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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 28.02.2018

Hollywood und #MeTooDas Ende der Männer-Oscars?

Von Nicole Markwald

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"#MeToo"-Protest in Hollywood, Opfer von protestieren gegen sexuelle Gewalt und Belästigung. (AFP/Mark Ralston)
#MeToo-Protest in Hollywood (AFP/Mark Ralston)

Hollywood ist das Epizentrum der #MeToo-Debatte. Nach den Enthüllungen über den Produzenten Harvey Weinstein im Oktober 2017 kommen immer mehr Vorwürfe gegen Verantwortliche der Filmindustrie ans Licht. Was bedeutet das für die Oscars, die am Sonntag verliehen werden?

Oprah Winfrey: "So I want all the girls to know watching here tonight that a new day is on the horizon…" Reese Witherspoon: "People out there who are feeling silenced by harassment, discrimination, abuse - Time is up!" Oprah Winfrey: "...and when that new day finally dawns…." Frances McDormand: "Trust me, the women in this room tonight are not here for the food - we are here for the work." Jodi Cantor: "Part of the question is two years from now is the leadership in Hollywood going to look different?" Barbra Streisand: "Folks: time’s up!" Oprah Winfrey: "...fighting hard to make sure that they become the leaders who take us to the time when nobody ever has to say ‘Metoo’ again."

Eine Oscar-Statue steht vor dem Kodak Theatre in Hollywood. (dpa / picture alliance / Paul Buck)Endspurt vor den Oscars: Die begehrte Trophäe wird zum 90. Mal verliehen. (dpa / picture alliance / Paul Buck)

 "Hi everybody, welcome - and most importantly congratulations to everybody who’s nominated, thank you for letting me be a part of this, I’m excited, I’ve never been to the Oscars before, this is my first time here and the way you people go through hosts it’s probably my last time here…"

Jimmy Kimmel lag daneben, als er im vergangenen Jahr annahm, sein erstes Mal als Moderator der Oscars wäre sicher auch sein letztes Mal. Nein, die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, kurz die Oscar-Academy, verlässt sich auch ein weiteres Mal auf sein Talent, dem Höhepunkt der Preisverleihungssaison die richtige Dosis Humor und Kritik zu verpassen. Er musste 2017 den wohl peinlichsten Moment der Oscar-Geschichte überbrücken, als die Präsentatoren Faye Dunaway und Warren Beatty den falschen Film als "Besten Film" auszeichneten - man hatte ihnen den falschen Umschlag in die Hand gedrückt:

"Guys I’m sorry, there’s a mistake, ‘Moonlight’ you guys won Best Picture, Moonlight won, this is not a joke , this is not a joke, I’m afraid they read the wrong thing. Waaaarren, what did you do?"

"La La Land"-Produzent Jordan Horowitz, Moderator Jimmy Kimmel und Bester-Film-Laudator Warren Beatty auf der Bühne während einer Panne bei der Verleihung der 89. Oscars. "La La Land"-Produzent Jordan Horowitz hatte irrtümlicherweise wegen einer Umschlag-Verwechselung den Oscar erhalten, der eigentlich Gewinner war dann aber: "Moonlight". (imago/ZUMA Press)"La La Land"-Produzent Jordan Horowitz, Moderator Jimmy Kimmel und Bester-Film-Laudator Warren Beatty auf der Bühne während einer Panne bei der Verleihung der 89. Oscars. (imago/ZUMA Press)

Sicher - das kolossale Mißgeschick wird eine Rolle spielen bei der anstehenden diesjährigen Verleihung - doch Hollywood muss sich bei den Oscars 2018 einem viel größeren Thema stellen: dem Ungleichgewicht und Machtmißbrauch in der Filmindustrie.

300 Oscar-Nominierungen und 75 Oscar-Trophäen

Anfang Oktober 2017 berichtete die New York Times, dass Harvey Weinstein jahrzehntelang weibliche Angestellte und Schauspielerinnen sexuell belästigt hat. Weitere Vorwürfe folgten kurze Zeit später im Magazin New Yorker, recherchiert von Ronan Farrow, Sohn von Schauspielerin Mia Farrow. In diesen Enthüllungen war auch von Vergewaltigung die Rede, Schweigegeld, Überwachung durch Weinstein und Erpressung, einem Netzwerk von - wissenden oder unwissenden - Helfern.

