Ich ein Poet weder zornig noch betrogen

Tadeusz Rozewicz fand eine Sprache für das Nicht-Sagbare. © Deutschlandradio / Bettina Straub
Von Sigried Wesener · 09.10.2011
Mit Bühnenstücken wie "Die Falle" oder "Der Hungerkünstler geht" zählt er neben Slavomir Mrozek zu den wichtigsten Vertretern des absurden Theaters in Polen, seine Gedichte gehören zum literarischen Kanon.
Um Tadeusz Rozewicz ist es ruhig geworden in den zurückliegenden Jahren. Der polnische Dichter und Dramatiker, der Essayist und Prosaautor steht mit beiden Beinen im 20. Jahrhundert, er begann zu schreiben, wo andere mit dem Schreiben enden: im Angesicht des Todes. Er war 18 Jahre alt, als der Krieg gegen Polen begann und war 24, als die Waffen schwiegen. Rozewicz kämpfte in den Wäldern bei den Partisanen gegen die deutschen Besatzer.

Um das erlebte Grauen zu beschreiben, hat er nicht nach Metaphern gesucht, sondern die Fakten selbst sprechen lassen. Im Detail, nicht in der künstlerischen Überhöhung entdeckte und zeigte er die Wahrheit, fand er eine Sprache für das Nicht-Sagbare. Allen Vorwürfen des Nihilismus hielt er stand, trumpfte als einer der viel gespielten Autoren des absurden Theaters mit Stücken wie "Die Falle" oder "Der Hungerkünstler geht" auf. Seine Gedichte gehören zum literarischen Kanon und sind in Polen Schullektüre.