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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 29.06.2015

GriechenlandWas kostet Deutschland die Krise?

Von André Zantow

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht am 29.06.2015 in Berlin während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem SPD-Parteivorsitzenden Gabriel. (dpa / Britta Pedersen)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Pressekonferenz am 29.06.2015 in Berlin (dpa / Britta Pedersen)

Knapp 90 Milliarden Euro kostet ein griechischer Staatsbankrott lauft Ifo-Institut die deutschen Steuerzahler. Das DIW geht von 40 bis 50 Milliarden aus. Doch wegen der Krise hat der Bundeshaushalt ähnlich viel gespart. Ein Nullsummenspiel?

"Die Griechenland-Krise kostet Deutschland viele Milliarden"

"Staatsbankrott kostet Deutschland über 86 Milliarden"

"Die Griechenland-Pleite kostet jeden Deutschen 1.055 Euro"

So eine Schlagzeile der "Bild"-Zeitung – die durchaus nervös macht. Kurz ein Blick auf das Konto. Wurden mir schon 1.055 Euro vom Konto abgezogen und nach Griechenland transferiert?

Nein, offenbar noch nicht. Aber wo kommt diese Zahl her? Das Boulevardblatt verweist auf eine Studie des Münchner Ifo-Instituts. Das leitet Hans Werner Sinn, der oft die Griechenlandkrise im Fernsehen erklärt:

"Ich glaube, der Austritt wäre garnicht so schlimm, wie viele tun. Es ist im Gegenteil die Chance durch die Abwertung der Drachme wieder wettbewerbsfähig zu werden."

Hans Werner Sinn spricht sich schon einige Jahre für den Austritt von Griechenland aus dem Euro aus und gegen Kredite für Griechenland.

Sein Institut beziffert die deutsche Haftungssumme auf 85 Milliarden Euro und wenn man das runterrechnet auf jeden Bundesbürger sind das 1.055 Euro.

Das ist zu viel, meint das größte deutsche Wirtschaftsforschungs-Institut – DIW.

Die Berliner sprechen von Maximal-Verlusten für Deutschland von 40 bis 50 Milliarden Euro. Also nur halb soviel und auch nur, wenn überhaupt nichts zurückgezahlt wird. Bisher hat der griechische Staat alle Kredite immer beglichen - sogar mit Zinsen.

Die Verluste sind also Zukunftsmusik, ganz real sind dagegen die Gewinne von Deutschland.

Bundes-Anleihen gelten seit der Krise in Europa als "sicherer Hafen" und so muss Deutschland viel geringere Zinsen zahlen für die eigenen zwei Billionen Euro Staatsschulden.

Dadurch sparte die Bundesregierung von 2010 bis 2014 – insgesamt 41 Milliarden Euro. Das gab das Bundesfinanzministerium auf eine Anfrage des SPD-Politikers Joachim Poß bekannt.

Wenn es also stimmt, dass der Bundeshaushalt mit 41 Milliarden Euro von der Krise in den Euro-Ländern profitiert – und ähnlich viel bezahlen müsste, wenn die griechische Regierung keinen Kredit zurückzahlt, könnten die Schlagzeilen auch wie folgt lauten:

"Griechenland-Krise ist für Deutschland Nullsummen-Spiel"

"Griechenland-Pleite kostet jeden Deutschen Mitgefühl"

Mehr zum Thema:

Griechenland-Krise - "Der erste Schrecken ist vorbei"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 29.06.2015)

Griechenland - Die Banken bleiben zu
(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 29.06.2015)

Griechenland - Das Schweigen der Angela Merkel
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 29.06.2015)

Griechenland-Nothilfe verlängert - Die zweifelhafte Macht der EZB
(Deutschlandradio Kultur, Kommentar, 28.06.2015)

Griechenland-Krise - "Eine Einigung ist für uns alle billiger und für Europa besser"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 28.06.2015)

Aus den Feuilletons - Angstszenario des Grexit
(Deutschlandradio Kultur, Kulturpresseschau, 27.06.2015)

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