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Studio 9 | Beitrag vom 05.05.2019

Impfquote zu niedrigSpahn will Impfpflicht gegen Masern zügig einführen

Nadine Lindner im Gespräch mit Axel Flemming

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Ein Impfpass mit der Spalte zur Masernimpfung (Hauke-Christian Dittrich/dpa)
Ein Impfpass mit der Spalte zur Masernimpfung: Nach dem Gesetzesentwurf von Jens Spahn, CDU, müssen Kita-Eltern die Impfung des Kindes nachweisen. (Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Ohne Masern-Impfung in den Kindergarten? Nach einer Gesetzesinitiative von Gesundheitsminister Jens Spahn, CDU, soll das verhindert werden. Spahn will den mangelhaften Impfstatus von Kita- und Grundschulkindern mit Strafen belegen.

Eine Masern-Impfpflicht in Deutschland will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU, zügig - bereits zum 1. März 2010 - einführen. Dafür bekommt er Zustimmung unter anderem von Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery oder dem SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Eltern müssten dann eine Impfbescheinigung oder den Impfpass vorlegen, wenn sie Sohn oder Tochter im Kindergarten anmelden. Bei Verstößen sollen Geldstrafen von bis zu 2500 Euro und ein Ausschluss vom Kita-Besuch drohen. Auch für Schulkinder soll die Impfung nachgewiesen werden müssen.

Schutz erst, wenn 95 Prozent geimpft sind

Spahn hält eine Impfpflicht für unerlässlich, obwohl nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts 93 Prozent der Kinder in Deutschland gegen Masern geimpft sind, weil ein sogenannter wirksamer Herdenschutz erst ab einer Impfrate von 95 Prozent erreicht ist. Die Immunität in der Bevölkerung sei dann - aber eben erst dann - so hoch, dass sich der Erreger nicht mehr ausbreiten kann, erläutert Nadine Lindner, Korrespondentin im Hauptstadtstudio.

Lindner verweist in unserem Programm auch auf die regionalen Unterschiede bei den Impfraten gegen Masern. So gebe es etwa in Baden-Württemberg deutlich mehr Ungeimpfte als im Bundesschnitt.

Viren überleben bis zu zwei Stunden in der Luft

Masern seien "hochaggressiv", sagt Lindner. Die Viren, die bei der Krankheit übertragen werden, überleben bis zu zwei Stunden in der Luft. "Das heißt, wenn jemand in einem Wartezimmer oder Schulzimmer geniest hat, und er hat Masern, dann bleibt diese Luft im Raum und kann eingeatmet werden." 

In der vergangenen Woche hatte das Robert-Koch-Institut in Berlin die Zahlen für Deutschland veröffentlicht: Danach hatten 2017 zwar 97,1 Prozent der eingeschulten Kinder die erste Massenimpfung erhalten, aber nur 92,8 Prozent die wichtige zweite.

In der Europäischen Union erfüllten nach Daten der zuständigen EU-Agentur für Prävention und Kontrolle von Krankheiten im Jahr 2017 bei der entscheidenden zweiten Impfung nur Schweden, Ungarn, die Slowakei und Portugal die 95-Prozent-Quote.

(huc)

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