Samstag, 20.10.2018
 

Länderreport | Beitrag vom 10.10.2018

Initiative #gehwegfreiKämpfen gegen zugeparkte Fußwege

Von Thorsten Poppe

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Autos parken so weit auf einem Gehweg, dass Fußgänger nicht an ihnen vorbeigehen können. (Gottfried Czepluch/ Imago)
Wenn Autos den Gehweg versperren, bleibt Passanten nur noch ein Weg: die Straße (Gottfried Czepluch/ Imago)

Eine Kölner Initiative will die Fußwege freimachen für Fußgänger. Sie kritisieren, dass zu häufig Autos die Gehwege versperren. Insbesondere Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen müssten dann oft ausweichen – auf die Straße.

Dirk Frölich, Aktivist der Initiative #gehwegfrei: "Hier haben wir ein herrliches Beispiel. Da parkt ein Auto komplett auf dem Gehweg. Da ist absolut kein durch kommen mehr möglich, wir haben vier Gehwegplatten, das heißt 1,60 Meter. Und der Wagen hat ungefähr auch die Breite. Als Fußgänger bin ich jetzt gezwungen, über die Straße auszuweichen."

Ralph Herbertz, Aktivist der Initiative #gehwegfrei: "Das wird besonders problematisch, hier haben wir abgesenkte Bordsteine, aber das ist ja nicht der Regelfall. Und wenn man dann mit Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl etc. unterwegs ist, ist das ein echtes Problem. Das kann bedeuten, dass der Rollstuhlfahrer zurückgehen muss, bis zur nächsten Absenkung, um überhaupt seinen Weg machen zu können!"

Stillstand auf dem Gehweg                

Zu Fuß unterwegs im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Weit kommen Dirk Frölich und Ralph Herbertz von der Initiative #gehwegfrei nicht. Dann hört der Bürgersteig zwar nicht auf, aber ein Auto stoppt sie unfreiwillig. Es benötigt die ganze Breite des Fußwegs, um die anderen Autos auf der schmalen Einbahnstraße nicht zu behindern. Dafür behindert es aber die ganz normalen Fußgänger. Die noch nicht einmal etwas mithaben, keine Einkaufstasche, keinen Kinderwagen, oder gar mit einem Rollator unterwegs sind. Kein Durchkommen. Alle, die zu Fuß unterwegs sind, müssen auf die Straße ausweichen.

Alltag in vom schmalen Einbahnstraßen geprägten Ehrenfeld, wie Ralph Herbertz berichtet: "Es geht darum alle Menschen sollten ihre Mobilität leben und teilhaben können. Zu Fuß gehen, sei es nun mit Hilfe oder ohne, ist die Form der Bewegung, die jeder nutzt. Und die müssen wir jedem Menschen ermöglichen, damit wir auch die Teilhabe aller Menschen am Alltagsleben sicherstellen können. Und das auch mit Sicherheit: Wir haben ja die Vision 'Zero Vision', das heißt null Verkehrsopfer, und dafür müssen wir eben auch sichere Wege für Alle anbieten."

Fußgänger hatten bisher kaum eine Lobby

Was für die Autofahrer bei all der Platznot ein notwendiges Übel ist, sorgt bei Fußgängern verstärkt für Frust. Denn viele Autofahrer lösen das Parkplatz-Problem, indem sie ihr Fahrzeug seitlich auf den Bürgersteigen abstellen. In Nordrhein-Westfalen ist das zwar so nicht erlaubt, doch solange noch 80 Zentimeter für die Passanten bleiben, drückt man in Köln ein Auge zu. Doch immer mehr Bürgern ist das ein Dorn im Auge. Auch für Ralph Herbertz und Dirk Frölich, die über 100 Organisationen hinter sich wissen, von denen sie unterstützt werden. Für sie ist der Bürgersteig Lebensraum für Fußgänger, der immer weniger wird. Damit verschaffen sie einem Thema Gehör, was im Gegensatz zur starken Auto-Lobby, und dem umweltfreundlichen Fahrrad-Boom, wenig bis gar keine Aufmerksamkeit bekommt. Dabei sind diese Hürden im Alltag fest verankert, wie wir an der nächsten Straßenecke im Gespräch mit einer Passantin erfahren.

Passantin: "Jedes Mal, wenn mir jemand entgegenkommt, wechsele ich entweder die Straßenseite, oder gehe eben auf die Straße, weil es anders nicht geht, ne."