Der US-Filmproduzent Harvey Weinstein.  (AFP / Yann COATSALIOU)Der US-Filmproduzent Harvey Weinstein. (AFP / Yann COATSALIOU)

Harvey und sein Bruder Bob Weinstein galten in Hollywood bis dahin  als einflussreich und extrem erfolgreich. Sie gründeten 1979 das Studio Miramax, das 1993 von Disney übernommen wurde. 2005 gründeten die Brüder die Weinstein Company. Zu ihrem Katalog gehören unter anderem "Shakespeare in Love", "Silver Linings", "Pulp Fiction" und die "Kill Bill"-Reihe. Die von ihnen produzierten Filme haben über die Jahre über 300 Oscar-Nominierungen und mehr als 75 Oscar-Trophäen erhalten.

Kein Opfer wollte an die Öffentlichkeit gehen

Die Journalistin Kim Masters ist Redakteurin beim Branchenblatt The Hollywood Reporter. Bei dem lokalen NPR-Sender KCRW moderiert sie eine Sendung über die Entertainment-Branche: "The Business". Sie kannte seit Jahren die Gerüchte über Harvey Weinstein, fand aber kein Opfer, das bereit war, an die Öffentlichkeit zu gehen. Im Sommer 2017 bekam sie einen Anruf von Harvey Weinstein. Sein Anliegen: ob sie nicht ein Buch über ihn schreiben wolle. Ihre Antwort war knapp: nein danke. Heute glaubt sie, Weinstein wollte sie mit einem möglichen Buchdeal ruhigstellen, vertraglich vereinbarte Schweigepflicht - wie sich herausstellte eine seiner klassischen Methoden, um Unangenehmes aus der Öffentlichkeit zu halten:

"Ich kannte Harvey seit Jahren und fand die Situation schwierig: man musste mit ihm arbeiten, wenn man über die Filmbranche berichtete. Und ich wußte von diesen schwerwiegenden Vorwürfen gegen ihn. Ich war froh, als die Geschichten endlich an die Öffentlichkeit kamen. Ronan Farrow meldete sich bei mir und unterstütze ihn, wo auch immer ich konnte. Ich nannte ihm den Namen eines Opfers, machte Vorschläge, wo sie sich treffen könnten, ohne gesehen zu werden. Jemand musste das endlich veröffentlichen, es war nicht mehr auszuhalten."

Kim Masters, Journalistin beim "Hollywood Reporter". Harvey Weinstein wollte, dass sie ein Buch über ihn schreibt. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)Kim Masters, Journalistin beim "Hollywood Reporter". Harvey Weinstein wollte, dass sie ein Buch über ihn schreibt. (Nicole Markwald, ARD Los Angeles)

Trotz ihres Vorwissens: als sie die Erzählungen von Rose McGowan, Asia Argento, Rosanna Arquette, Daryl Hannah und rund 80 weiteren Frauen las, war Masters geschockt:

 "Wie jemand mit Hilfe von anderen das jahrelang durchziehen kann, zeigt, wie verkommen diese Industrie ist. Es ist ein beängstigendes Beispiel dafür, dass jemand lange davon kommt, weil er Geld und Macht hat."

La La Land hat ein großes Sexismus-Problem

Sie selbst brachte kurze Zeit später Fehltritte von Roy Price an die Öffentlichkeit, er hatte bei Amazon eine Unterhaltungssparte mit Film- und Fernsehproduktionen aufgebaut. Und Kim Masters fand genügend Mitarbeiter bei Pixar, die bereit waren, über Fehlverhalten von John Lasseter, dem Chef der Disney-Animationssparte, öffentlich zu reden. Ein Damm war gebrochen. Weitere Enthüllungen nicht nur über Filmschaffende, sondern auch Journalisten, Politiker, Hotelketten-Besitzer, Musiker, Dirigenten folgten.

Unter dem Hashtag #Metoo meldeten sich Frauen und einige Männer aus aller Welt zu Wort, um von ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigung, Machtmißbrauch, Einschüchterung oder Schweigevereinbarungen zu berichten. Und kein Bereich in Hollywood konnte länger die Augen verschliessen: La La Land hat ein riesengroßes Sexismus-Problem. Im Eiltempo wurden Notruf-Hotlines eingerichtet, die Vereinigung Time’s Up sammelte Millionen für einen Rechtshilfefonds für die, die rechtlich gegen ihre Peiniger vorgehen wollen.

