Was das Weltall mit unserem Körper macht

Ein Krankheitsfall auf der Internationalen Raumstation zwingt die Crew zur Rückkehr. Wie ist es, im Weltall krank zu sein? Macht das Leben im All den Menschen nicht schon selbst krank? Und warum erholen sich Frauen offenbar schneller?
Die Nase läuft, der Kopf tut weh, das Fieber steigt: Niemand ist gerne krank. Ganz zu schweigen, man leidet in 400 Kilometer über der Erde. Genau das erlebt gerade ein Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS. Er ist so krank, dass ein Außeneinsatz abgesagt wurde und die vierköpfige Crew nun früher als geplant zur Erde zurückkehrt. Die NASA nennt weder Namen noch Diagnose. Immerhin scheint es kein Notfall zu sein.
Arztpraxis im All
Auf der Erde geht man zur Apotheke, zum Hausarzt oder ruft im Notfall den Rettungsdienst. Im Weltall ist das natürlich komplizierter. Ganz aufgeschmissen sind Astronautinnen und Astronauten dort aber nicht. Sie sind medizinisch geschult und können zum Beispiel Platzwunden nähen, sich gegenseitig Zähne ziehen, oder Wiederbelebungen durchführen.
Dazu kommt eine gut ausgestattete Bordapotheke, inklusive verschreibungspflichtiger Medikamente und umfangreicher Medizintechnik. Die Arztpraxis fliegt also mit. Außerdem stehen die Crews in ständigem Kontakt mit sogenannten Weltraumärzten, notfalls auch per Video für eine Ferndiagnose. Reicht auch das nicht aus, bleibt am Ende nur die Rückkehr zur Erde.
Wenn das Weltall krank macht
Krank zu sein ist im All doppelt hart. Die Schwerelosigkeit und die kosmische Strahlung setzen dem Körper extrem zu.
Herz, Muskeln und Knochen bekommen im All kaum noch etwas zu tun. Die Folge: Muskelmasse und Knochendichte nehmen ab, das Herz wird weniger gefordert. Blut und andere Körperflüssigkeiten verteilen sich neu im Körper, mit Auswirkungen auf das Gehirn, dessen Volumen zunimmt.
Nachlassende Sehkraft, Zellen unter Stress
Dazu kommt die sogenannte Weltraumkrankheit. Ausgelöst durch die Schwerelosigkeit fühlt sie sich an, als wäre man seekrank. Nur ohne festen Boden, an dem man sich orientieren kann. Das Gleichgewichtssystem gerät durcheinander – Übelkeit, Schwindel und Erbrechen gibt es inklusive.
Und damit nicht genug. Viele Astronauten klagen nach längeren Aufenthalten über nachlassende Sehkraft. Zellen geraten unter Stress. Das Niveau bestimmter Entzündungsfaktoren und Immunzellen im Blut erhöht sich und die Erbsubstanz der Zellen zeigt Hinweise auf Schädigungen. Schuld daran ist vor allem die kosmische Strahlung, die im All ungebremst auf den Körper einwirkt.
Ein Langzeitexperiment mit Folgen
Wie sehr uns der Weltraum krank macht, zeigte auch ein Langzeitexperiment mit dem Astronauten Scott Kelly in den Jahren 2015 und 2016. Kelly verbrachte fast ein Jahr auf der ISS, während sein Zwillingsbruder auf der Erde blieb.
Nach seiner Rückkehr fühlte sich Kelly wie ein alter Mann, wie er selbst sagte. Er klagte über geschwollene und schmerzende Beine, über Übelkeit und eine brennende Haut. Und es traten etliche genetische Veränderungen auf. Zwar bildete sich ein Großteil dieser Veränderungen nach der Rückkehr zur Erde wieder zurück – doch eben nicht alle. Neben den körperlichen Effekten kommt die psychische Belastung. Auf der ISS gibt es wenig Platz, hohe Verantwortung, viele Aufgaben und eine nervliche Anspannung. Verlockend klingt das alles nicht.
Unsere Körper halten mehr aus als gedacht
Trotz aller gesundheitlichen Risiken boomt das Geschäft mit dem All. Die NASA plant eine Mondmission, China gleich eine ganze Mondbasis. Und irgendwann geht es vielleicht zum Mars. Schon heute tummeln sich immer mehr Touristen im All.
Die gute Nachricht: Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass selbst untrainierte Weltraumtouristen kurze Aufenthalte im All gesundheitlich verkraften können. Fast alle körperlichen Veränderungen, die ein Aufenthalt im All auslöst, scheinen nach der Rückkehr zur Erde wieder zu verschwinden. Blut- und Proteinwerte und sogar genetische Veränderungen normalisieren sich.
Frauen erholen sich schneller
In der Untersuchung erholten sich Frauen schneller von den Strapazen des Alls als ihre männlichen Kollegen. Sie waren nicht nur seltener von Augenproblemen betroffen, sondern regenerierten sich auch von genetischen Veränderungen zügiger. Für die Forschenden war das eine neue Erkenntnis. Eine mögliche Erklärung: Weibliche Körper sind durch Schwangerschaften an tiefgreifende körperliche Veränderungen gewöhnt.
Was das All langfristig mit unserer Gesundheit macht, ist bislang allerdings kaum erforscht. Womöglich zeigen sich die Folgen erst, wenn die neue Generation von Weltraumtouristen in die Jahre kommt. Sicher ist: Schwerelosigkeit und kosmische Strahlung im All sind eine Dauerbelastung für den Körper. Eine mehrjährige Marsmission wirkt vor diesem Hintergrund zumindest gesundheitlich wenig verlockend. Und wenn man, wie aktuell auf der ISS, zusätzlich krank wird, gelangt man schnell an seine Grenzen.
Vielleicht ist also am Ende die Erde mit Schwerkraft, Atmosphäre und Arztpraxen ja doch ein ziemlich guter Ort, um zu bleiben.
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