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Lesart | Beitrag vom 07.08.2020

Ilona Hartmann: "Land in Sicht"Auf der Suche nach dem verlorenen Vater

Ilona Hartmann im Gespräch mit Frank Meyer

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Die junge Autorin steht mit dem Rücken zu einer Leuchtreklame und blickt in die Kamera. (Hella Wittenberg)
Als Autorin für die heute-show schreibt Ilona Hartmann knappe, schnelle Pointen. Einen Roman zu schreiben, sei eine erdende Erfahrung gewesen. (Hella Wittenberg)

Als Ilona Hartmann ihren Vater kennenlernte, war sie Mitte 20. Zuvor hatte sie eigentlich gar nichts vermisst. Doch beim Schreiben ihres pointenreichen Debütromans "Land in Sicht" verarbeitete Hartmann auch ihre eigene Geschichte, erzählt sie.

Dass sie überhaupt ein Buch geschrieben hat, sei ihrer Lektorin zu verdanken, sagt Ilona Hartmann. Die habe ihre Texte bei Instagram gelesen und sie gefragt, ob sie nicht mal einen Roman schreiben wolle. "Ich finde das einen sehr modernen und zeitgemäßen Weg, neue literarische Talente zu finden", sagt Hartmann. Dennoch sorgte sich die Autorin der heute-show, wie sie es 25.000 auf neue Gags wartenden Followern beibringe, dass ihr Debütroman "Land in Sicht" nicht primär lustig sei.

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Hartmanns Hauptfigur Jana ist ohne Vater aufgewachsen. Alles, was sie von ihm weiß, ist, dass er als Kapitän auf einem Flusskreuzfahrtschiff arbeitet. Im Alter von 24 Jahren bucht sie auf diesem Schiff eine Reise und lernt dabei ihren Vater kennen.

"Ich habe verstanden, warum ich so bin"

Der Roman habe starke autobiografische Züge, erzählt Hartmann. Ein wahrer Teil des Buches bestehe in der Reise, die sie auf diesem Flusskreuzfahrtschiff, auf dem ihr Vater arbeitete, unternommen hat. Im Unterschied zu der jungen Frau ihres Romans hatte Hartmann ihren Vater aber bereits ein Jahr zuvor kennengelernt.

Durch das Schreiben des Romans sei sie sich ihrer eigenen Geschichte sehr viel bewusster geworden: "Ich habe viel mehr verstanden, warum ich so bin. Ich habe beim Schreiben gar nicht mehr so viel aktiv verarbeitet." Dies sei schon vorher passiert. Diese biografische Aufarbeitung auch in literarischer Form sei für ihr Leben gut gewesen: "Ich bin zwar ohne Vater aufgewachsen, aber ich habe mir den jetzt reingeschrieben."

Die Lebensleistung der Mutter

Beim Schreiben sei ihr auch bewusst geworden, was das Aufwachsen ohne Vater für die alleinerziehende Mutter bedeutet. "Das wollte ich, indem ich ein Buch über die Vaterfigur schreibe, nicht unter den Tisch fallen lassen, sondern auf diese Art auch honorieren."

In ihrer Jugend habe sie nie Geschichten gelesen, die ein Aufwachsen ohne Vater zum Thema hatten. Diese Erfahrung und die damit einhergehenden Gefühle wollte sie jungen Mädchen heute so authentisch wie möglich und ohne zu romantisieren mit auf den Weg geben, erzählt sie.

Schreiben als erdende Erfahrung

Bei Instagram und Twitter schreibe sie sonst kurze Texte und auch bei ihren anderen Jobs gehe es eher um knappe, schnelle Formulierungen. Einen Roman zu schreiben, wirke demgegenüber erdend: "Ich habe das mal damit verglichen, wenn man vom stressigen Berliner Stadtleben raus nach Brandenburg fährt und in der Erde wühlt."

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