"I wasn’t aware at all, but I also am not surprised at all."

Sie habe von den Ausmaßen nichts geahnt, aber es habe sie nicht überrascht, sagt Danielle Hoetmer. Die Schauspielerin lebt seit 2009 in Los Angeles und hat sich auf Fernsehproduktionen spezialisiert, wie "Criminal Minds".  Andere Serien, in denen sie mitgewirkt hat: "Private Practise", "Hawaii Five-O" oder "CSI: Cyber".

"Als ich hier hergezogen bin, habe ich mich wie ein Rockstar gefühlt. Ich fand sofort einen Agenten, was ziemlich schwer ist und buchte meine erste Fernsehrolle. Es folgten zwei weitere Co-Star-Rollen und dann  zweieinhalb Jahre lang NICHTS, kein einziger Auftrag. Das war hart."

Anzügliche Sprüche am Set sind üblich

In den zweieinhalb Jahren ohne Rolle heuerte sie oft als Double an, wenn für eine Szene beispielsweise das Licht gesetzt wird, steht ein Double, nicht der Schauspieler selbst vor der Kamera. Die Mitarbeiter am Set waren mehrheitlich Männer, anzügliche Sprüche an der Tagesordnung. Beschwert hat sie sich darüber nie:

"Ich wußte, dass ich in der Hackordnung ganz unten war. Wenn ich mich beschweren würde, wäre ich meinen Job losgewesen. Vielen Dank, wir brauchen dich nicht mehr. Und das konnte ich mir nicht leisten, also habe ich mitgelacht…"

Danielle Hoetmer, Schauspielerin, fühlte sich am Film-Set oft als weibliches Objekt. (Vince Trupsin)Danielle Hoetmer, Schauspielerin, fühlte sich am Film-Set oft als weibliches Objekt. (Vince Trupsin)

Heute sagt Hoetmer, sie sei froh, bereits verheiratet und in ihren 30ern gewesen zu sein, als sie nach Los Angeles kam. Das ständige Mustern, die immer wiederkehrenden Versuche sich mit ihr zu verabreden, anzügliche Kommentare - das hinterlasse Spuren. Oft habe sie nicht mehr unterscheiden können, ob jemand an ihrer Arbeit als Schauspielerin oder an ihr als weibliches Objekt Interesse zeigte. Die Mutter einer kleinen Tochter hofft, dass die losgetretene Debatte um Sexismus und Machtmissbrauch in der Filmindustrie langfristige Veränderungen herbeiführt:

"I hope there’s meaningful change and that this is just the beginning of it but also it’s change from all aspects even us as women to understand our place as equal contributors to everything."

Es gibt eine aktive Bewegung

Noreen Dimster-Denk beobachtet bereits erste Veränderungen. Wir sind in einem proppevollen Lokal im Stadtteil Venice verabredet. Links von uns diskutieren zwei Gäste über ein Filmprojekt, drei Tische weiter sitzen zwei Hauptdarsteller der Hitserie "This is Us" beim Lunch. Dimster-Denk ist als First Assistant Director tätig, sie ist das Bindeglied zwischen Produktion und Regie. Sicherheit, Logistik, Zeitpläne - bei ihr laufen die organisatorischen Fäden zusammen, so dass der Regisseur sich auf die kreativen Aspekte des Drehs konzentrieren kann.

  "Ich habe schon den Eindruck, dass es eine aktive Bewegung gibt. Und das Bewußtsein am Set hat sich geändert. Viele achten mehr darauf, was sie sagen. Ihnen ist klar geworden, dass sie wegen unangebrachter Kommentare ihren Job verlieren könnten."

Veranstaltungen über "Sexuelle Belästigung" sind Pflicht

Die Schauspiel-Gewerkschaft SAG-AFTRA arbeitet derzeit einen Verhaltenskodex für seine Mitglieder aus. Doch schon seit Jahren sei es bei großen Fernsehproduktionen in Studios wie Fox oder Paramount für Crewmitglieder Pflicht, eine Informationsveranstaltung zum Thema "Sexuelle Belästigung" zu absolvieren, erzählt Dimster-Denk.

