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Neue Musik | Beitrag vom 01.08.2019

Hans Wüthrich über die Musik der Zukunft"Mich fasziniert der Aspekt des Möglichen"

Carolin Naujocks im Gespräch mit Hans Wüthrich

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Hans Wüthrich sitzt mit überschlagenen Beinen auf einem Stuhl und schuat in die Kamera (Telemach Wiesinger)
Aufgrund seiner interkommunikativen Ausrichtung war Hans Wüthrich (1937-2019) in seiner Kunst stets eine Dimension voraus (Telemach Wiesinger)

Kann ein Künstler gleichzeitig Seismograph und Moralist sein? Entweder man ist Beobachter oder man hat eine Utopie, meinte der 2019 verstorbene Schweizer Komponist Hans Wüthrich – beides lasse sich nicht kombinieren.

Zur Jahrtausendwende hatten wir verschiedene Komponisten gebeten, eine Auswahl von Stücken zusammenzustellen und unter dem Stichwort "Musikalische Strategien für eine Musik des 21. Jahrhunderts" zu kommentieren.

Das Ziel war eine sehr persönliche Bestandsaufnahme, die den Stand der Reflexion des Komponierens in der Auseinandersetzung mit Gegenwart spiegelt.

Hier geht es zur Playlist der Sendung

In dem Gespräch aus dem Jahr 2000 stellte der Schweizer Komponist Hans Wüthrich mehrere Tendenzen heraus, die ihn auch in seiner eigenen Arbeit beschäftigten. Dazu gehörte unter anderem das Zurücktreten der persönlichen Handschrift des Komponisten hinter konzeptuelle Überlegungen.

Ästhetik als Politikum

Laut Wüthrich gibt es keine restriktive Trennung zwischen politisch engagierter Musik und nicht politisch engagierter Musik, denn für ihn kann politisches Engagement weiter gefasst werden.

Gegenwärtig steuern wir, so Wüthrich, auf eine globale Vereinheitlichung, Nivellierung und Verflachung zu – schlimmer noch, wir haben zur Zeit eine globale Diktatur des schlechten Geschmacks, der geistigen Anspruchslosigkeit und des Sich-Anpassen-Müssens.

In einem solchen Zusammenhang wird jedes eigenständige Denken und Handeln ein politischer Akt.

Komponist und Sprachwissenschaftler

Der Schweizer Komponist Hans Wüthrich (1937-2019) hatte zunächst Klavier, Musiktheorie und Komposition studiert, bevor er sich der Deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft zuwendete. Aus diesen verschiedenen Richtungen speiste sich auch sein übergreifendes Interesse, wenn es um seine kompositorischen Arbeiten ging.

"Ideas and plans that existed in the mind at the start were simply the doorway through which one left the world in which they occur." (Mark Rothko)

Kompositorische Strategien für eine Musik des 21. Jahrhunderts
Hans Wüthrich im Gespräch mit Carolin Naujocks

Mit Kompositionen von
Dieter Schnebel
Brian Ferneyhough
Morton Feldman
Klaus Huber
Mathias Spahlinger
Hans Wüthrich

Produktion: DeutschlandRadio Berlin 2000

 

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