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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.08.2019

Grünen-Politiker über Gentechnik und Lebensmittelproduktion"Grundvoraussetzungen für Ernährungssicherheit schaffen"

Harald Ebner im Gespräch mit Dieter Kassel

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Eine Brotkruste. (na | photocase.de)
Immer mehr Menschen brauchen Brot, die Herausforderungen für die Landwirtschaft sind groß. (na | photocase.de)

Der Grünen-Politiker Harald Ebner glaubt nicht, dass Gentechnik das Welternährungsproblem lösen kann - sie ignoriere zentrale Probleme der Landwirtschaft. Echte Engpässe bei der Lebensmittelproduktion gebe es bei Ressourcen wie Boden und Wasser.

Der Klimawandel fordert die Landwirtschaft heraus. Zugleich wächst Weltbevölkerung rasant an. Ohne gentechnisch veränderte Pflanzen sei den Folgen des Klimawandels nicht zu begegnen, meint der Journalist und Buchautor, Christian Schwägerl:

Dem widerspricht der Grünen-Politiker Harald Ebner, der nicht glaubt, dass Gentechnik das Welternährungsproblem lösen kann. Wichtiger sei es, die "Systeme" der Nahrungsmittelproduktion in den Blick zunehmen, sagte Ebner im Deutschlandfunk Kultur.

Ressourcen wie Boden und Wasser als "echte Engpässe"

So könne beispielsweise eine Landwirtschaft, die auf Mischkulturen statt Monokultur setze, Risiken des Klimawandels abfedern. Pflanzen könnten durch Züchtungen im Übrigen auch auf konventionelle Weise "optimiert" werden. Die Probemstellung sei insgesamt zu komplex, um sich nur auf Teilbereiche zu konzentrieren, so der Grünen-Politiker.

"Wir müssen dafür sorgen, dass die Grundvoraussetzungen für Ernährungssicherheit geschaffen werden", forderte er. Lebensmittelverschwendung und -vernichtung sowie der Zugang zu Ressourcen wie Boden und Wasser seien momentan die "echten Engpässe". Zur Lösung dieser Probleme könne die Gentechnik nichts beitragen.

"Bei der Welternährungsfrage gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens", meint Ebner. Die Molekularbiologen verträten hier nur eine Perspektive. Agrarwissenschaftler, Soziologen oder Ökonomen sollten ebenfalls befragt werden.

(huc)

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