"Es tut sich was. Und das hängt auch damit zusammen, dass heutzutage mehr Frauen an Drehort mitarbeiten. Eine Bekannte von mir hat eine Produktionsfirma namens 51 Entertainment gegründet. Ihre Idee: 51% aller Personen am Set sollten Frauen oder Minderheiten sein."

Die Statistiken für Frauen in Hollywood, sagt auch Journalistin Kim Masters, sind verheerend: vor der Kamera, hinter der Kamera oder in den Büros der Studios.

"The statistics for women in Hollywood - in front of the camera, behind the camera, in the corporate offices - they’re not good, they’re really really bad."

Der Hollywood-Schriftzug in Los Angeles. (Jan-Martin Altgeld)Der Hollywood-Schriftzug in Los Angeles. (Jan-Martin Altgeld)

Der Verband "Women in Film" hat entmutigende Zahlen parat: bei den Filmen, die 2015 das meiste Geld verdient haben, saß bei gerade mal 7.5% eine Frau im Regiestuhl, 22% der Filme wurden von Frauen produziert und nicht mal 12 Prozent der Autoren war weiblich.  Die Filmemacherin Amy Adrion hat einen Dokumentarfilm zu dem Thema gemacht. Sie stellte "Half the Picture" im Januar beim Sundance Film Festival vor. Festival-Gründer Robert Redford hatte sich bei der Eröffnungs-Pressekonferenz ermutigt über die Selbstreflektion in Hollywood gezeigt:

"Veränderungen sind unvermeidlich,  manchmal sind Veränderungen gut, manchmal schlecht, aber ich fühle mich sehr ermutigt gerade, weil ich glaube, dass es viele neue Möglichkeiten für Frauen geben wird."

Der Raum für andere Stimmen, die Möglichkeiten für Außenseiter in der Filmindustrie waren beim Sundance schon immer größer als in Hollywood – genau dafür wurde das Festival einst gegründet - um ein Gegengewicht zum rein profitorientierten Studiosystem zu schaffen. Amy Adrions Dokumentation zeigt, wie schwer es für Regisseurinnen ist, Aufträge oder - selbst nach einem erfolgreichen Film - Folgeaufträge zu erhalten. Dafür gibt es in Hollywood sogar einen Begriff: "oneanddone".

 "Over the past 17 years the number of women directing has actually declined. Our study makes it really clear: Hollywood is a straight, white, boys club. Researchers found that directors are overwhelmingly white and overwhelmingly male."

Männer sitzen in den Entscheiderpositionen

 "Untersuchungen zeigen, dass Frauen nicht auf die Netzwerke zurückgreifen können, die Männern zur Verfügung stehen. Dass sie größere Schwierigkeiten haben, Geld für Filme aufzutreiben. Und das spiegelt das Ungleichgewicht in der Gesellschaft wieder: Männer sitzen in Entscheiderpositionen, geben grünes Licht für Finanzierungen - und das ist mit ein Grund, weshalb es weniger Filme von Frauen gibt."

Und das ist der Grund, weshalb bei der diesjährigen Oscar-Verleihung unter anderem die Nominierung von Greta Gerwig besonders gefeiert wurde: die 34-Jährige kann einen Oscar in der Sparte "Beste Regie" für ihren Film "Lady Bird" gewinnen - sie ist damit in der 90-jährigen Oscar-Geschichte erst die fünfte Frau, die in dieser Kategorie nominiert wurde.

Tilda Swinton, Regisseur Wes Anderson ("Isle Of Dogs") und Greta Gerwig  (imago/Future Image/Clemens Niehaus)Tilda Swinton, Regisseur Wes Anderson ("Isle Of Dogs") und Greta Gerwig zur Eröffnung der 68. Berlinale. (imago/Future Image/Clemens Niehaus)

Gewonnen hat eine Frau erst einmal: Kathryn Bigelow für den Irakkriegsfilm "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" - das ist zehn Jahre her. Und noch eine Frau schreibt in diesem Jahr Oscar-Geschichte: Rachel Morrison ist für ihre Kameraarbeit an dem Rassismus-Drama "Mudbound" für die goldene Statue nominiert - bislang wurden hier nur Kameramänner berücksichtigt.

"Ich hatte für mein Land gekämpft und kam zurück um festzustellen, es hatte sich nichts geändert. Ich weiss nicht, was man ihnen da drüben erlaubt hat, aber sie sind hier in Mississippi, sie gehen durch die Hintertür."

