Seit 01:05 Uhr Tonart

Freitag, 25.09.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit | Beitrag vom 11.09.2020

Harald-Hauswald-Retrospektive in Berlin Das Lebendige hinter dem DDR-Nebel

Ute Mahler im Gespräch mit Britta Bürger

Beitrag hören Podcast abonnieren
Teilnehmer einer Fürbittandacht in der Ost-Berliner Gethsemane-Kirche am 09.10.1989.  (picture alliance/dpa/epd/Harald Hauswald)
Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer Fürbittandacht in der Ost-Berliner Gethsemane-Kirche am 9. Oktober 1989. (picture alliance/dpa/epd/Harald Hauswald)

Harald Hauswald ist Mitbegründer der Agentur "Ostkreuz" und vor allem mit Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem DDR-Alltag bekannt geworden. "Voll das Leben!" heißt seine aktuelle Retrospektive in der Galerie C/O Berlin.

Ob Gruftis oder Hooligans, Harald Hauswald fand die die Rebellion gegen den DDR-Staat spannend und fotografierte sie. Seine Bilder sind nun in Berlin in der C/O-Galerie zu sehen. 

Könnte man Hauswalds Bilder über den Geruchssinn wahrnehmen, so würden sie wie Nebel riechen, sagt Hauswalds Kollegin und Kuratorin der Schau, Ute Mahler, im Deutschlandfunk Kultur. "Es liegt ziemlich viel Grau in den Bildern. Und das liegt nicht daran, dass es Schwarz-Weiß-Bilder sind." Grau seien die abgelichteten Szenen selbst.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Hauswald hat sehr viel Menschen fotografiert, und durch die Menschen verschwindet dieses Grau", so Mahler weiter. "Plötzlich konzentriert man sich auf Situationen, man ist in einer anderen Zeit, in einer anderen Welt."

Harald Hauswald habe immer eine Kamera dabeigehabt und alles fotografiert, was ihm wichtig gewesen sei. "Im Grunde war die Kamera eine Erweiterung der Augen."

Der Fotograf Harald Hauswald steht am 11.9.2020 im C/O Berlin vor seinem Bild "Fahnenflucht /1.Mai 1987, Alexanderplatz". (picture alliance/dpa/Annette Riedl)Harald Hauswald ist in Radebeul geboren und lernte den Beruf des Fotografen in der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee. (picture alliance/dpa/Annette Riedl)

Er habe geguckt, wie die Leute laufen, wie sie stehen und wie sie miteinander sprechen. So habe er auch ihre Gefühlswelt mit zum Ausdruck gebracht.

Ein Chronist des Alltags

"Er ist Chronist des Alltags im urbanen Bereich", sagt Mahler. Er habe dort fotografiert, wo sich die Menschen bewegt haben. Seine Arbeiten seien Dokumentarfotografie mit hoher Konzentration und einer besonderen Bildsprache.

Aktuell werde im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur das Archiv des Fotografen Harald Hauswald an der Agentur Ostkreuz konservatorisch gesichert. Dieses Gesamtwerk umfasse mehr als 240.000 Bilder. 

(jde)

"Harald Hauswald Voll das Leben! - Retrospektive" ist noch bis zum 23. Januar in der Galerie C/O Berlin zu sehen.

Mehr zum Thema

Harald Hauswalds Archiv - Die DDR in 250.000 Einzelaufnahmen
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 26.03.2019)

Chemnitz und Karl-Marx-Stadt - Auf dem Weg in eine "Lynchokratie"
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 31.08.2018)

Kritische Fotografie in der DDR - „In den Hinterhöfen fand das eigentliche Leben statt“
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 05.02.2018)

Kulturpresseschau

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur