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Lesart / Archiv | Beitrag vom 05.11.2016

Ingo Zamperoni über die USA"Das Wort Kompromiss ist ein Schimpfwort"

Moderation: Christian Rabhansl

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Donald Trump im August 2015 in New York, umgeben von Journalisten (dpa / picture alliance / Peter Foley)
Donald Trump im August 2015 in New York, umgeben von Journalisten (dpa / picture alliance / Peter Foley)

Der neue "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni hat ein Buch über seine Erfahrungen in den USA geschrieben. Darin erklärt er auch, was wir in Deutschland vom Phänomen Trump lernen sollten.

In den vergangenen 20 Jahren hätten sich die USA sehr verändert, so der Ingo Zamperoni am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Der neue "Tagesthemen"-Moderator hatte als Student mehrere Jahre in den USA verbracht und kehrt später als USA-Korrespondent zurück. Nun hat er in "Fremdes Land Amerika" seine Erfahrungen aufgeschrieben. 

"Das Selbstverständnis der Amerikaner hat einen Knacks bekommen. Damals – Ende der 90er Jahre – war das alles sehr optimistisch, die Wirtschaft boomte und die Amerikaner waren in diesem Jahrzehnt gerade als Sieger aus dem Kalten Krieg hervorgegangen, wenn man so will." Der Bruch sei gekommen mit den Anschlägen vom 11. September 2001, dem Anti-Terror-Kampf und den Kriegen in Afghanistan und im Irak.

Angst vor Veränderung führte zum Phänomen Trump

Inzwischen sei auch die politische Spaltung des Landes noch stärker als damals. "Donald Trump hätte vor vier Jahren noch nicht funktioniert und in vier Jahren vielleicht auch nicht. Aber genau jetzt hat er den richtigen Zeitpunkt abgepasst." Die Angst vor Veränderung drücke sich darin aus, dass eine Kandidat wie Trump, der eben als nicht-Establishment-Kandidat gelte und sage, was er denkt, Erfolg hat.

Gefahr für die Demokratie – auch in Europa

"Das Wort Kompromiss ist verglichen mit vor 15 oder 16 Jahren ein Schimpfwort geworden und wird als Zeichen der Schwäche gedeutet", beschreibt Zamperoni die Entwicklung in den USA. Dieses Phänomen sei eine Gefahr für die Demokratie, die auch in Europa beobachtet werden könne. "Dass man sich immer mehr auch durch Soziale Netzwerke in seine Echo-Räume zurückzieht und immer mehr allein die eigenen Meinungen verstärkt sieht, und auch Fakten nur noch Auslegungssache sind." Das führe dazu, dass die Seiten immer weniger miteinander kommunizieren. "Je weniger Kommunikation da ist, umso schwieriger wird es für eine Demokratie, deren Wesen es ist, dass man sich austauscht und sieht, wie denkt die andere Seite darüber."

Parallelen zur AfD in Deutschland

"Donald Trump hat es geschafft, unheimlich viele Nicht-Wähler oder Leute, die mit Politik nichts am Hut haben, für diese Wahl zu begeistern", gibt Zamperoni zu Bedenken. Das sei eine gewisse Parallele zu der Entwicklung in Deutschland. So habe die AfD zum Beispiel bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern viele Nicht-Wähler an die Wahlurne gebracht. Die Reduktion auf einfache Botschaften und das Suggerieren einfacher Lösungen erfülle die Sehnsucht vieler Menschen, so Zamperoni. Nur gebe es in der Realität eben keine einfachen Lösungen.

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