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Lesart | Beitrag vom 13.02.2020

Hanns Zischler: „Der zerrissene Brief“Ein Mann, der Frauen über die Liebe sprechen lässt

Hanns Zischler im Gespräch mit Frank Meyer

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Porträt von Hanns Zischler. (Ulrich Weichert)
Zischler erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die 1899 von einem fränkischen Dorf nach New York aufbricht - eine Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. (Ulrich Weichert)

In Hanns Zischlers Roman kommen eine alte und eine junge Frau zusammen und erzählen einander: von ihren Reisen, dem Leben und der Liebe. Der Autor und Schauspieler, der erstmals einen Roman verfasst hat, sagt: Schreiben sei die größte Herausforderung.

In "Der zerrissene Brief", dem ersten Roman des Schauspielers, Regisseurs und Autors Hanns Zischler, stehen zwei Frauen im Mittelpunkt: Nach einer enttäuschten Liebe kommt die junge Elsa zu der über 80-jährigen Pauline. Beide erzählen sich von ihrem Leben und ihren Liebesgeschichten – ein Dialogroman. Die beiden Frauen zu belauschen, habe ihn gereizt, gibt Zischler zu. "Da kommen zwei Frauen aus sehr unterschiedlichen Welten zusammen."

Aus dem Dorf in die Welt

Die Geschichte basiere auf einer wahren Begebenheit, so Zischler. Pauline, eine junge Frau aus einem fränkischen Dorf, brach 1899 für zwei Jahre nach New York auf. Sie hatte einen deutlich älteren Liebhaber, Max, einen klugen, weltgewandten Mann, den sie aber als 17-Jährige noch nicht heiraten konnte. Sie stammte aus einem guten Haushalt in einer dörflichen Welt und Max stattete sie mit 2.000 Goldmark aus. "Das war damals sehr, sehr viel Geld", sagt Zischler. Mit diesem Geld ging sie nach New York.

Der Roman beginnt, als Pauline aus New York zurückkehrte, um mit ihrem Liebhaber durch Asien zu reisen. Zischler erzählt, die beiden verbinde eine gemeinsame Sehnsucht nach der Welt. Und so reisen sie nach Russland, Japan und bis nach Alaska. 

Schreiben als Herausforderung und Elixier

Gefragt, wie er als Schauspieler, Sachbuchautor, Regisseur, Übersetzer, Fotograf und Dramaturg, das Schreiben eines Romans empfinde, sagt Zischler: "Das eigene Schreiben ist die größte Herausforderung, weil es die offenste Geschichte ist. Wenn ich anfange zu schreiben, kenne ich den Ausgang nicht. Auf die anderen Dinge will ich nicht verzichten, kann ich nicht verzichten, aber das Schreiben bleibt ein Elixier und eine Herausforderung."

(nis)

Hanns Zischler: "Der zerrissene Brief"
Galiani, Berlin 2020
272 Seiten, 20 Euro

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