Seit 05:05 Uhr Studio 9
Montag, 08.03.2021
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 04.12.2014

Greta KlingsbergWie war es, in Theresienstadt eine Kinderoper zu spielen?

Moderation: Katrin Heise

Podcast abonnieren
Greta Klingsberg, Holocaust-Überlebende (Deutschlandradio - Philipp Eins)
Greta Klingsberg, Holocaust-Überlebende (Deutschlandradio - Philipp Eins)

Kultur an einem Ort des Grauens: Im KZ Theresienstadt wurde mehr als 50 Mal die Kinderoper "Brundibar" aufgeführt. Mit dabei war damals auch Greta Klingsberg. Jetzt kommt der Dokumentarfilm "Wiedersehen mit Brundibar" in die Kinos.

Kinder, die zusammenhalten, überwinden auch das Böse. In diesem Fall das Böse in der Gestalt des grausamen Leierkastenmannes Brundibar. Die Kinderoper mit gleichem Titel wurde mehr als 50 Mal im KZ Theresienstadt aufgeführt. Greta Klingsberg war damals eins der Kinder, die in der Oper mitspielten. Später wurde sie nach Auschwitz deportiert, erlebte Todesmärsche und weitere Internierungen, bevor sie schließlich nach Israel auswandern konnte.

Dort wurde sie Sängerin und arbeitete viele Jahre im Musikarchiv des israelischen Rundfunks. Ihre Erfahrungen hat Greta Klingsberg unter anderem verarbeitet, indem sie als Zeitzeugin Kindern aus ganz Europa davon erzählte. Immer wieder wurde sie auch zu Inszenierungen von "Brundibar" eingeladen. So auch von der Theatergruppe "Die Zwiefachen" an der Berliner Schaubühne. Der Dokumentarfilm "Wiedersehen mit Brundibar" über dieses Projekt kommt am Donnerstag in die Kinos.

Auf der Bühne in Theresienstadt habe sie alles andere vergessen, sagt Greta Klingsberg in unserem Gespräch:

"Dann war ich Aninka, und da gab es einen Hund und eine Katze und eine Schule und Eis und Milch und Sachen, die wir schon jahrelang nicht sahen oder nicht wussten, dass sie überhaupt existieren."

Auch wer im Publikum gesessen habe, sei ihr egal gewesen:

"Es waren natürlich meistens die Ghettoinsassen, also die Inhaftierten. Aber ob da auch das Rote Kreuz oder die SS-Leute waren, das war für uns überhaupt nicht wichtig."

Mehr zum Thema:

Musik - Hochkultur inmitten des Grauens
(Deutschlandradio Kultur, Kalenderblatt, 16.10.2014)

Musik - "Ich freue mich, dass ich raus gekommen bin"
(Deutschlandradio Kultur, Aus der jüdischen Welt, 16.05.2014)

Holocaust-Überlebender - Der Pfadfinder
(Deutschlandradio Kultur, Reportage, 01.03.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Im Gespräch

Berlinale 2021Wie sehr vermissen Sie das Kino?
Barrieren mit dem Aufdruck der Berlinale-Bären stehen auf einem leeren, roten Teppich. (picture alliance / dpa / Lukas Schulze)

Eine Berlinale ohne Kinos, ohne Fans am roten Teppich: Corona hat auch das weltgrößte Publikumsfestival ins Digitale gedrängt. Die Festivalkinos sind dicht, wie alle Säle im Land. Gerade jetzt feiern wir das Kino – und freuen uns auf Ihre Filmtipps!Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur