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Im Gespräch | Beitrag vom 07.01.2021

Götz AlsmannKindergeburtstag für Erwachsene

Moderation: Katrin Heise

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Der deutsche Musiker Götz Alsmann singt in der Roland-Kaiser-Show. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Viel Leidenschaft für den deutschen Schlager: Götz Alsmann singt in der Roland-Kaiser-Show. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Der Musiker und Entertainer Götz Alsmann wurde vor allem als Moderator der TV-Sendung "Zimmer frei" im WDR bekannt. 20 Jahre lief die Sendung und war für ihn "toller Quatsch". Ein unkonventionelles Format wie dieses sei heute kaum noch möglich.

Die Kindheit von Götz Alsmann wurde noch nicht von Fernsehen und Internet bestimmt. Das sei ein "großes Glück" gewesen, sagt der Musiker und Moderator über das Aufwachsen in den 1960er-Jahren in Münster.  "Wenn Kinder etwas wollten, mussten sie es aus sich heraus entdecken."

In seinem Fall hieß das: In der Stadtbücherei in Büchern über Jazzmusik schmökern, die dort auf "vierzig Regalzentimetern" zu finden waren. Aus dieser Zeit stammt auch seine Faszination für das Banjo, dem er bis heute treu geblieben ist.

"Wie aus einer anderen Welt"

Die Musik hatte es Götz Alsmann aber schon viel früher angetan. Bereits im Kindergarten, der natürlich, "wie es sich für Münster gehört", ein katholischer Kindergarten war, habe er "eine Liebe zum Klavier gefasst". An besonderen Tagen, dem Nikolaustag oder Geburtstagen, musizierten die Ordensschwestern mit den Kindern.

"Dass dieser Kasten dann aufgeschlossen wurde, sich jemand dransetzte, in die Tasten haute, und es klang so wunderbar, wie aus einer anderen Welt: Das wollte ich unbedingt haben."

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Zunächst musste Götz Alsmann die Ernsthaftigkeit seines musikalischen Interesses vor den Eltern durch ein Jahr mit der Blockflöte unter Beweis stellen, doch dann erhielt er Klavierunterricht bei einem Nachbarn. Der habe die Noten großer Komponisten zwar eher als "eine unverbindliche Empfehlung" aufgefasst, aber "er war immer bemüht, aus einem schönen Stück von Mozart ein noch schöneres Stück zu machen".

Mitbewohnersuche mit Kult-Status

Der Entschluss, mit der Musik sein Geld zu verdienen, steht für Götz Alsmann früh fest. Schon als Jugendlicher tritt er als Pianist und Banjospieler auf. Er studiert Germanistik, Publizistik und Musikwissenschaften, gründet eine Band und präsentiert als Moderator Musiksendungen in Radio und Fernsehen. Bis heute hat er zahlreiche Platten veröffentlicht, zuletzt "L.I.E.B.E.", die an die letzten hundert Jahre Schlagergeschichte anknüpfen will.

Einem breiten Publikum bekannt wird der heute 63-Jährige an der Seite von Christine Westermann in der legendären Sendung "Zimmer frei", die ab 1996 im WDR-Fernsehen läuft. "Das war zweifellos der größte Erfolg meines Berufslebens."

Dabei war der Erfolg keineswegs abzusehen. "Nach der ersten Woche waren die Kritiken verheerend." Doch schon nach kurzer Zeit sieht die Lage anders aus: Ursprünglich als sechswöchiger Lückenfüller im Sommerloch gedacht, hält sich die Sendung zwanzig Jahre und genießt bis heute Kult-Status.

"Ich konnte tun und lassen, was ich wollte"

"Ich bezweifle, dass es derartige Chancen so ohne Weiteres in dem Stil noch gibt", sagt der Unterhaltungskünstler. "Als das losging mit 'Zimmer frei', war die Vorgabe des Redakteurs, dass ich tun und lassen konnte, was ich wollte. Und das hat mir sehr gut gefallen."

"Ich konnte was zerstören. Ich konnte was kaputtmachen. Wir konnten mit Torten schmeißen. Wir konnten Kindergeburtstag für Erwachsene feiern." Es ist eine wilde Mischung aus eigenwilligen Spielchen, klugen, kurzweiligen Gesprächen, etwas Blödelei, dazwischen Musik – kurz: nichts, was sich am Reißbrett entwerfen lässt.

"Man muss ein Format sich entwickeln lassen", ist der Moderator überzeugt. Doch heute sei "die Nervosität der Bestimmer beim Fernsehen". Ein Format müsse jetzt auf Anhieb funktionieren – ganz anders, als das bei "Zimmer frei" der Fall gewesen sei.

"Wir hatten Zeit, dass sich jede einzelne Sendung neu entwickeln konnte", schwärmt Alsmann: "'Zimmer frei' war die öffentlich ausgelebte Entwicklung. Von einem Quatsch im Sommer hin zu einem großen Quatsch für zwanzig Jahre."

(era)

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