinen Thriller mit großem Genuss gelesen hätten.

Andreas Pflüger: "Endgültig"
Suhrkamp Verlag, 2016, 459 Seiten, 19,95 Uhr

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