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Interview | Beitrag vom 09.03.2021

Gender und SpracheKaum Überlebenschancen für das generische Maskulinum

Heidrun Kämper im Gespräch mit Stephan Karkowksy

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Auf einem Bildschirm ist das Wort «Schüler*innen» zu sehen.  (picture alliance/dpa | Gregor Bauernfeind)
Der Genderstern zeigt an: "Hier passiert etwas." So sieht es die Linguistin Heidrun Kämper. (picture alliance/dpa | Gregor Bauernfeind)

Von Binnen-I bis Doppelpunkt: Verschiedene Formen der geschlechtergerechten Sprache kämpfen um die Vorherrschaft. Der Ausgang sei unklar, meint die Linguistin Heidrun Kämper. Das generische Maskulinum hat ihr zufolge wenig Chancen, zu überdauern.

Sternchen, Doppelpunkt - oder doch das Binnen-I? Welche Form der geschlechtergerechten Sprache am Ende das Rennen machen wird, ist für die Sprachwissenschaftlerin Heidrun Kämper noch offen. Wo es hingeht, darüber sei sie sich "noch nicht so ganz im Klaren", bekennt Kämper.

Die Leiterin des Arbeitsbereichs "Sprachliche Umbrüche" des Leibniz-Instituts für deutsche Sprache hat selbst wenig Sympathien für das Binnen-I, denn das stelle eine "Störung" dar. Der Genderstern hingegen markiere die Stelle im Wort gewissermaßen: "Hier passiert etwas. Hier wird etwas angehängt."

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Anhängsel wie "*innen" würden allerdings von Feministinnen kritisiert, weiß Kämper. Dann doch lieber "Bürgerinnen und Bürger"? Das fände sie am fairsten, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Immer beide Formen auszuschreiben, schaffe allerdings Platzprobleme und Sprechhindernisse.

Bleibt noch der Doppelpunkt: "Der ist generell, scheint es, ein Satzzeichen, das auch in anderer Hinsicht Konjunktur hat. Auch bei Zitierweisen zum Beispiel wird der Doppelpunkt zunehmend verwendet. Das kann ich mir gut vorstellen, dass der sich durchsetzen wird."

Das Maskulinum - eine historische Form

Wenig Überlebenschancen räumt Kämper dem generischen Maskulinum ein, also dem Verwenden der männlichen Form für beide Geschlechter: 

"Wenn die Entwicklung so weitergeht wie jetzt, dass es ohne Frage so sein soll, dass Frauen markiert werden sollen in Texten, dann wird das generische Maskulinum eine historische Form werden."

Die "Coronasprache" wird vermutlich verschwinden

Generell unterscheidet die Linguistin zwischen aktuellen, aber vorübergehenden Sprachphänomen und solchen, die sich später einmal als echter Umbruch erweisen.

Zu den aktuellen Erscheinungen gehört für sie derzeit unter anderem die Radikalisierung der Sprache in der Politik und im Internet. Und auch die "Coronasprache", die Kämper zufolge aber nach der Pandemie vermutlich wieder verschwinden wird: "Wenn Corona vorbei ist, werden wir diese Ausdrücke nicht mehr benutzen."

(uko)

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