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Fazit | Beitrag vom 06.09.2020

Helge Schneider in der Waldbühne BerlinGroße Show mit Klebestreifen und "Meisenmann"

Andre Zantow im Gespräch mit Johannes Nichelmann

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Helge Schneider bei seinem Konzert in Berlin am 06.09.2020. Er greift sich an den Kopf und lacht. (imago images / Andreas Gora)
"Immer noch ein musikalisches Zirkustalent", sagt unser Kritikeri über Helge Schneider und dessen Auftritt in der Waldbühne Berlin. (imago images / Andreas Gora)

Helge Schneider spielte in der Berliner Waldbühne im Rahmen der "Back to Live"-Konzerte. Kritiker Andre Zantow bescheinigt ihm unveränderte musikalische Brillanz. Die Coronabeschränkungen seien aber für viele Besucher ein Stimmungskiller gewesen.

Die Berliner Waldbühne will mit ihrer "Back to Live"-Konzertreihe nach der mehrmonatigen Coronazwangspause ein Zeichen für einen möglichen Neustart von Großveranstaltungen setzen. Wegen der Hygiene- und Abstandsregelungen dürfen allerdings nur 5000 der rund 22.000 Plätze besetzt werden.

Die weitreichenden Einschränkungen seien auch der Grund gewesen, dass viele Besucher den Abend etwas enttäuscht verlassen hätten - und das trotz des unverminderten Unterhaltungswerts von Helge Schneider, sagt Kritiker Andre Zantow.

Drei-Mann-Show mit zehnjährigem Schlagzeuger

"Es war ein besonderes Konzert. Speziell am Anfang habe ich das gemerkt, als Helge Schneider auf die Bühne kam. Da schwebte ein großes Gefühl der Erleichterung durch die Waldbühne: Endlich geht es wieder los! Da fiel allen ein großer Stein vom Herzen."

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Das Publikum habe in Zweiergruppen gesessen und die Außenränge seien gar nicht besetzt gewesen. Auf dem ganzen Gelände habe Maskenpflicht geherrscht, außer auf den eigenen Plätzen. Das habe organisatorisch gut geklappt und die Zuschauer seien sehr diszipliniert gewesen.

Mit Helge Schneider seien noch sein Live-Gitarrist Henrik Freischlader und sein jüngster Sohn Charly auf der Bühne gewesen. "Er hat das ganze Konzert am Schlagzeug mitgespielt, mit gerade mal zehn Jahren. Bravourös hat er das gemacht, und am Ende gab es noch ein Solo."

Der zehnjährige Schlagzeuger Charly Schneider sitzt während eines Auftritts an seinem Instrument und spielt. (imago images / Andreas Gora)Helge Schneiders zehnjähriger Sohn Charly glänzte zum Schluss sogar mit einem Schlagzeugsolo. (imago images / Andreas Gora)

Auch mit 65 Jahren sei Helge Schneider immer noch ein musikalisches Zirkustalent, sagt Zantow. "Er hat viele kleine Ideen, mit denen er spielt, Geräusche, Musik. Er bringt diese Soundquellen mit und baut sie so wie eine Art Jonglage in seine Songs ein. Er hat zum Beispiel ein Lied mit dem Geräusch eines Klebestreifens beendet, den er abgerollt hat! Großes Kino!"

Zum Schluss sei auch ein Publikumswunsch erfüllt worden. Ein Rufer hatte sich das Lied "Meisenmann" gewünscht. Helge Schneider sei daraufhin mit seinem Sohn etwas vom Mikrofon zurückgetreten und habe ihm offensichtlich erklärt, welches Lied gespielt wird. "Und dann ging es los, und das war großartig. Das war wahrscheinlich das schönste Lied auf diesem Konzert, wie sie da alle spektakulär, wahrscheinlich so gut wie noch nie, diesen Song performt haben."

Keine langfristige Perspektive für solche Konzerte

Mit Open-Air-Konzerten sollte man auf jeden Fall weitermachen, sagt Zantow. Dennoch seien viele Besucher enttäuscht hinausgegangen. Eine langfristige Perspektive mit Konzerten dieser Art könne er nicht erkennen.

Helge-Schneider-Konzert in der Waldbühne Berlin. Auf der Bühne sind unter anderen Helge Schneider, sein Sohn und Schlagzeuger Charly und der Gitarrist Henrik Freischlader. Durch die Pandemieeinschränkungen sind viele Plätze im Publikum nicht belegt. (imago images / Andreas Gora )Stimmungskiller Abstandsregeln: Helge Schneider-Konzert am 06.09.2020 in der Waldbühne Berlin. (imago images / Andreas Gora )

"Wenn das Coronathema noch viel länger dauert, glaube ich nicht, dass man diesen 'Erleichterungsschub' von heute Abend länger hat. Diese 'Lückenkonzerte' finde ich als Zuschauer nicht so erbaulich. Wirtschaftlich sind sie ja auch nicht tragbar."

Er fände es für die Kunst und für die Branche empfehlenswert, über den heutigen Status hinauszugehen und nicht darauf zu beharren, sondern an die Politik zu appellieren, da mutig zu sein und neue Schritte auszuprobieren.

(rja)

"Back to Live"-Konzertreihe
Waldbühne Berlin

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