Hans-Christian Schmidt/Andreas Német: „Liebe machen“

Verklemmt sein – geht gar nicht

05:05 Minuten
Cover des Buchs "Liebe machen" von Hans-Christian Schmidt und Andreas Német: Darauf sind zwei Figuren zu sehen, die sich umarmen.
© Klett Kinderbuchverlag

Hans-Christian Schmidt, Andreas Német

Liebe machenKlett Kinderbuchverlag , Leipzig 2021

48 Seiten

13,00 Euro

Von Kim Kindermann  · 28.12.2021
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Das kleine, in Reimen verfasste Buch "Liebe machen" bringt alles mit, was ein gutes Aufklärungsbuch braucht: Es ist lustig, schamlos und informativ.
„Ein Mann liebt eine Frau ganz doll. Und sie ist auch ganz liebevoll“, heißt es auf den ersten beiden Seiten dieses Aufklärungsbuches für Kinder ab drei Jahren. Geradeaus und ohne Tabu wird hier alles gezeigt und benannt, was fürs „Liebe machen“ wichtig ist: Küssen, Ausziehen, Streicheln und dann der Akt selbst.
„Und was man nun erkennen kann: Es wird was hart bei Frau und Mann.“ Beim Mann der Penis, bei der Frau der Busen samt Brustwarzen. Beide sind glücklich und genießen den Sex. „Sie fühlen sich nicht mehr wie zwei – es ist, als wären sie eins dabei.“

Glück, Lust und Liebe

Dieses kleine großartige Buch mit seinen Reimen hat einen wunderbar leichten Ton. Passend zu Thema: Man lacht, freut sich und versteht einmal mehr, einvernehmlicher Sex ist großartig. Er gehört zum Menschen dazu. Und daher sind Scham und Tabus falsch. Auch deshalb wird hier nichts ausgelassen. Kinder sehen, was passiert, wenn sich Frau und Mann lustvoll vereinen. Sie sehen unterschiedliche Positionen.
All das sollten Kinder verstehen: Je früher, umso natürlicher gehen sie später mit ihrer eigenen Sexualität um. Und dazu gehört dann eben auch, den Körper wahrzunehmen und sich auszukennen. Etwa dass Sperma aus dem Penis „spritzt“ und dabei aussieht wie „heller Glibber“.
Folgerichtig wird die Frau irgendwann schwanger: „Ein kleines Ei im Unterleib - hat sich beim Liebeszeitvertreib - mit etwas Sperma eng verbunden: befruchtet ist´s seit diesen Stunden.“ Monate später bringt sie dann das Kind zur Welt. „Bald sieht man zwischen ihren Beinen – den Kopf und dann den Rest erscheinen.“

Sex ist universal

Um zu zeigen, wie universal Sex schon immer war, haben Autor und Illustrator das Ganze in die Steinzeit verlegt. Nach dem Motto: Vieles hat sich geändert, wie wir uns kleiden und wo wir leben etwa, aber in Sachen Liebe machen, „war´s schon immer so“. Denn ohne Sexualität keine Kinder, keine Familie, keine Zukunft.
Die Zeichnungen sind schlicht, die Figuren mit Buntstift gemalt: rote Strichmännchen mit schwarzem wuscheligen Haar. Sie heben sich nur ganz leicht von dem beigefarbenen Hintergrund mit seinen flächig gemalten Felsen und der grünen Wiese ab. Das hat viel von Kindergarten-Zeichnungen. Und passt umso perfekter schon zu den ganz Kleinen.
Am Ende dann gibt es noch eine völlig anders gestaltete Doppelseite: In einem sehr bunten Bild sieht man eine Frau und einen Mann. Sie sitzen zusammen lächelnd auf einem großen Bett. Er hält ein Baby im Arm. Beide stammen klar und deutlich aus der Jetzt-Zeit.
Und auch hier sind Hans-Christian Schmidt und Andreas Német ganz auf der Höhe der Zeit, wenn sie schreiben: „Natürlich können auch zwei Frauen verliebt auf ihren Säugling schauen. Zwei Männer auch. (Wie die sich lieben, das sei ein andermal beschrieben…)“ Gut so! Besser kann Aufklärung nicht gelingen. 

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