Seit 01:05 Uhr Tonart

Dienstag, 20.08.2019
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Lesart | Beitrag vom 25.07.2019

Geteilte StädteVom Eingrenzen und Ausgrenzen

Isabel Fargo Cole und Anh Linh Ngo im Gespräch mit Joachim Scholl

Beitrag hören Podcast abonnieren
Grenzzaun mit Schild in Nordzypern (dpa / picture alliance / Bele Olmez)
Grenzzaun mit Schild in Nordzypern: Die Mittelmeerinsel ist seit 1974 geteilt. (dpa / picture alliance / Bele Olmez)

Das Literarische Colloquium untersucht mit Gästen aus Belfast, Mostar, Nikosia und Berlin, welche Kunst in geteilten Städten entsteht. Die Autorin Isabel Fargo Cole und der Architekturkritiker Anh Linh Ngo diskutieren über "Rewriting the map".

Räume und Landschaften, die Texte prägen - das ist das Thema eines Treffens von Literaten in Berlin: Vom 25. bis zum 27. Juli, anlässlich des 30. Jubiläums des Mauerfalls, richtet das Literarische Colloquium ein Festival zu Literatur, Kunst und Urbanismus in geteilten Städten Europas aus. Gäste aus Belfast, Mostar, Nikosia und Berlin diskutieren bei "Rewriting the Map" das Zusammenspiel zwischen der spezifischen räumlichen Struktur dieser Städte und der Kunst, die dort entsteht.

Ein Kontrast, der interessiert

Isabel Fargo Cole ist Autorin und Übersetzerin, Amerikanerin, die auf Deutsch schreibt und seit vielen Jahren in Berlin lebt. Ihr Roman "Die grüne Grenze" ist im Harz angesiedelt:

"Mich hat die Grenze schon immer fasziniert. Ich war 1987 im Rahmen eines Austauschprogramms kurz in Berlin, stand an der Mauer. Diese Grenze hat mich einfach so angezogen – das Bedürfnis zu wissen, was sich jenseits der Grenze befindet. In den 90ern bin ich dann nach Berlin gezogen, habe mich immer mit dieser Grenze in Berlin beschäftigt. Nebenbei habe ich natürlich auch Ausflüge gemacht, unter anderem in den Harz, und bin dann auch auf diese andere Grenze gestoßen, die mich auch anders faszinierte, weil das eine Grenze durch die unberührte Natur ist, die auch nicht so unberührt ist. Dieser Kontrast hat mich interessiert."

Freiwillige Gefangene der Architektur

Anh Linh Ngo, Chefredakteur und Herausgeber der Zeitschrift Arch+, erinnert daran, was der damals sehr junge, heute weltberühmte Architekt Rem Koolhaas 1971 bei einem Berlin-Besuch festgestellt habe:

"Bei ihm hat einen Schock ausgelöst, dass West-Berlin eigentlich eingeschlossen war, eingemauert war. Das macht man sich eigentlich gar nicht mehr bewusst, dass diese Einmauerung die Freiheit konstituiert hat. Daraus hat er ein Konzept entwickelt, was literarisch auch sehr gut klingt, dass wir im Grunde genommen freiwillige Gefangene der Architektur sind. Das ist eigentlich eines der Hauptstrategeme der Architektur, durch Einmauerung, durch Errichtung von Zäunen, von Grenzen Lebensraum zu ermöglichen, zu schaffen. Dieser Widerspruch ist etwas, das uns heute immer wieder beschäftigt im Sinne der Aus- und Eingrenzung."

Mehr zum Thema

Hinter den Mauern der Reichen - Hochgesicherte Wohnsiedlungen in Südafrika
(Deutschlandfunk, Eine Welt, 9.2.2019)

John Lanchester: "Die Mauer" - Der Klimawandel als dunkle Dystopie
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 4.2.2019)

Grenzziehungen - Von Mauern und Menschen
(Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 13.1.2019)

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur