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Tonart | Beitrag vom 20.02.2018

Historische Musikaufnahmen im InternetSpiel's noch einmal

Musikwissenschaftlerin Sabine Meine im Gespräch mit Mathias Mauersberger

Frauen hören in der Canning Town Bücherei in Pretoria auf einem Grammophon Musik (1947). (imago/United Archives International )
Musikschätzchen: Früher auf Platte, heute im Internet zu hören. (imago/United Archives International )

Auf der Internetseite "Canzone Italiana" finden sich 100 Jahre italienische Musikgeschichte komprimiert auf einer Seite: Die Aufnahmen stammen aus dem italienischen Rundfunkarchiv. Für das deutsche Lied gibt es ähnliche Angebote im Internet.

Vokalmusik aus Italien, da denkt man wohl zuallererst an die Oper. Blickt man allerdings ins 20. Jahrhundert, so zeigen sich verschiedenste Strömungen des italienischen Gesangsrepertoires: Von den ersten Arien und Romanzen, die um 1900 auf Schellackplatten gepresst wurden, über die sogenannte neapolitanische Canzone, die durch den Sänger Enrico Caruso weltbekannt gemacht wurde bis hin zum politischen Lied, italienischen Rock und Pop.

Den verschiedenen Entwicklungen des italienischen Lieds im vergangenen Jahrhundert widmet sich die Internetseite canzoneitaliana.it, die in chronologischer Form verschiedene Kapitel und Szenen der italienischen Gesangsmusik vorstellt und Tausende Tonbeispiele enthält.

"Ein riesiger Materialfundus mit wunderbaren Aufnahmen"

100 Jahre italienische Musikgeschichte komprimiert auf einer Seite – das ist auf jeden Fall eine große, gute gemachte Werbeaktion für die italienische Gesangskultur, meint Sabine Meine, Musikwissenschaftlerin an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.

Die Aufnahmen stammen aus dem italienischen Rundfunkarchiv Discoteca Di Stato, die Sammlung wurde unter anderem initiiert vom italienischen Bildungs- und dem Außenministerium. Sie ist in acht Sprachen zugänglich, auch auf Deutsch.

"Dieses Archiv möchte sich hier sicherlich selbst darstellen, aber auch dem Internet trotzen, indem es selbst eine Unterteilung vorgibt und den vielen privaten Möglichkeiten, das italienische Lied abzubilden, eine systematischere Aufstellung entgegensetzen", sagt Meine. "Das ist ein riesiger Materialfundus mit wunderbaren Aufnahmen, die einladen, jetzt darüber zu forschen."

Für das deutsche Lied, so Meine, "gibt es vergleichbare Sachen, die nicht so sehr in die Breite gehen, aber schon wissenschaftlich aufgearbeitete Ergebnisse präsentieren".  Zum Beispiel das Volksliedarchiv des Zentrums für populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg mit dem historisch-kritischen Liederlexikon und einem popmusikalischen Songlexikon. Außerdem stellt die Universität Bamberg ihre Anthologie Deutsche Lieder online zur Verfügung.

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