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Interview / Archiv | Beitrag vom 02.03.2020

GesundheitBeim Coronavirus den Schwerpunkt bei Risikogruppen setzen

Gudrun Widders im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Das Gesundheitsamt in Heinsberg. Im Kreis Heinsberg gab es den ersten bestätigten Fall des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen. (picture-alliance/dpa/Jonas Güttler)
Seit es im Kreis Heinsberg den ersten Fall des Coronavirus gab, sind die Gesundheitsämter zunehmend gefragt. (picture-alliance/dpa/Jonas Güttler)

Steigt die Zahl der Coronafälle, sollte nach dem Influenza-Pandemieplan verfahren werden, sagt Gudrun Widders vom Gesundheitsamt Spandau. Das bedeute vor allem, Schwerpunkte bei stark gefährdeten Gruppen zu setzen, etwa bei Schwerkranken oder Tumorpatienten.

Die weltgrößte Tourismusmesse, die ITB Berlin, wurde diese Woche wegen des Coronavirus abgesagt. Erwartet wurden rund 170.000 Fachbesucher aus aller Welt. Eigentlich hatte das zuständige Gesundheitsamt in Berlin-Charlottenburg zunächst nichts dagegen, bestand aber auf Auflagen. Die aber waren den Veranstaltern zu streng, also wurde abgesagt.

Überall in Deutschland werden die Gesundheitsämter der Kommunen nun um Rat gefragt und es stellt sich die Frage, ob sie ihren Aufgaben ausreichend gewachsen sind.

Influenza-Pandemieplan gilt  

Sollte die Zahl der Corona-Fälle weiter steigen, sollte nach dem Influenza-Pandemieplan verfahren werden, sagt Gudrun Widders. Sie ist Leiterin des Gesundheitsamtes Berlin Spandau.

Das bedeute, nicht mehr jede Infektkette unterbrechen zu wollen, sondern Schwerpunkte zu setzen bei stark gefährdeten Gruppen. Das seien schwerkranke Menschen, Tumorkranke oder immungeschwächte Menschen. Dabei gehe es darum, vor allem diejenigen zu schützen, die besondere Risiken hätten, schwere Komplikationen zu entwickeln. Widders sagt auch, dass sich die kommunalen Gesundheitsämter mit den Ministerien abstimmten.

Unterschätzte Amtsärzte

Widders bestätigt, dass es viele Amtsärzte frustriere, dass sie schlechter bezahlt und wie "Ärzte zweiter Klasse" behandelt würden. "Wenn wir uns von der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber anhören müssen, wir wären nur Verwaltungsärzte, wir würden keine Diagnostik und Therapie machen, deshalb wäre es gerecht, dass wir schlechter bezahlt würden und zwar wesentlich schlechter, dann frustriert das natürlich schon." Es stimme auch einfach nicht, sagte die Amtsärztin. 

Sie und ihre Kollegen seien in der Diagnostik und Behandlung bei den Kinder- und Jugenddiensten sowie Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten und Sozialpsychiatrischen Diensten tätig. In der aktuellen Corona-Krise zeige sich auch die Rolle der Amtsärzte im Infektionsschutz.

(gem)

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