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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.05.2020

Igor Levit spielt 20 Stunden SatieEin Werk "wie ein stummer Schrei"

Igor Levit im Gespräch mit Britta Bürger

Der Pianist Igor Levit steht mit Händen in den Hosentaschen vor der holzgetäfelten Wand eines Flurs. (picture alliance/Christoph Soeder/dpa)
Plant einen Satie-Marathon: der Pianist Igor Levit. (picture alliance/Christoph Soeder/dpa)

20 Stunden am Klavier: Igor Levit will Erik Saties "Vexations", zu Deutsch: Quälereien, spielen. Ein Appell an die Öffentlichkeit, nicht zu vergessen, wie Corona die Lebensentwürfe vieler Künstlerinnen und Künstler zerstört, sagt Levit.

Der Pianist Igor Levit hat in diesen Coronawochen schon viele Livekonzerte aus seinem Wohnzimmer gestreamt. Aus der Not, nicht mehr auftreten zu können, die ihn wie viele seiner Künstlerkolleginnen und -kollegen trifft,  hat er versucht, das Beste zu machen. An diesem Pfingstwochenende geht er noch einen Schritt weiter. Am 30. Mai um 14 Uhr beginnt der Livestream eines Konzerts, das – wenn es wie geplant funktioniert – 20 Stunden dauern wird. Es wird aus einem Studio in Berlin über mehrere Kanäle gestreamt, auch über Levits Twitter- und Instagram-Accounts.

Igor Levit hat sich für seinen Klaviermarathon Erik Saties "Vexations" vorgenommen. Ein Stück, dessen Partitur auf ein Blatt Papier passt und das eigentlich nur anderthalb Minuten lang ist. Ein Stück wie "ein stummer Schrei", sagt er. Für den Künstler, der bislang maximal zweieinhalb Stunden am Stück konzertiert hat, ist diese Satie-Komposition "ein Rätsel". Wörtlich übersetzt heißt sie "Quälereien" – und ist vielleicht deshalb so passend für die Coronazeit.

"Vexations" passt zu Corona

Das Stück passe gerade in seine Zeit und zu seinem Lebensgefühl, sagt Levit. "Und nach vielen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen kann ich sagen, wohl auch in ihre Zeit. Weil es eine Zeit ist, die eine bestimmte Form von Monotonie in sich trägt und Unsicherheit und auch eine Art von Perspektivlosigkeit."

Der Pianist wünscht sich mehr Aufmerksamkeit dafür, dass durch die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen für Künstlerinnen und Künstler "viele Lebensentwürfe zerstört werden". Die gestreamten Hauskonzerte und die Vorstellung, dass es viele Menschen gebe, "die mir zuhören und mit denen ich das teilen kann, online, die mir buchstäblich ihr Zeit schenken – das hat mich mental und emotional gerettet", betont Levit.

(mkn)

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