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Buchkritik | Beitrag vom 11.07.2018

Hans Rosling u.a.: "Factfulness"Mit Fakten gegen Unwahrheit und schlechte Stimmung

Von Volkart Wildermuth

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Buchcover: "Factfulness" vor dem Hintergrund eines ASCI-Codes auf einem Computerbildschirm (Ullstein / dpa)
Buchcover: "Factfulness" vor dem Hintergrund eines ASCI-Codes auf einem Computerbildschirm (Ullstein / dpa)

Der Gesundheitsforscher Hans Rosling pflegt vor allem die Wahrheit als eine der großen Therapien. Sein Werk "Factfulness" ist ein Plädoyer für den Fortschritt und für die heilende Wirkung fundierter Fakten.

In Zeiten von Fake News ist es ziemlich erfrischend, wenn ein Autor ganz auf Fakten setzt. Der kürzlich verstorbene schwedische Gesundheitsforscher Hans Rosling war so einer. In seinem jetzt erschienen Buch, das sein Sohn und dessen Ehefrau zu Ende geführt haben, wird deutlich: Erst wer die Fakten kennt, kann seine Situation richtig einschätzen.

Deutlich wird das schon an einer einfachen Frage: Inwieweit hat sich in den letzten 20 Jahren der Anteil extrem armer Menschen verändert? Hat er sich a) fast verdoppelt, b) nicht verändert oder c) deutlich mehr als halbiert? Letzteres ist richtig. Aber die wenigsten Menschen wissen das. Sie sind viel zu pessimistisch, lieben dramatische Nachrichten und übersehen deshalb systematisch hoffnungsvolle Fakten, so die Erkenntnis Hans Roslings. Mit seinem Buch "Factfulness" will er genau das ändern:  "Hier finden Sie Daten, wie Sie sie bisher nicht kannten: Es sind Daten als Therapie."

Diagramme, Kurven und Statistiken - aber nicht nur

Und so finden sich auf diesen 400 Seiten zahlreiche Diagramme, Kurven und Statistiken, die aufräumen mit Halbwissen und gefühlten Wahrheiten. Am überzeugendsten aber sind die Fotos von Toiletten, Kochstellen, Zahnbürsten. Die Bilder wurden in den Haushalten vier unterschiedlicher Einkommensstufen gemacht - von den Ärmsten der Armen bis hin zu den Reichen. Am oberen Ende der Skala ist verblüffend, wie sehr sich etwa die Schlafzimmer der wohlhabenden Menschen weltweit gleichen. Und die Fotos vom unteren Ende der Skala zeigen, für wie viel mehr Lebensqualität schon ein einzelner zusätzlicher Dollar am Tag sorgen kann.

Auch in Sachen Bildung, Gesundheit und in der Verhinderung von Gewalt gibt es große Fortschritte. "Früher war die Welt größtenteils barbarisch, heute ist sie es meistens nicht. Für die Menschen in Syrien ist dieser Trend natürlich kein Trost", schreibt Rosling. Wer aber positive Trends ignoriere und an einer dramatischen Weltsicht festhalte, habe nicht nur schlechtere Laune, so der Gesundheitsforscher, sondern verpasse auch Chancen. Wie etwa ein Damenbinden-Hersteller, der immer neue Innovationen für den gesättigten europäischen Markt entwickelt anstatt die große Nachfrage in Afrika und Asien zu bedienen.

Mehr als nur Theorie

"Factfulness" ist für Hans Rosling aber keine reine Theorie. Als Arzt in Afrika und Asien musste er oft selbst entscheiden: Lieber einem kranken Kind helfen oder die Ressourcen in Vorbeugung stecken? Und die eigenen Vorurteile erkennen lernen. Auf der Suche nach Hilfe für eine Hebamme in Tansania, lernte er, dass für ihre Arbeit nicht bessere Medikamente entscheidend sind, sondern schlicht eine Taschenlampe, die verhindert, dass sie nachts auf Schlangentritt.

Und so steckt dieses kluge Buch voller Ratschläge, die helfen, nach den relevanten Zahlen zu fragen und sie einzuordnen. Roslings Ziel, Neugier auf Fakten zu wecken und zum Selbstdenken anzuregen, geht voll auf. Er verfolgt dabei einen ähnlichen Ansatz wie der Kognitionswissenschaftler Steven Pinker. Fehlende Fakten sind aber nicht nur ein Problem in der öffentlichen Debatte. Genauso wichtig ist die Neigung, Fakten für irrelevant zu halten. Das macht dieses Buch erschreckend klar. Und: Wem sein Weltbild über alles geht, wird dieses wichtige Buch nicht lesen. Leider.

Hans Rosling/ Anna Rosling Rönnl/ Ola Rosling: "Factfulness: Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist"
Übersetzt von Hans Freundl, Hans-Peter Remmler und Albrecht Schreiber
Ullstein, Berlin 2018
400 Seiten, 24 Euro

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