Hohenzollern regen Ausstellung an

Vorschlag zur Güte oder Eigen-PR?

05:14 Minuten
Blick auf das Schloss Cecilienhof in Potsdam. Im Vordergrund ragen Äste ins Bild.
Ein möglicher Ausstellungsort, wenn es nach Brandenburgs Kulturministerin geht: das Schloss Cecilienhof in Potsdam. © Imago / Jürgen Ritter
Von Christoph D. Richter · 18.01.2022
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Die Debatte um Rückforderungen für Wertobjekte der Hohenzollern und die Rolle im Nationalsozialismus geht weiter. Nun kommt der Vorschlag einer Ausstellung zu diesem Thema – doch auch der ist umstritten.
Mit einer Mischung aus Überraschung, Interesse und Verwunderung haben Beobachter den Vorschlag von Georg Friedrich Prinz von Preußen aufgenommen: Der Nachfahre des letzten deutschen Kaisers hat angeregt, eine Ausstellung zur Rolle der Hohenzollern während der Zeit des NS-Terrorregimes zu machen.
Der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Christoph Martin Vogtherr, reagiert verhalten: Bevor man überhaupt irgendwelche Überlegungen anstelle, müssten alle äußerungsrechtlichen Klagen gegen Historikerinnen und Historiker von Georg Friedrich Prinz zu Preußen nicht nur fallengelassen, sondern auch zurückgezogen werden. „Wir empfinden uns als Teil der nationalen Gemeinschaft und sind da zur Solidarität verpflichtet.“
Zu äußerungsrechtlichen Streitigkeiten zwischen dem in Potsdam lebenden Georg Friedrich Prinz von Preußen – dem Ururenkel des letzten deutschen Kaisers – und Historikern, Journalisten und Politikern ist es vor dem Hintergrund der Debatte über Rückforderungen gekommen, beziehungsweise um Entschädigungsleistungen für verloren gegangene Immobilien sowie Mobiliar und Kunstgegenstände der Nachfahren des letzten deutschen Kaisers. Ein wichtiger Aspekt, wenn es um den Anspruch der Hohenzollern auf Entschädigungsleistungen geht, ist die Frage, inwiefern der ehemalige Kronprinzen Wilhelm von Preußen dem Nationalsozialismus erheblichen Vorschub geleistet hat.
Seit 2014 verhandeln der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg über eine Einigung. Derzeit ruhen die Gespräche. Das Land Brandenburg lehnt eine Entschädigung ab, weil das ehemalige Oberhaupt der Familie, Stammhalter der Hohenzollern, Kronprinz Wilhelm von Preußen – zugespitzt formuliert – ein williger Gehilfe Hitlers und des NS-Regimes gewesen und daher von Entschädigungen auszuschließen sei. Über die Rolle des Kronprinzen gibt es unter Historikern weitestgehend keinen Dissens: Er habe dem NS-System erheblichen Vorschub geleistet.

"Eigene Reputation wieder herstellen"

Was das ehrliche Interesse der Hohenzollern an einer Aufarbeitung ihrer Rolle im Nationalsozialismus betrifft, ist die kulturpolitische Sprecherin der Linken im Brandenburger Landtag, Isabelle Vandre, skeptisch. Prinzipiell begrüße sie es immer, wenn Menschen sich mit der eigenen Vergangenheit oder der Familie auseinandersetzten. „Ich finde allerdings, dass Georg Friedrich Prinz von Preußen nach meinem Dafürhalten eher ein großes Interesse an der Debatte hat, um seine eigene Reputation beziehungsweise die der Familie wiederherzustellen.“
Für Stirnrunzeln unter Experten sorgt der Vorschlag der Hohenzollern, als wissenschaftliche Berater für eine mögliche Ausstellung die Namen der Historiker Lothar Machtan und Peter Brandt ins Gespräch zu bringen. In einer Mail der Hohenzollern – der sogenannten „Generalverwaltung des vormals regierenden preußischen Königshauses“ – an den Deutschlandfunk heißt es, Machtan würde über die entsprechende Expertise verfügen. Zudem habe er „im letzten Jahr zu einer Versachlichung der Debatte beigetragen“.

Unabhängigkeit gefordert

Andere befürchten darin den Versuch einer Umdeutung geschichtlicher Fakten. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist das nicht in Ordnung“, sagt Historikerin Eva Schlotheuber von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Auch sie war von äußerungsrechtlichen Auseinandersetzungen mit Georg Friedrich Prinz von Preußen betroffen. „Also, wenn man eine Ausstellung macht, die eine wissenschaftliche Ausstellung sein soll, die keine Propaganda-Veranstaltung sein soll, dann muss die Ausstellung unabhängig funktionieren können. Und wenn man dann zwei Leute vorschlägt, die Partei sind in einem polarisierten Feld, dann ist das natürlich schwierig.“
Zum Hintergrund: Historiker Lothar Machtan hat eine Studie zur Rolle der Hohenzollern während der Nazizeit im Auftrag der Hohenzollern geschrieben, wobei er Zugriff auf das Privatarchiv hatte [*]. Eine Ausstellung über die Rolle der Hohenzollern zur Zeit des Nationalsozialismus sei dennoch ausdrücklich zu begrüßen, ergänzt Schlotheuber.

Bereitschaft zu Leihgaben

Konkrete Nachfragen, warum man die Historiker Machtan und Brandt als Berater vorgeschlagen habe, hat Georg Friedrich Prinz von Preußen nicht beantwortet. Ein Sprecher schreibt stattdessen in einem allgemein gehaltenen Statement, dass Georg Friedrich Prinz von Preußen vor zwei Wochen noch einmal seine Bereitschaft wiederholt habe, „zu einer solchen Ausstellung mit Leihgaben beizutragen, falls dies gewünscht wird“. Weiter heißt es: „Ich sehe nach wie vor viele gute Gründe, die für ein solches Projekt sprechen.“ Auf weitere Nachfrage heißt es dann doch noch, was die Ausstellungsmacher betreffe, sei man offen für weitere Experten „die beratend für ein solches Ausstellungsprojekt in Frage kämen“. Deutlich wird an dieser Stelle: Bei einem möglichen Ausstellungsprojekt wollen die Hohenzollern ein Wörtchen mitreden, wenn es um die Auswahl der beratenden Historikerinnen und Historiker geht.
Auch Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle, SPD, fände eine Ausstellung zur Rolle der Hohenzollern zur Zeit des NS-Terrorregimes „reizvoll“. Eines müsse aber klar sein, schreibt sie in einer Mail an den Deutschlandfunk: „Nicht ich als Kulturministerin noch sonst jemand von außen entscheidet, wie das Konzept dieser Ausstellung aussieht oder wer bei diesem Projekt wissenschaftlich berät.“ Als Ausstellungsorte schlägt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, unter anderem das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof vor. Wenn die Hohenzollern – ohne Wenn und Aber – den Ausstellungsmachern alle angefragten leihfähigen Objekte auch zur Verfügung stellten, sei der Sache durchaus gedient, heißt es. Aber ob es so kommt, ist ungewiss. Denn derzeit herrscht Funkstille unter allen Beteiligten.
[*] Wir haben aus rechtlichen Gründen einen Halbsatz gelöscht.

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