Seit 10:05 Uhr Lesart

Mittwoch, 19.06.2019
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Lesart / Archiv | Beitrag vom 04.10.2017

Hansjörg Küster: "Deutsche Landschaften"Idyll, Paradies und Heimat

Von Johannes Kaiser

Podcast abonnieren
Cover: Hansjörg Küster: Deutsche Landschaften (C.H. Beck Verlag / picture alliance / dpa / Thomas Eisenhuth)
Küster wirft in seinem Buch einen neuen Blick auf bekannte deutsche Landschaften - wie das Elbsandsteingebirge. (C.H. Beck Verlag / picture alliance / dpa / Thomas Eisenhuth)

Von Helgoland bis zum Starnberger See, vom Drachenfels am Rhein bis zum Elbsandsteingebirge – Hansjörg Küster stellt 24 prächtige Landschaften in Deutschland vor und weckt beim Leser die Lust, das Land neu zu entdecken.

Sehnsuchtsorte, Touristenmagnete, Naturdenkmäler – Deutschland hat viele prächtige Landschaften. Doch eines zeichnet sie alle aus: Trotz ihrer jeweilige Einzigartigkeit sind sie vom Menschen geschaffen und geprägt.

24 Landschaften, die für ihn schönsten, hat sich der Ökologe und Landschaftshistoriker Hansjörg Küster ausgesucht, um sie vorstellen. Und so streift der Autor von Helgoland bis zum Starnberger See, vom Drachenfels am Rhein bis zum Elbsandsteingebirge, aber er beschreibt auch Stadtlandschaften wie Hamburg, Berlin oder München.  

Natur ist dynamisch

Typisch ist für diese Landschaften ist, dass sie erst durch unsere Idee von ihnen zu besonderen Kulturlandschaften werden. Wir bezeichnen sie als  Idyll, Paradies oder Heimat, und wollen, so Hansjörg Küster, dass sie unverändert bleiben. Doch Natur ist dynamisch. Die Grundfrage ist daher, ob man Veränderung zulassen oder den Zustand bewahren soll?

Ein Beispiel dafür ist die Lüneburger Heide, die jedes Jahr zehntausende Besucher begeistert. Geschaffen wurde sie von Menschen. Im Mittelalter benötigte man dann riesige Mengen an Holz zum Heizen, Bierbauen und Salzsieden. Der Wald verschwand, Heideflächen entstanden. Im Winter, wenn das Vieh in den Ställen stand, wurden große Stücke der Heidevegetation, sogenannte Plaggen, aus dem Boden geschnitten und als Viehfutter in die Ställe gebracht. Das war wichtig, denn Heidschnucken fressen vor allem junge Triebe. Die aber konnten nur aufkommen, wenn die alten Pflanzen entfernt wurden. Plaggt man den Boden nicht ab, kommen rasch Gräser hoch, dann Birken und Kiefern. Wald entsteht. Es reicht also nicht, dass Heidschnucken die Heide abfressen, der Boden muss abgetragen oder abgebrannt werden. Ohne ständige menschliche Eingriffe wäre die Lüneburger Heide zum Untergang verdammt.

Landes- und Landschaftsgeschichte

Hansjörg Küster zeigt, wie menschliche Besiedlung die Landschaften im Laufe der Jahrhunderte veränderte. Als Historiker geht er weit in der Erdgeschichte zurück, zeigt wie Tektonik und Eiszeiten Berge und Täler schufen, fruchtbares Land und karge Sandflächen. Stets bezieht er das Umland mit ein, schildert, wie sich ein Landstrich im Laufe der Jahrhunderte so änderte, bis genau die beschriebene Landschaft entstand. Geschickt verknüpft er dabei Landesgeschichte mit Landschaftsgeschichte und erzählt so erstaunliche Geschichten, die auch Umweltsünden und Technikentwicklungen nicht aussparen.

Ob nun Schwarzwald oder Bodensee, Rügen oder Harz - Hansjörg Küster verzichtet darauf, eigene Landschaftsbilder zu malen, sondern lässt bekannte Dichter und Schriftsteller von Goethe bis James Krüss von ihnen schwärmen. Außerdem gibt es zahlreiche prächtige Landschaftsaufnahmen, die Lust machen, sofort loszufahren. Mit diesem Buch in der Hand wird man einige der schönsten Landschaften Deutschlands neu entdecken.

Hansjörg Küster: Deutsche Landschaften. Von Rügen bis zum Donautal
C.H. Beck Verlag, München 2017
383 Seiten, 103 Abbildungen, 29,95 Euro

Mehr zum Thema

Stadt, Land, Karte - Karten zeichnen - von Hand!
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 23.08.2016)

Spurensuche - Die Steinzeit von Berlin
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 13.06.2016)

Klettern in der Sächsischen Schweiz - Freunde des Abgrunds
(Deutschlandfunk Kultur, Nachspiel, 12.04.2015)

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur