Hasskommentare im Netz

    Immer mehr Menschen wehren sich

    07:06 Minuten
    Neben dem "Gefällt mir"-Button von Facebook sind die Worte "Du blöde Sau" zu sehen.
    Hassrede lässt sich am besten international bekämpfen, meint Nicole Diekmann. © imago / photothek / Thomas Trutschel
    Nicole Diekmann im Gespräch mit Vladimir Balzer · 01.06.2021
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    Wie soll man dem Hass im Netz begegnen? Dafür braucht es nicht nur die Selbstreinigungskräfte der Internet-Community, sondern auch Institutionen, die die Plattformen sanktionieren können, sagt die Journalistin Nicole Diekmann.
    Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage erleben mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland Hass im Netz. Auf der anderen Seite wehren sich auch immer mehr gegen Hasskommentare. Sie melden die Hater den Portalen oder schreiben Gegenreden.
    Auch die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Die Autorin des Buchs "Die Shitstorm-Republik" glaubt, es könne noch zum Guten gedreht werden.

    Das NetzDG reicht nicht

    Dafür brauche es sowohl Selbstreinigungskräfte der Internet-Community, wie auch juristische Regelungen, so Diekmann. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG, sei nicht ausreichend. Denn obwohl es noch sehr neu sei, musste es schon verbessert werden: "Das zeigt, da war von Anfang an nicht die Wirkung erzielt worden, auf die man gehofft hatte."
    Dabei sollten Regelungen mindestens auf europäischer, besser noch auf internationaler Ebene getroffen werden. "Die Macht dieser Netzriesen ist mittlerweile so groß, das ist auf nationalstaatlicher Ebene überhaupt nicht mehr einzufangen."

    Die Sanktionen müssen Profis verhängen

    Wichtig sei, dass Institutionen außerhalb der Netzwerke geschaffen werden, die Hassrede sanktionieren. "Das müssen ausgelagerte Stellen tun, wo Leute sitzen, die das beruflich machen." Aber neue Straftatbestände müssen nicht geschaffen werden: "Es sind dieselben, die im Digitalen gelten wie im Analogen."
    Diese Stellen müssten mit genügend Personal ausgestattet werden und dieses Personal müsste entsprechend ausgebildet sein. Wenn dann noch das Bewusstsein der Menschen wachse, dass Hassrede nicht einfach hingenommen wird, gebe es Hoffnung, sagt Diekmann: "Ich glaube, da sind wir alle auf einem guten Weg. Das Glas ist halb voll."
    (beb)
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