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Interview | Beitrag vom 03.09.2020

Initiative für ein weltoffenes ThüringenSinn und Segen von historischem Wissen

Kerstin Möhring im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Historischer Blick auf Schloss und Kirche von Schleusingen in Thüringen. (picture alliance / dpa / arkivi)
Historischer Blick auf Schloss und Kirche von Schleusingen in Thüringen - der Ort, an dem unsere Gesprächspartnerin das jüdische Leben erforscht hat. (picture alliance / dpa / arkivi)

In Thüringen haben sich Historiker zusammengetan, um der Verdrehung von Geschichte etwas entgegenzusetzen. Mit dabei ist auch die Lokalhistorikerin Kerstin Möhring, die ganz auf die Vermittlung von Wissen setzt. Doch dafür wurde sie angefeindet.

In Thüringen hat sich eine Gruppe von Fachleuten und historisch interessierten Menschen zusammengefunden, die sich für eine weltoffene und pluralistische Erinnerungs- und Geschichtsarbeit in dem Bundesland einsetzen will. Mit dabei sind Geschichtswissenschaftler, Lehrerinnen, Museumsmitarbeiterinnen, Archivare, Lehrkräfte aus der politischen Bildung und viele Ehrenamtliche.

Ziel der Initiative ist es, über Geschichtsmythen in Thüringen aufzuklären. Sie wendet sich gegen völkische und nationalistische Geschichtsbilder. Die Initiative will diesen mit Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit und öffentlicher Aufmerksamkeit entgegentreten.

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Kerstin Möhring hat sich ihr angeschlossen. Sie ist Gymnasiallehrerin für Deutsch und Kunst und hat auf eigene Faust das jüdische Leben in Südthüringen erforscht. Mitte der 1990er-Jahre stellte sie fest, dass es darüber so gut wie kein Wissen gibt – also begann sie, die jüdische Geschichte in Südthüringen aufzuarbeiten.

Mit dem Wissen kommt auch die Nachfrage 

Mit ihrer Arbeit sei dann auch die Nachfrage nach diesem Wissen plötzlich da gewesen, erzählt Möhring. Für ihr Engagement wurde sie zugleich aber auch immer wieder angefeindet: Sie berichtet von Drohungen, Beschimpfungen, bösen E-Mails und "massiven Angriffen".

Geschichte werde immer wieder umgedeutet und verdreht, sagt sie. Deswegen müsse man mit Wissen dagegen halten. Auch von Jugendlichen an der Schule höre sie "merkwürdige Sätze". Doch diese könne man mit der Vermittlung von Wissen zurückholen, ist sie sicher.

Von der Initiative erhofft sich Möhring nun ebenfalls, dass historisches Wissen stärker verbreitet wird. Und es gebe damit eine Basis, um sich mit Historikern und Historikerinnen zu vernetzen. So könne man die verschiedensten Leute mit ins Boot holen - und Schülerinnen und Schülern beispielsweise Kontakte vermitteln, wenn diese sich mit einem historischen Thema beschäftigten.

(ahe)

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