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Kompressor | Beitrag vom 15.12.2014

Historiker Wolfgang Benz"Abendland hat immer als Ausgrenzungsbegriff gedient"

Moderation: Gesa Ufer

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Der deutsche Historiker Wolfgang Benz auf der Leipziger Buchmesse 2013 (dpa / picture alliance / Marc Tirl)
Wolfgang Benz (dpa / picture alliance / Marc Tirl)

"Gegen die Islamisierung des Abendlandes" tritt die Bürgerbewegung Pegida an - und findet immer mehr Anhänger. Doch was meint "Abendland" eigentlich genau? Der Historiker Wolfgang Benz erklärt die Geschichte des Begriffs.

Eine Protestwelle, in der die Angst vor "Überfremdung", vor der Islamisierung des sogenannten "Abendlandes" im Mittelpunkt steht, durchzieht Deutschland derzeit. Aufgerufen von der Bürgerbewegung Pegida gingen vor einer Woche in Dresden 10.000 Menschen auf die Straße und die Organisation ruft weiter zu Demonstrationen auf. Die Tendenz derer, die sich beteiligen, ist steigend.

Pegida steht für "Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes". Angesichts dieser erstarkenden Bewegung lautete die Frage des Tages in der Sendung "Kompressor": Was ist das Abendland?

Der Historiker und Antisemitismusforscher Wolfgang Benz erklärte im Interview mit Deutschlandradio Kultur, was dieser Begriff eigentlich meint:

"Das Abendland hat immer als Ausgrenzungsbegriff gedient, ursprünglich war es die lateinische Christenheit, die sich gegen die Ost-Kirche gewendet hat, später waren es die Türken, gegen die man glaubte sich verteidigen zu müssen, und schließlich ist es - und diesen traurigen Fall haben wir jetzt - zur Kampfparole, zu einem Synonym für 'Ausländer raus' oder 'Muslime raus' geworden."

Westliches Europa fühlte sich früher schon bedroht

Hochkonjunktur habe der Begriff Abendland im 18. und im 19. Jahrhundert gehabt.

"Da verstand man sich im westlichen Europa als die Vollendung der Schöpfungs- und Menschheitsgeschichte. Da glaubte man auf dem Fundament der Antike im vollendeten Christentum jetzt zu den absoluten nicht mehr steigerbaren Würden der Menschheit gekommen zu sein. Man sprach damals auch vom Herbst des Abendlandes, dass man dann am Ende des 19. Jahrhunderts als bedroht fühlte."

Das geflügelte Wort "Der Untergang des Abendlandes", Titel des Hauptwerks des Philosophen und Historikers Oswald Spengler, sei allgegenwärtig gewesen. 

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