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Kompressor | Beitrag vom 16.09.2021

Identitäre Lovestory: "Je Suis Karl""Wir müssen die Rechten ernst nehmen"

Christian Schwochow im Gespräch mit Massimo Maio

Rot eingefärbtes Porträt von den Schauspielern Luna Wedler und Jannis Niewöhner. (Pandora Film / Sammy Hart)
Rechte Akteure hätten irgendwann verstanden, dass das Martialische nicht mehr funktioniere, sagt Christian Schwochow über seinen Film "Je Suis Karl". (Pandora Film / Sammy Hart)

Der Film "Je suis Karl" von Christian Schwochow erzählt von einer attraktiven Jugendbewegung, die viele junge Menschen in ihren Bann zieht. Der Regisseur will damit auf den Rechtsruck in der Gesellschaft aufmerksam machen.

Der Film "Je suis Karl" von Regisseur Christian Schwochow erzählt von einer attraktiven Jugendbewegung aus ganz Europa, die viele junge Menschen fasziniert. Die Protagonisten treten modern und durchgestylt auf. Nach und nach entpuppen sich diese aber als rechtsradikal und menschenfeindlich.

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Rechte Akteure hätten irgendwann verstanden, dass das Martialische mit Glatze, Springerstiefeln und Bomberjacke nur "begrenzte Wachstumsmöglichkeiten" hätten, sagt Regisseur Christian Schwochow.

"Dass die Rechten in die Mitte der Gesellschaft drängen, das wissen wir seit der AfD und sie versuchen, Positionen immer weiter in die Mitte zu schieben. Und dafür braucht man den Mainstream und die Massen und die erreicht man natürlich über Popkultur."

So hätten sich die neuen Rechten bei linken Gruppen wie Amnesty International und Greenpeace abgeschaut, wie sie Aktionen planen und welche Begriffe sie nutzen, so Schwochow. "Das haben sie gekapert und in den letzten Jahren für sich umgedeutet."

Der moralische Zeigefinger bringt nichts

Das Filmteam habe lange darüber nachgedacht, wie sie diese rechte Bewegung im Film inszenieren, sagt Christian Schwochow. Aber er persönlich glaubt, dass es falsch sei, mit einer "moralischen, gesicherten Position, mit dem Finger darauf zu zeigen". Dem Publikum zu sagen, Rechte seien böse und schlecht, das bringt seiner Meinung nach nichts und erzeugt eher das Gegenteil.

Man müsse rechte Bewegungen ernst nehmen und das bedeute, erst einmal herauszufinden, warum diese Bewegungen für junge Menschen und Teile der Gesellschaft attraktiv sind. Als Filmemacher wollte er diese Faszination auch erlebbar machen. Dabei setze er aber auch auf den "mündigen Zuschauer und die mündige Zuschauerin". Wenn man mit dem Finger auf die rechte Szene zeigt, schüre das den "Opfermythos", den diese Szene brauche, meint Christian Schwochow. "Je suis Karl" nehme Rechte hingegen ernst, und damit könnten diese viel schwerer umgehen.

Die Gesellschaft aus dem "Wachkoma" rütteln

Entstanden sei der Film aus "Angst vor Rassismus", sagt Christian Schwochow. Er hat Angst davor, dass Neonazis und der rechte Rand weiter unterschätzt werden. Die Geschichte zeige, dass Nazis immer unterschätzt worden seien. Seitdem die AfD in vielen Teilen des Landes eine starke Kraft geworden ist, hat er das Gefühl, die Gesellschaft befinde sich in einer "Art Wachkoma". Nach dem Motto: "Das wird schon alles nicht so schlimm sein. Ich finde, es ist schon sehr schlimm."

Die Mauer um Europa, die sich der rechte Rand in den letzten Jahren gewünscht habe, die hätten wir schon, so Christian Schwochow. "Wir schotten uns ab, das haben Rechte bereits geschafft und das macht mir Angst. Deswegen wollte ich einen lauten Film dagegensetzen."  

(jde)

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