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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.07.2020

Hugo Wolf: "Italienisches Liederbuch"Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht?

Moderation: Stefan Lang

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In einer Baumrinde ist ein Herz mit Amors Pfeil als Liebeserklärung geschnitzt. (imago images / imagebroker)
Herz als Liebeserklärung in einen Baum geschnitzt. (imago images / imagebroker)

Liebesleid und Liebesfreud, Zank und Necken, Sehnen und Vergöttern - all das steckt in den 46 Liedern von Hugo Wolf, die er im "Italienischen Liederbuch" vereinte. Mirella Hagen und Tobias Berndt toben durch diese Gefühlswelten in unserem Spontankonzert.

Der Dichter des "Italienischen Liederbuches", Paul Heyse, war ein Literatur-Star in Bayern. 1910 sollte er sogar den Literatur-Nobelpreis erhalten. Der König Maximilian II. holte ihn persönlich nach München. Hugo Wolf hatte schon einmal auf eine der erfolgreichen Heyse-Sammlungen zurückgegriffen. Daraus entstand sein "Spanisches Liederbuch." 

Südliche Freizügigkeit

Paul Heyses "Italienisches Liederbuch" erschien in Etappen Ende der 1890er Jahre - ein Band mit über 100 kleinen Gedichten, die das italienische "Liebesgefühl" in lebendigen kleinen Monologen auffächern, oft freizügig und offenherzig - italienisch eben. 46 davon setzte Hugo Wolf in Musik, immer in Schüben rauschhaft aufs Papier gebracht und in zwei Bänden veröffentlicht.

Die Perspektive der Liebeslieder legt den Wechsel von einer Männer- und einer Frauenstimme nahe - wobei Wolf das nicht explizit festlegt. Überwiegend zärtlich denkt der eine an die andere, mal verzehrt sie sich nach seinen Augen, mal sehnt er sich nach einem Kuss, dann wieder wimmelt sie ihn ab und scherzt über ihn, dann schimpft er über ihren Stolz - ein facettenreiches Hin und Her - ein durchaus erotisch aufgeladenes Drehen um das uralte, immerwährende Thema Liebe. 

Eine junge Frau mit halblangen, offenem Haar lächelt in die Kamera. (Mirella Hagen / Gerard Collett)Mirella Hagen war Finalistin des Internationalen Hugo-Wolf Wettbewerb Stuttgart. (Mirella Hagen / Gerard Collett)

Mirella Hagen ist gefragte Opernsängerin. So gab sie 2013 ihr Debut bei den Bayreuther Festspielen als Woglinde in "Rheingold" und "Götterdämmerung". Doch auch die kleine Form, das Lied, liegt ihr besonders am Herzen, gerade die Lieder von Hugo Wolf, der ein begeisterter Wagner-Fan war. 

Ein junger Mann bindet sich seinen Schlips und blickt dabei in die Kamera. (Tobias Berndt / Presse)Tobias Berndt hat sich für die Konzertpartien von Bach bis Wolf entschieden. (Tobias Berndt / Presse)

Der gebürtige Berliner Bariton Tobias Berndt hat seine erste musikalische Ausbildung im Kreuzchor in Dresden erhalten. Als Konzertsänger ist er viel unterwegs. Seine Vorbilder fand er in seinen Lehrern: Dietrich Fischer-Dieskau, Thomas Quasthoff oder Norman Shetler.

Beide Sänger und auch der Pianist Frank-Immo Zichner haben spontan zugesagt, für unsere Mikrofone zu singen und zu spielen. Dabei werden strenge Abstandsregeln eingehalten. Gemeinsam wird nicht gesungen, die Sänger wechseln einander ab - Hugo Wolf hat in seinem "Italienischen Liederbuch" keine Duette vorgesehen. 


Sie wollen unser Konzert in besonderer Qualität verfolgen? Dann wechseln sie hier auf unseren hochaufgelösten Stream (ACC 256 kbit/sec.).


Hugo Wolf
"Italienisches Liederbuch" für zwei Singstimmen und Klavier auf Texte von Paul Heyse HWW 159

Mirella Hagen, Sopran
Tobias Berndt, Bariton
Frank-Immo Zichner, Klavier

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