Ausstellung im Museum Frieder Burda

Häkeln für die Weltmeere

07:43 Minuten
Vor blauem Hintergrund ist in einem Plexiglaskasten eine gehäkelte Koralle in orange, pink und rot zu sehen.
Eine Häkelkoralle von Margaret und Christine Wertheim: Die Struktur, die beim Häkeln im Stoff entsteht, entspricht dem Aufbau von echten Korallen. © La Biennale di Venezia / Francesco Galli
Udo Kittelmann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann  · 27.01.2022
Audio herunterladen
Bunte Unterwasserwelten, aber aus Wolle und Plastik: Die Künstlerinnen Margaret und Christine Wertheim haben dazu aufgerufen, Korallen zu häkeln. Aus etwa 40.000 eingesandten Werken sind Korallenriffe entstanden, die nun in Baden-Baden zu sehen sind.
Eine gehäkelte Unterwasserwelt steht im Mittelpunkt einer Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden, die am Wochenende eröffnet wird. Die Künstlerinnen und Schwestern Margaret und Christine Wertheim hatten dazu aufgerufen, sich an der Nachbildung bedrohter Korallenriffe in unseren Weltmeeren zu beteiligen. Aus ganz Deutschland haben mehr als 4000 Menschen ihre Häkelarbeiten zugeschickt.

40.000 Korallen gehäkelt

Seit mehreren Monaten würden die etwa 40.000 eingesandten gehäkelten Korallen im Museum zu Riffen zusammengesetzt, sagt der Kurator Udo Kittelmann. "So entsteht wirklich so etwas wie eine Analogie der tatsächlichen Riffe im Meer." Der Variantenreichtum sei unglaublich. "Es war ja nicht nur Wolle, sondern es wurde sogar mit Plastikbändern gehäkelt bis hin zu alten Tonbändern, um auf die Vermüllung der Weltmeere mit Plastik hinzuweisen." Die entstandenen Arbeiten zeigten, welche Schönheit dieser Welt verloren gehe, wenn die Korallenriffe weiter absterben.
Margaret und Christine Wertheim hätten mit ihrem Aufruf etwas angesprochen, das alle interessieren müsste, sagt der Kurator. Deshalb hätten sich wohl so viele Menschen zum Häkeln zusammen gefunden. "Diese kollektive Idee des Projektes hat natürlich unglaublich dazu animiert, dass sich immer mehr Menschen diesen Häkelarbeiten der Korallen angeschlossen haben."

Das Häkeln entspricht der Korallenstruktur

Der Aufbau von Korallen basiere auf hyberbolischen Kurvenstrukturen, so Kittelmann. "Das Häkeln schafft automatisch genau diese Strukturen." Es entstehe am Ende immer genau der geometrische Körper, den Korallen auch in der Natur hätten. Die Geschwister hätten dazu einmal gesagt, dass die Kunst das Leben animiere und das Leben so sei wie die Kunst.
Handwerkliche Techniken wie das Häkeln würden von vielen belächelt und als Kunsthandwerk abgewertet, so Kittelmann. "Nein, diese Häkeltechnik schafft eben unglaubliche Schönheiten." Es sei echte Kunst und es gehe darum, auch hier Hierarchien zu brechen. Es handele sich auch um eine wichtige Anerkennung und Würdigung für eine "große schöpferische Leistung" von Frauen, die diese Arbeiten überwiegend eingeschickt hatten.
Die Schwestern Wertheim hatten bereits 2019 auf der Biennale in Venedig das "Crochet Coral Reef" (Häkelkorallenriff) präsentiert, das jetzt ebenfalls im Rahmen der Ausstellung gezeigt wird.
(gem)

Die Ausstellung "Margaret und Christine Wertheim. Wert und Wandel der Korallen" ist vom 29. Januar bis zum 26. Juni im Museum Frieder Burda in Baden-Baden zu sehen.

Mehr zum Thema