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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.05.2017

Hamburg Streit um Gebete an der Uni

Axel Schröder im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Der Eingangsbereich der Universität Hamburg (dpa/picture-alliance/Daniel Reinhardt)
Der Eingangsbereich der Universität Hamburg. Eine "Expansion des Religiösen in unserer Gesellschaft" beobachtet Dieter Lenzen, Präsident der Uni. (dpa/picture-alliance/Daniel Reinhardt)

Ein Stundenplan entsprechend den Gebetszeiten? Mensaessen, das "halal" ist? Die Universität Hamburg diskutiert heftig über den Einfluss von Religion auf ihrem Campus. Unser Korrespondent Axel Schröder erklärt, wie weit das geht.

Zehn Jahre lang reichte Studierenden an der Uni Hamburg der so genannte Raum der Stille, um sich zum Gebet zurückzuziehen. Mittlerweile kommt es aber vor, dass manch einer im Lesesaal der Bibliothek betet. Darüber habe es "heftige Diskussionen" gegeben, berichtet Axel Schröder.

Er selbst befragte den Uni-Präsident Dieter Lenzen, der ihm bestätigte, dass sich die "religiösen Vorfälle" häuften: Demnach habe es den Wunsch gegeben, den Stundenplan nach Gebeten auszurichten oder die Curricula zu revidieren entsprechend religiösen Vorschriften. Lenzen sprach gegenüber Schröder von einer "Expansion des Religiösen in unserer Gesellschaft", die eine Reihe von Fragen aufwerfe.

Politik unter dem Deckmantel von Religion

Der Uni-Präsident habe eine Kommission aus Juristen, Philosophen und Religionswissenschaftlern eingesetzt, um einen so genannten "Code of Conduct" zu erarbeiten, so Schröder, "damit solche Zwischenfälle nicht mehr vorkommen, damit auch das Personal eine Handreichung hat".

Schröder sprach auch mit einer Vertreterin des Asta, die ihm berichtete, dass es an der Uni offenbar Leute aus dem Umfeld der AKP und der türkischen extrem-rechten Organisation Millî Görüş gebe. Diese würden bei Veranstaltungen unter dem Deckmantel von Religion eine nicht grundrechtekonforme Politik vertreten.

Schröder selbst hat sich auf dem Campus umgehört: Im Raum der Stille hänge tatsächlich ein Vorhang, der Männer von Frauen trennen solle. Eine Muslima habe ihm jedoch versichert, dieser Vorhang sei auf Wunsch der Frauen aufgehängt worden - für deren Privatsphäre.

Viele junge Männer hätten ihm außerdem gesagt, ihnen sei der Vorhang nicht wichtig, auch Frauen könnten Vorbeterinnen sein. Und was das Essen anbelange, so müsse es nicht "halal" sein: Man könne auch Huhn oder Fisch oder vegetarisch essen. (bth)

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