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Religionen | Beitrag vom 30.12.2018

Glaube im Lauf des LebensRingen im Verborgenen

Von Stefanie Oswalt

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Illustration mit Händen, fünf Personen die sich an den Händen halten und weißen Tauben. (imago/Ikon Images)
Geborgen, gehalten oder gefangen? Das Verhältnis zu der Religion, mit der wir aufgewachsen sind, kann sich im Lauf des Lebens stark verändern. (imago/Ikon Images)

Was geschieht nach dem Tod? Was gehört zu einem guten Leben? Und auf welche Traditionen können wir dabei zählen? Viele Menschen suchen Antworten darauf in ihrer Religion. Fünf von ihnen erzählen, wie sich ihr Glaube mit der Zeit verändert hat.

Geborgenheit, Enttäuschung, Rückkehr, Befreiung – wie tief ein Mensch in seinem Innersten um Glaubensfragen ringt, bleibt meistens unsichtbar. "Der Glaube ist wie ein Eisberg im Menschen", sagt Pfarrer Martin Stoelzel aus Berlin. "Wir wissen, dass ein Viertel aus dem Meer guckt, und der Rest ist untendrunter."

In die Glaubensvorstellungen ihrer Kindheit wachsen die meisten Menschen unbewusst hinein. Doch im Lauf eines Lebens kann sich das Verhältnis zur eigenen Religion ganz wesentlich verändern. Eine Krankenpflegerin in Rente, ein Übersetzer, eine Medienberaterin, ein IT-Experte und ein Pfarrer, der gerade in den Ruhestand getreten ist, blicken auf ihre persönliche Entwicklung zurück. Zwei von ihnen sind evangelisch, zwei katholisch, eine Muslimin. Es zeigt sich: Die Auseinandersetzung mit Gott hat auch im vermeintlich immer weniger religiösen Deutschland für viele Menschen nach wie vor eine große Bedeutung.

Distanz zum Glauben in der Pubertät

Manche wandten sich in der Pubertät von ihrem Glauben ab – weil dessen Regeln eingesetzt wurden, "um Kinder gefügig zu machen", oder weil das in der Schule vermittelte Weltbild der Wissenschaft ihre Zweifel nährte. Manche suchen wieder Anschluss an die Religion und die Rituale ihrer Kindheit, wenn sie selbst Kinder haben. Andere entdecken neu, was der Glaube ihnen wert ist, wenn sie Menschen begegnen, in deren Leben Religion überhaupt keine Rolle spielt.

"Wenn man sich in einer ganz säkularen Gesellschaft bewegt, wie es die postsozialistischen Gesellschaften sind", sagt der Übersetzer und Musiker Johannes Hampel, der mit einer Frau aus der ehemaligen Sowjetunion verheiratet war, "dann wird einem schon klar, wie viel man dieser Welt des Glaubens verdankt – und wie viel einem fehlt, wenn das in einer Gesellschaft völlig verdunstet ist."

Zweifel als Zeichen von Reife

Thomas Jung, der in Wirklichkeit anders heißt, blieb nach der Abkehr vom rigiden Katholizismus auf dem Land bewusst auf Distanz zu jeder Form von Religiosität, weil Religionen in seinen Augen für zu viel Leid, Ausgrenzung und Fanatismus in der Welt verantwortlich sind. Demgegenüber betrachtet der Pfarrer im Ruhestand Jörg Machel das Hadern mit dem eigenen Glauben geradezu als Zeichen von Reife. Auch er musste sein ganz persönliches Verhältnis zu Gott immer wieder hinterfragen und klären:

"Das gehört auch zu meiner Pfarrerexistenz, dass ich sage: Leute, ihr könnt mich aufs Glatteis führen, ihr werdet mich immer wieder dabei erwischen, dass ich mehr Hoffnung verkünde, als ich beweisen kann. Und ich kann’s nur einlösen mit meiner Person."

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