Hans Kollhoff

Warum haben Sie sich von der Architektur Le Corbusiers abgewandt?

Der Architekt Hans Kollhoff zu Gast bei Deutschlandradio Kultur © Deutschlandradio / Cornelia Sachse
Hans Kollhoff im Gespräch mit Britta Bürger · 27.08.2015
Zu Beginn seiner Karriere stand die Architektur Hans Kollhoffs im Zeichen der klassischen Moderne. Doch dann fiel die Mauer und der Berliner Architekt wurde zum Protagonisten der "Kritischen Rekonstruktion". Le Corbusier, sagt Kollhoff, sei ein wichtiger Architekt, aber mit totalitären Zügen.
Hans Kollhoff ist aber auch ein streitbarer Mann. So nennt er den aktuellen Trend in der Architektur schlichtweg "Klamauk"; Architektur verkomme mehr und mehr zu einer "Sparte der Unterhaltungsindustrie" und mache sich zum Objekt des Investments.
Architekt Hans Kollhoff war bei Deutschlandradio Kultur im Gespräch mit der Moderatorin Britta Bürger. 
Architekt Hans Kollhoff war bei Deutschlandradio Kultur im Gespräch mit der Moderatorin Britta Bürger. © Deutschlandradio / Cornelia Sachse
Kollhoff, der in den 60er-Jahren studiert hat, hat viele architektonische und stadtplanerische Phasen miterlebt – und mitvollzogen. Auch er ist – wie viele seiner Zunft – von Le Corbusier beeinflusst worden, baut heute aber ganz anders.
Als er anfing zu studieren, war Le Corbusier für Kollhoff das "große Vorbild". Le Corbusier sei ein Architekt gewesen, der sich existenziell mit dem Bauen auseinander gesetzt habe, sagte Kollhoff im Deutschlandradio Kultur. Er habe "die ganze Welt aufgemischt" - man sei an ihm schlichtweg nicht vorbeigekommen.
Heute betrachtet Kollhoff den Jahrhundertarchitekten und dessen Werk deutlich distanzierter:
"Generell ist er eine Größe, an der man sich ständig reiben kann und muss. An ihm lässt sich das ganze Glück und Debakel der Moderne nachvollziehen."
Auch Le Corbusiers Lieblingsmaterial hat für Kollhoff keine herausragende Bedeutung mehr:
"Für mich ist Beton ein Rohbaumaterial und wird es auch immer bleiben. Mit Beton kann man gute Sachen machen, aber wie bei anderen Materialien auch kann eine verheerende Praxis mit diesem Material auch das Image herunterziehen. Ich denke, heute muss man Beton bekleiden."
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