Frölich: "Sie haben ja genau das bestätigt, worüber wir jetzt irgendwie zum Teil sehr theoretisch gesprochen haben. Aber war ja exakt die Situation beschrieben."

Passantin: "Mir fällt das halt immer auf, wenn ich zum Sport gehe mit der großen Tasche, und mir kommt jemand entgegen. Ja, wer zieht die Tasche ein, oder wer macht Platz? Das ist immer so Rücksichtnahme, Schnick Schnack Schnuck. Wer ist schneller am Auto vorbei. Was mir auffällt, dass das Ordnungsamt öfters mit dem Maßband vorbeigeht. Weil ich glaube es sind ja 80 Zentimeter Mindestabstand gefordert..."

Frölich: "Das Ordnungsamt sagt eigentlich 1,20 Meter, aber die Gehwegplatte ist 40 Zentimeter. Wir haben jetzt hier zwei Gehwegplatten, d.h. das sind gerade einmal 80 Zentimeter. Würden tatsächlich die 1,20 Meter oder 1,50 Meter, was das Ordnungsamt immer wieder mal sagt tatsächlich durchgesetzt werden, dann käme der Müllwagen hier nicht mehr durch, und der Feuerwehrwagen auch nicht, das ist das Problem!"

Immer mehr Kölner verzichten auf das Auto

Dabei ist der Anteil des Autos am Gesamtverkehr schon erheblich zurückgegangen. In der Studie Mobilität des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur sinkt er für Köln von 43 auf 35 Prozent. Damit sind die Ziele der Stadt für das Jahr 2025 schon jetzt fast erreicht. Dann soll das Auto nur noch ein Drittel Anteil am Gesamtverkehr besitzen. Eine erfreuliche Entwicklung, die vor allem dem Fahrradboom zu verdanken ist. Doch die Anteile der Wege, die zu Fuß zurückgelegt werden, haben sich kaum verändert. Sie liegen stabil bei 25 Prozent.

Für die Verkehrsdezernentin der Stadt Köln, Andrea Blome, wird sich dies kaum noch steigern lassen. Gerade in einer Millionenstadt, wo die Distanzen weit sind: "Wir wollen, dass die Kölnerinnen und Kölner ihren Weg vorzugsweise zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV zurücklegen. Die Menschen bewegen sich zu Fuß in ihrem Veedel. Aber wenn sie zur Arbeit gehen, ist es wahrscheinlich ein bisschen weit. Köln ist ja riesengroß. Insofern weiß ich nicht, ob der Anteil von rund 25 Prozent Fußgängern, groß gesteigert werden kann. In den Veedeln brauchen wir die Qualitäten, den Platz, um dann sich auch bewegen zu können."

Falschparker sollen künftig konsequenter bestraft werden

Umweltgerechte Mobilität liegt also im Trend. Zu Fuß in den Stadtteilen, in Köln Veedel genannt. Für längere Strecken dann Rad oder eben Bahn und Bus. Doch immer noch werden gerade in der Stadt sehr viele Wege mit dem Auto für eine Strecke von ein bis zwei Kilometern zurückgelegt. Und dass bei der vorhandenen Parkplatznot in den Großstädten, die sich in Köln wegen seiner engen Straßen noch einmal potenziert. Um diese Strecken barrierefrei auch zu Fuß zurücklegen zu können, haben die Akteure von #gehwegfrei einen offenen Brief an die Oberbürgermeisterin Henriette Reker verfasst, der seit über einem Jahr unbeantwortet ist. Darin fordern sie, dass das Ordnungsamt die geltende Gesetzeslage anwendet und in Köln umsetzt, das heißt Strafzettel verteilen für Autos auf Gehwegen, die keine 1,20 Meter Platz mehr für Fußgänger lassen.

Andrea Blome verspricht hier konsequentes Handeln, wenn ein Auto wie vorhin den Gehweg zuparkt: "Auf dem Gehweg zu stehen, ist nicht erlaubt, sollte von einem Knöllchen belohnt werden in Anführungszeichen. Und zeigt uns natürlich, dass wir wirklich aufräumen müssen in den Straßen. Wir haben ja auch immer den Fokus auch auf die Fußgänger. Das dürfen wir natürlich nicht vergessen, denn gerade für die kurzen Wege in der Stadt sollten natürlich Fußwege frei begehbar sein. Das ist natürlich eine Herausforderung, vor allem wenn man mit dem Rollstuhl oder mit dem Zwillingsbuggy zum Beispiel unterwegs ist."

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