Ein Erneuerungsprozess innerhalb der Oscar-Academy ?

Die Schwarze Dee Rees hat Chancen auf einen Oscar für das Beste Adaptierte Drehbuch, Mary J Blige, in "Mudbound" als weitsichtiges Familienoberhaupt zu sehen, könnte als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet werden. Auch die übrigen Nominierungen sind vielseitiger - mit Denzel Washington und Octavia Spencer in den Schauspielkategorien oder vier Nominierungen für Jordan Peeles Horror/ Rassismusfilm "Get Out" - einen erneuten PR-Gau unter dem Hashtag #oscarssowhite konnte die Academy vermeiden. Für Journalistin Kim Masters erste Zeichen des Erneuerungsprozesses innerhalb der Oscar-Academy:  

 "Der Versuch, die Academy vielschichtiger zu machen, trägt erste Früchte. Ich glaube, deshalb wurde auch "Moonlight" im vergangenen Jahr bester Film. In diesem Jahr wurden Filme wie "Get Out", wo es um Rassismus geht, berücksichtigt, die Schwulen-Liebesgeschichte "Call me by your name" oder "Das Flüstern des Wassers", der sich um Akzeptanz von Außenseitern dreht - Politik hat schon immer eine Rolle in der Academy gespielt, aber jetzt haben wir es mit mehr Mitgliedern unterschiedlichster Herkunft zu tun, die -glaube ich- bewusster entscheiden. Es gibt Fortschritte."

Im vergangenen Jahr berief der Verband der Filmschaffenden 774 neue Mitglieder, so viele wie nie zuvor - 39 Prozent waren Frauen und 30 Prozent nicht weiß. Sie stammten aus 57 Ländern. Unter den neuen Mitgliedern waren die Wonder-Woman-Darstellerin Gal Gadot aus Israel und der Schöpfer des Musicals "Hamilton", Lin-Manuel Miranda, dessen Familie aus Puerto Rico stammt. Und auch der deutsche Filmemacher Fatih Akin. Bis 2020 soll der Anteil der Minoritäten und auch der weiblichen Mitglieder verdoppelt werden.

Immer noch viele alte, weiße Männer

Gut 8500 Filmschaffende umfasst die Academy – von Schauspielern über Kameraleute bis zu Regisseuren. 2012 waren nach einer Erhebung der Los Angeles Times 94 Prozent weiß, 77 Prozent männlich und nur 14 Prozent jünger als 50 - daher ihr Ruf, ein Verein alter, weißer Männer zu sein. So langsam ändert sich das. Jonathan Erland ist einer dieser alten, weißen Männer; er ist Spezialeffekte-Pionier, hat sich um den Bereich Visuelle Effekte hochverdient gemacht.

"Natürlich heißt die Academy alle willkommen. Aber sie reflektiert eben die in der Filmbranche Tätigen. Und natürlich wollen wir, dass dort mehr Frauen und Minderheiten arbeiten, aber wir können der Branche keine Quote vorschreiben."

Ausgewogener wird die Academy also erst, wenn mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten vor und hinter der Kamera, in den Regiestühlen, in den Autorenzimmern und in den Chefsesseln der Studios sitzen - und nach erfolgreicher Arbeit in die Academy berufen werden. Der Wendepunkt könnte jetzt erreicht sein, das glaubt auch Journalistin Kim Masters:

"Die Filmindustrie ist an einem Wendepunkt. Viele Frauen -und auch Männer- wollen, dass sich etwas ändert. Aber in einigen Einrichtungen ist Sexismus so fest verwurzelt, dass es mir schwerfällt mir vorzustellen, wie sich etwas ändern soll. Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht, ob es klappt oder nur bei dem Versuch bleibt."

Hollywood: das ist Glamour pur - und den wird es auch bei der 90sten Oscar-Verleihung zu sehen geben. Die zurückliegenden Monate haben aber auch offen gelegt, dass in Hollywood nach wie vor Diskriminierung, sexueller Missbrauch, Erpressung und Machtspielchen an der Tagesordnung sind, dass Frauen wie Minderheiten der Zugang zu bestimmten Bereichen systematisch erschwert oder versperrt wird, dass die Traumfabrik für manche eine Albtraumfabrik ist.

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