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Fazit | Beitrag vom 22.09.2020

Gerhard Richter will nicht mehr malenRichter wird zum Rentner

Elke Buhr im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Der Maler Gerhard Richter steht in einer seiner Austellungen. Sein Oberkörper spiegelt sich in einer Glasscheibe. (imago images/Robert Michael)
Der Maler Gerhard Richter hat angekündigt, keine großen Gemälde mehr zu malen. (imago images/Robert Michael)

Er gilt als höchstdotierter lebender Künstler, doch jetzt will Gerhard Richter nicht mehr malen. Elke Buhr vom Kunstmagazin „Monopol“ überrascht die Entscheidung Richters, sein Werk abzuschließen. Zugleich sei sie Ausdruck seines Perfektionismus.

Gerhard Richter wird sich zurückziehen und will seine Pinsel wohl in die Ecke stellen. "Irgendwann ist eben Ende", sagte der 88-jährige Maler der Deutschen Presse-Agentur. Der gebürtige Dresdner gilt als höchstdotierter lebender Maler überhaupt und führt weltweit Künstler-Rankings an. 

"Das war für mich schon eine Überraschung, weil das eigentlich recht selten passiert, dass Künstler, von denen man eigentlich denkt, sie machen gerade noch sehr viel, dass solche Künstler sagen: So, das war es jetzt", sagt Elke Buhr, Chefredakteurin des Kunstmagazins "Monopol". Gleichzeitig sei es für Richter leicht, ein "das war es" zu äußern, da er während seines gesamten Lebens großen Erfolg gehabt habe.

Ein geordnetes Werk hinterlassen

"Ich glaube, man muss es verstehen als ein Künstler, dem es wichtig ist, dass er sein Werk geordnet hinterlässt", so Elke Buhr. Richter habe nicht gesagt, er wolle gar nicht mehr künstlerisch tätig sein, sondern könne sich vorstellen, noch zu zeichnen. Aber es ginge ihm darum, dass sein Werkverzeichnis abgeschlossen sei, erklärt Buhr.

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Das Werkverzeichnis eines Künstlers sei eine "hochwissenschaftliche Angelegenheit", so Elke Buhr. In ihm wird genau definiert, was zum Werk gehört und zeigt nicht unbedingt die Anzahl von Kunstobjekten an, da sie durchaus für das Werkverzeichnis auch zusammengefasst werden können.

Richter wolle wohl sein Werkverzeichnis perfekt hinterlassen und es zu Lebzeiten überblicken. Dahinter sei durchaus sein Perfektionismus zu erkennen. "Und ich hoffe auch für ihn, dass es eine Art von Zufriedenheit mit seinem Werk ist", sagt Elke Buhr.

Den Kunstmarkt freut es

Fakt ist aber auch, dass sich Richter vor rund zehn Jahren schon einmal ähnlich geäußert hat, und dann folgten dennoch viele Gemälde, manche davon groß wie eine halbe Wohnzimmerwand. Allerdings, bemerkt Buhr, könne es auch sein, dass Gerhard Richter mit voranschreitendem Alter nicht mehr so große Gemälde, für die man auf Leitern klettern müsse, herstellen könne.

Den Kunstmarkt jedenfalls würde ein endgültig abgeschlossenes Werk freuen, weiß Buhr, "weil dann der Preis steigt".

(nho)

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