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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 29.06.2017

Hans-Ulrich PönackKein Tag ohne Kino!

Moderation: Matthias Hanselmann

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(Deutschlandradio - Matthias Dreier)
Der Filmkritiker Hans-Ulrich "Pöni" Pönack vor unserem Berliner Funkhaus (Deutschlandradio - Matthias Dreier)

Hans-Ulrich Pönack, genannt "Pöni", ist der dienstälteste Filmkritiker in unserem Haus. Mit unbändiger Leidenschaft fällt er seit nunmehr 48 Jahren sein unbestechliches Urteil. Nun geht der Film-Enthusiast. Aber nicht, ohne aus seinem Leben zu erzählen.

Hans-Ulrich Pönack ist waschechter Berliner: Geboren 1946, Sohn einer Kartenabreißerin im Kino; schon als Kind sitzt er beim Filmvorführer und schaut alle Filme. Und er klappert die Ku‘damm-Kinos nach Filmprogrammen ab. Daraus wurde eine der größten Kinoprogramm-Sammlungen weltweit, mit ca. 10.000 Exemplaren.

Aber mehr als den Programmen galt und gilt seine Liebe den Filmen selber – und diese können durchaus heilende Wirkung haben:

"Ich liebe François Truffaut und seine Filme, und immer wenn es mir in der Kinder- und Jugendzeit schlecht ging – das ist kein Scherz - ging ich ins Kino, um einen François Truffaut-Film zu sehen - und mein Seelenleben war nach dem Film immer besser."

Seine ersten Kritiken schreibt er noch als Beamter der Bundesversicherungsanstalt. Angefangen hat es bei einer "Neigungsgruppe" der DGB-Jugend, ein Kreis Literatur- und Theaterinteressierter junger Leute, deren Spektrum er um den Bereich Film erweiterte und für die und alle anderen, die es lesen wollten, er schließlich auch ein Heftchen mit eigenen Filmkritiken veröffentlichte.

Filmkritiker Hans-Ulrich Pönack, genannt Pöni, an seinem letzten Tag bei DlfKultur mit Moderator Matthias Hanselmann (Deutschlandradio - Laura Lucas)Moderator Matthias Hanselmann und unser Filmkritiker Hans-Ulrich Pönack (Deutschlandradio - Laura Lucas)

"Du musst mich unterhalten, du musst mich kriegen"

Hier konnte er sich üben und seiner eigentlichen Motivation für die Filmkritik Raum geben – der Emotion:

"Ich bin stinkewütend, wenn die mich auf der Leinwand beleidigen, wenn sie einen Film machen, der mich nicht unterhält – das ist die Grundbedingung. Du kannst machen, was du willst, du kannst den schrägsten Film machen, den du willst, aber du musst mich packen, du musst mich unterhalten, du musst mich kriegen.

Oder, wenn ich rauskomme und gleich so begeistert bin, dass ich gleich ins Studio treiben möchte und sagen möchte: 'Leute, hier ist was, ich muss Euch erzählen, hier ist was!' – Das ist so die Motivation. Die ist überhaupt nicht weggegangen. Ich bin heute noch genau so scharf auf den nächsten Film – morgen früh 10:00 Uhr muss ich ins Delphi - weil die Neugier, die Lust ist einfach da, ich weiß nicht warum, immer und ewig, das ist ein Teil von mir. Das hab ich längst akzeptiert."

Klare Sprache, klare Meinung

Am 27. November 1969 tritt er zum ersten Mal bei RIAS Berlin auf, einem der Vorgängersender von Deutschlandfunk Kultur; seither verging hier kaum eine Woche ohne "Pöni". Seine legendären Auftritte bei Sat1 wurden sehr erfolgreich persifliert – mittlerweile hat er eine eigene Fernsehsendung, "Pöni TV".

Sein Motto: "Klare Sprache! Klare Meinung! Es gibt 450 Filme im Jahr, da blickt doch kein normaler Mensch durch. Die Leute wollen einen Wegweiser haben. Am Ende wollen sie wissen 'ja' oder 'nein'. Nichts ist schlimmer, als wenn du am Ende einer Kritik nicht weißt, wie der Kritiker der Film fand."

Eine klare Meinung war ihm von Anfang an wichtig, irgendjemandem Honig ums Maul zu schmieren kam nicht in Frage:

"Ich konnte mir leisten, unabhängig zu sein, weil ich immer auch finanziell unabhängig war. Ich hatte immer 2-3 Jobs, die mir genügend Einkommen zur Verfügung stellten, so dass ich unabhängig sein konnte. Das ist ein Privileg. Ich weiß das, aber dieses Privileg ist so wunderbar, so dass ich nirgendwo mich anbiedern muss. Das ist ein Glücksfall."

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