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Tonart | Beitrag vom 20.09.2019

Gilles Peterson über Brexit und britischen JazzEin Mann des guten Geschmacks

Gilles Peterson im Gespräch mit Vivian Perkovic

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Eine Nahaufnahmen von Gilles Peterson als DJ in rotes Licht getaucht. Peterson hat einen Kopfhören locker um den Hals gelegt. (Getty Images / Miles Willis)
Schon lange erfolgreich am Plattenteller und im Radio: DJ Gilles Peterson während eines Gigs 2005 auf dem Exit Festival in Novi Sad 2005. (Getty Images / Miles Willis)

Gilles Peterson hat seit über zwanzig Jahren bei der BBC seine Radiosendung, er entdeckt Musik lange bevor es andere tun, ist DJ und Produzent. Er lobt die junge britische Jazz-Generation für ihre Energie und ihren Stolz.

Es gibt nicht viele Menschen, die einem durch das Radio, durch ihre Plattenfirma, oder dadurch, wie sie Platten in ihrem Plattenladen sortieren, neue Welten eröffnen. International ist die britische Radio-Legende Gilles Peterson so jemand: ein Mann, der Musikstile wie Baile Funk aus Brasilien oder Kuduro aus Angola schon auf dem Schirm hatte, bevor der amerikanische DJ Diplo in seine Sets einbaute.

Peterson hat aus seiner eigenen Begeisterung für Musik das schöne Geschäft gemacht, sie zu teilen: seit über zwanzig Jahren in seinen Radio-Sendungen für die BBC, auf verschiedenen Plattenlabels früher und auch Brownswood Recordings heute, aber auch auf Festivals, wie dem Worldwide-Festival

Do-It-Yourself Jazz-Generation

Peterson hat Musik aus aller Welt auf den Schirm. Verstärkt hat er sich aber um den Jazz und die Genres, in die der Jazz ausfranst, gekümmert. Während bis vor wenigen Jahren der britische Jazz relativ unbekannt war, füllen heute Acts wie Shakaba Hutchings, Matthew Halsall und die Band Kokoroko die Hallen auch außerhalb Großbritanniens.

"Diese Musikergeneration wurde von der Club-Kultur geprägt und von Organisaionen wie Tomorrow's Warriors", sagt Peterson. "Der Stolz, die Energie, die sie einbringen, die Do-it-yourself-Mentalität – ihr Wissen, wie man Platten mixt, produziert und veröffentlicht, wie man Events organisiert und Festivals macht, Social Media – all das beherrschen die toll und sie haben eine großartige Gemeinschaft gestiftet."

Auf der anderen Seite seien die Leute, die gern auf Konzerte gehen, beeindruckt von dieser Energie und dieser Handwerkskunst. Peterson meint, vielleicht könne man das, was gerade passiert, das subversiv Politische darin, mit dem Punk in den 70er- und 80er-Jahren vergleichen. 

All das trage wohl dazu bei, diese britische Musik über die Landesgrenzen hinaus zu tragen. Peterson sagt, die Führungsfiguren seien dabei wirklich wichtig: "Jede Bewegung braucht großartige Botschafter. Shabaka Hutchings ist unglaublich, Nubya Garcia und Moses Boyd sind fantastisch." Sie hätten das Talent, sowohl mit Medien als auch mit ihrem Publikum sprechen und Dinge organisieren zu können.

"José James - den Kerl muss ich verpflichten"

Auch Peterson hat eine Do-It-Yourself-Mentalität. Er sagt über sich, er sei immer DJ gewesen, immer im Radio, immer am Reisen in der Welt und habe amit sein Geld verdient. "Alles andere, was ich noch tue, sei es Worldwide FM oder Brownswood Recordings, ist so eine Art Hobby. Und eine Leidenschaft." Da müsse man auch damit leben, dass sich das finanziell vielleicht nicht rechne, sagt Peterson. 

Das Plattenlabel Brownswood Recordings etwa habe er gegründet, weil ihm der Musiker José James eine CD in die Hand gedrückt habe. "Ich muss den Kerl verpflichten", habe er sich gesagt, als er dessen Version von John Coltranes "Equinox" gehört habe. 14 Jahre später habe die Firma nun langsam Erfolg. 

(mfu)

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